Da ich gestern nach meinen beiden Vorlesungen an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) aufdringlich genug auf dieses Blog hingewiesen habe, will ich nun auch die PR-Studenten der BAW, die sich hierher verirren, begrüßen. Hoffe, Sie haben sich halbwegs erholt von der Doppelpackung aus Nonprofit-PR und Web 2.0, die wir im Galopp andiskutiert haben.
Ich habe die Diskussion in München als sehr spannend empfunden – besonders die Frage, ob die Kommunikation in Weblogs zu einer weiteren Anonymisierung in der Gesellschaft beiträgt. Eine Studentin meinte, die Blogkommunikation gehe auf Kosten von Face2face- Kommunikation und von Beziehungen im realen Leben. Ich weiß nicht, ob meine Gegenposition überzeugt hat. Aber ich denke, dass wir hier im Blog die Möglichkeit haben, weiter zu diskutieren. Das ist aus meiner Sicht schon ein Gegenargument zur zitierten Befürchtung: Wir können die (schwache) persönliche Beziehung, die wir an einem Nachmittag aufgebaut haben, hier weiter entwickeln – was wir ohne Blogs mit großer Wahrscheinlichkeit nicht täten, da ich die meisten von Ihnen vermutlich in absehbarer Zeit nicht mehr treffen werde. Das Schöne daran ist für mich, dass ein Blog(-beitrag) ein Angebot zur Kommunikation ist, das man annehmen kann oder nicht. Neuere Forschungsergebnisse zeigen übrigens, dass etwa 85 Prozent der Blogleser dieses Angebot nicht annimmt, sondern lieber passiv (also in der Rolle des Lesers) bleibt. Für mich ist das absolut ok – entscheidend ist das Angebot zur Kommunikation, denn irgendwann kommt vielleicht der Punkt, an dem ich als Leser doch beteiligen möchte. Dies gilt mich genauso für Business Blogs – insofern ist ein Business Blog zunächst auch ein Signal für eine bestimmte Haltung gegenüber meinen Zielgruppen.
Und bemerkenswert ist für mich auch, dass ich bisher (nahezu) jeden, der hier ab und zu vorbeischaut und kommentiert, irgendwann schließlich im wirklichen Leben kennengelernt habe. Insofern halte ich es hier mit jenen Soziologen, die das Netz als Möglichkeit sehen, reale Beziehungen zu erweitern und zu vertiefen – auch wenn diese oft ihren Ursprung im virtuellen Raum haben. Oder mit Barry Wellman ausgedrückt: Das Internet hilft, Sozialkapital auszubauen. (Lesestoff dazu auch hier)
Gut gefallen haben mir auch die vier Wege, ein Blog bekannt zu machen, die wir erarbeitet haben:
- Content, content, content
- Linken
- An anderer Stelle kommentieren
- Und das Wichtigste: Sich über die Bekanntheit seines Blogs nicht zu viele Gedanken machen, sondern vor allem Punkt 1 berücksichtigen und einfach abwarten.
Abschließend noch der Link zum erwähnten Euroblog-Vortrag mit weiteren Case Studies zu Unternehmen im Web 2.0.
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Ich habe viele Personen im RL nur deswegen kennengelernt WEIL ich blogge.
Es ist schön zu sehen, dass man sich wiedererkennt und dennoch noch so viele schöne neue Dinge an den anderen Personen schätzen lernt :-)
Eigentlich ist Bloggen und Blogs lesen eine wunderbare Methode sich anzunähern, ohne wertvolle Stunden in einer verräucherten Kneipe zu verschwenden. Andererseits: Dass man sich genau dort anschließend mit den Bloggern trifft, das ist auch eine wunderbare Sache :-))
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Gerade letzteres ist ja wirklich keine Seltenheit ;-)
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