Dass sich dieses Blog in einer Nische bewegt, ist klar. Jetzt gehe ich aber ausnahmsweise mal sogar darin in ein Eckchen, das vermutlich selbst für die Leser dieses Blogs ein wenig speziell daherkommt. Es geht dabei um (im PR-Slang) Community Relations von Hochschulen, also PR-Strategien, die regional ausgerichtet sind.
Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einer Kollegin darüber unterhalten, dass viele Hochschulen dieses Thema nach wie vor unterschätzen. Wir haben dazu keine empirischen Befunde. (Da winkt ein Diplomthema.) Doch oft hat man den Eindruck, Hochschulen denken vor allem an die große Wissenschafts-PR und den so langsam entstehenden bundesweiten (vom internationalen sind wir wohl ein Stück entfernt) Wettbewerb um Studierende. Es soll ja sogar Funktionsträger in Hochschulen geben, die so ein bisschen von oben herab auf die Bürgermeister oder Unternehmer ihrer Stadt schauen. Das gilt übrigens gelegentlich auch für die Lokalzeitung, schließlich ist jede Uni so toll, dass sie in der FAZ oder Zeit stehen muss. „Town vs. gown“-Konflikt heißt das im englischen Sprachraum so nett.
Vor einigen Jahren habe ich – damals als PR-Mensch einer kleinen Uni in einer kleinen Stadt – begonnen, mich mit regionaler PR ein bisschen intensiver zu beschäftigen. Warum? Weil wir festgestellt haben, dass ein erschreckend großer Teil der Menschen in der Region nicht wusste, was an dieser Uni eigentlich gemacht wird. Und weil beispielsweise regionale Unternehmen Projektpartner, Sponsoren, Praktikums- und Arbeitgeber für Studierende sein können. Unter anderem ist so in Kooperation mit der örtlichen IHK und den Wirtschaftsjunioren eine kleine Vortragsreihe entstanden, die speziell Unternehmer aus der Region ansprach. Wissenschaftler der Uni haben aktuelle und für Unternehmer nutzbare Erkenntnisse aus ihren Gebieten vorgestellt. Mit ziemlichem Erfolg: Zu den Vorträgen kamen eine Menge Leute, und auf den anschließenden Empfängen kamen Wissenschaftler und Praktiker ins Gespräch. Gelegentlich mündete dies in eine Diplomarbeit oder ein kleines Projekt. Leider haben wir es nur geschafft, ein paar solcher Veranstaltungen zu organisieren. Doch eigentlich muss man oft gar keine neuen PR-Aktivitäten schaffen, sondern das Vorhandene überhaupt systematisch zugänglich machen, so wie das z.B. die Uni Münster mit einem eigenen Web-Portal für Bürger der Region macht.
Bei meiner Recherche zum Thema habe ich festgestellt, dass Community Relations an US-amerikanischen Universitäten seit vielen Jahren selbstverständlich sind. Und ich bin darauf gestoßen, dass auch in Finnland einiges getan wird. Weshalb und wie das gemacht wird, habe ich dann in einem Paper zusammengefasst, in das ich das Fallbeispiel der eigenen Universität integriert habe. Die erste Fassung des Artikels habe ich in einen Diskussionsprozess der EU zur künftigen Rolle der Hochschulen eingebracht – zu einer wirklichen Diskussion speziell hierzu kam es jedoch meines Wissens nicht. Eine gekürzte Fassung des Papiers ist dann nach einigen Überarbeitungen vor einem Jahr in der Public Relations Review erschienen, einer der wenigen akademischen Fachzeitschriften zu PR. Die Langfassung des Papers stelle ich nun auch hier zum Download (pleil-community_relations.pdf) – ganz im Sinne des Long Tail findet sie vielleicht interessierte Leser.
Nachtrag: Wie lustig, ich sehe gerade, dass heute die Jahrestagung der Hochschulpressesprecher eröffnet wurde. Ist wirklich Zufall, dass ich das ausgerechnet jetzt poste. Wer sich übrigens näher für Hochschul-PR interessiert, findet auf der (nicht ganz einfach auffindbaren) Seite der Arbeitsgemeinschaft der Hochschulpressesprecher vielleicht ein paar nützliche Infos.
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Hallo !
Diese Probleme gibt es aber bestimmt auch an anderen Hochschulen, Oder ?
Gruß Axel
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Ja, Axel, genau das ist meine These: Viele Hochschulen vernachlässigen in ihrer Kommunikation die Region.
[edit note: Werbetrackback zu Deinem Online-Shop entfernt]
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Ihr habt Rcht!
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