Fachblogs

Fachblogs zählen für mich zu den besonders spannenden Typen von Weblogs. Gerade aus PR-Sicht. Unternehmen, die überlegen, ein Weblog einzurichten, tun sich in vielen Fällen mit Fachblogs am leichtesten. Denn jede Firma hat ein, zwei oder viele Themen, zu denen sich Mitarbeiter gut auskennen. Damit haben Unternehmen die Möglichkeit, einerseits ihre Kompetenz zu beweisen, andererseits in (idealerweise) viele Dialoge mit ihren Bezugsgruppen (bei Fachblogs sind das meist Kunden und potenzielle Kunden) zu kommen. Und hat man das Thema nicht zu eng gewählt und sich von dem Gedanken verabschiedet, dass der eigene Laden bzw. seine Produkte in jedem zweiten Beitrag erwähnt werden muss, ist das Ganze auch aus PR-Sicht gar nicht so riskant (vorausgesetzt, man schließt im entscheidenden Moment nicht die Augen).

Längst gibt es viele Business Blogs, die als Fachblog daher kommen (vermutlich die Mehrheit). Zum Beispiel Blogs von Juristen, Software-Entwicklern, Medienleuten oder Reiseveranstaltern – jeweils zu ihren Themen (hier eine Liste). Natürlich können Fachblogs auch von Privatleuten gepflegt werden, zu ihren Hobbies, einem beruflichen Thema, oder weil sie sich gesellschaftlich engagieren.

Wobei mich wundert, warum manche Fachblogs von höchst qualifizierten Autoren in der Freizeit geschrieben werden und nicht als Business Blog unter dem Logo ihres Arbeitgebers (und damit in der Arbeitszeit).  Wenn ich mir als PR-Mensch Gedanken über ein Business Blog für’s eigene Unternehmen machen soll, würde ich auf jeden Fall erst schauen, wer in der Firma schon bloggt und wie man diejenigen einbinden kann. Und vielleicht kommt ja noch die Zeit, in der einige Unternehmen das Bloggen als Kernaufgabe eines z.B. Vertriebsmitarbeiters oder Produktentwicklers sehen, damit sie ihre Kunden kontinuierlich einbinden  (Relationship Management auf fachchinesisch) ;-)

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was eigentlich die Leser von Fachblogs erwarten. Hierzu wissen wir noch viel, viel zu wenig (der Zaunpfahl winkt, liebe Diplomanden!). Ein paar Dinge wissen wir nun aber doch, denn Kay A. Schönewerk hat aus einer Befragung die die Corporate Publishing Lounge im Auftrag eines Kunden durchgeführt hat, zehn Thesen zu B2B-Blogs destilliert:

  1. „Hauptgrund, ein B2B-Blog zu lesen: Allein fachliches Interesse!
  2. Danach folgen: Bezug des Lesers zum Unternehmen und grafische Aufmachung!
  3. Den Lesern ist die Erscheinungsweise völlig egal.
  4. Die Leser erwarten ein reines Fach- & Meinungsblog aus dem Unternehmen.
  5. Imagetexte und Werbepräsentationen sind nicht gewünscht.
  6. Inhaltlich zählen Fachtexte – und eine thematisch übergreifende Mischung.
  7. Die Leser bevorzugen kurze und prägnante Texte.
  8. Aber mehr als zehn Artikel auf einmal wollen sie nicht lesen.
  9. Die Leser vertiefen sich in einen Artikel nur, wenn das Thema sie wirklich interessiert.
  10. Und: Gelesen werden B2B-Blogs vor allem während der Arbeit.“

Damit wird klar, dass in der B2B-Kommunikation eigentlich nur ein Fachblog in Frage kommt, wenn das Unternehmen Blogs in der externen Kommunikation einsetzen möchte. In der B2C-Kommunikation kommen dagegen u.a. auch Markenblogs oder unterhaltende bzw. erzählende Formate in Frage.

Noch ein paar wichtige Punkte zu Fachblogs:

  • Ihre Qualität bzw. ihren Erfolg misst man sicher nicht an der Leserzahl, sondern an der Bedeutung der Leser für den Betreiber, die Qualität der Diskussion etc.
  • Es benötigt genügend Atem, bis auch ein kleiner Leserstamm aufgebaut ist, nach meiner Einschätzung mindestens ein halbes Jahr (trotz aller Blogpromotion).
  • Da Fachblogs nicht allein von der Tagesaktualität leben, sondern ihre Leser oft bewusst nach bestimmten Themen suchen, die u.U. vor einigen Monaten veröffentlicht wurden, ist sehr wichtig, die Beiträge gut zugänglich zu machen. Dazu zählt neben einer guten Suche v.a. ein feingliedriges Tagging. Auch „related posts“ sind hier hilfreich. Ein weitergehender Gedanke, den ich im Media-Blog gefunden habe: Eine Mischung aus Blog und Wiki. Kann ich nur unterstützen.

7 Gedanken zu “Fachblogs

  1. Sehr interessant, da ich mich seit kurzer Zeit auf diese Art der Kommunikation konsenzriere.
    Ein wenig experementiere ich noch, bis ich das konkrete Wissen und die Blog-Response-Erfahrung habe. :-)
    Ihre Punkte sind sehr einleuchtend. Als Blogleser geht es mir ähnlich, wobei mir die optische Aufmachen als Leitsystem wichtig ist.
    Alszu textlastige Blogs ermüden mich und fordern mich nicht zum Weiterlesen auf.
    Viele Grüße aus Bielefeld
    M.E.

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  2. Danke für Ihre Rückmeldung. Der Hinweis auf die optische Aufmachung ist mir sehr wertvoll, denn als intensiver RSS-Nutzer, der die Blogs meist gar nicht direkt besucht, denkt man an diese Frage gar nicht mehr intensiv.

    Ideal ist aus meiner Sicht, wenn das Blog optisch und technisch nahtlos in die Corporate Website integriert ist. Das bringt Wiedererkennungswert und durch die technische Integration kommen Verlinkungen des Blogs der gesamten Webpräsenz zu Gute (im Sinne des Suchmaschinenmarketings).

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  3. Herr Pleil, das sehen ich, im wahrsten Sinne des Wortes, anders. Meine Webseite (Homepage) hat ein Design, das emotional viel mit meiner Person zu tun hat (bin kein Konzern), es hat einen informativen aber schlichten Text, der auch etwas von mir und meiner Denke transportiert, die Funktionen sind, für jeden Webfuzi aus der Steinzeit, aber sie führen. Mein Anliegen ist es in der Region präsent zu sein, über meine Person zu akquirieren und zu informieren. Das Ziel ist das persönliche Gespräch. Vertrauen!

    Mein Blog zeigt mehr von mir. Nichts Privates aber Persönliches. Es ist eine komplett andere Kommunikationsebene. Wer mag, kann sich hier „anschleichen“. :-) Im Blog kann ich auch etwas spielen mit Humor, Bildern und Spontanität.
    Ich gebe und zeige eine Menge meiner Möglichkeiten. Die Welt wird nicht schlauer dadurch, aber meine potenziellen Kunden. Vertrauen!

    Also zwei getrennte Bereiche, die optisch ein paar Wiedererkennungspunkte beinhalten.

    Von der pragmatischen Seite aus betrachtet, ich bin nicht Miele. Einen Webfuzzi :-) auch für den Blog zu beauftragen ist mir schlicht zu teuer, noch. Also lerne ich dazu wie man die netten Vorlagen zwingt schön zu sein und effektiv.

    So, das waren meine zwei Pfennig zum Thema. *lach*

    PS: Also Ihr Kommemntarfenster ist für Zwerge gemacht. Da passt ja gerade mal ein dickes Hallo hinein.

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  4. Ja, das mit dem Kommentarfenster stimmt. Das hat übrigens einen ganz ähnlichen Grund wie Ihr Ansatz, vorhandene Vorlagen zu nehmen: Mir geht es mit dem Textdepot u.a. darum, zu beweisen, dass man sich um die Technik (also auch um Stylesheets etc.) nicht kümmern muss, um sich im Netz eine Stimme zu verschaffen (was zu kleineren Kompromissen in der Gestaltung führt). Aber ich werde in den nächsten Tagen das Theme wechseln ;-)

    Meine Anmerkung zur Integration von Weblogs in die Corporate Website bezog sich v.a. auf Unternehmen mit einer gewissen Größe. Ich hätte ergänzen sollen, dass das leider viele Content Management Systeme noch nicht beherrschen. Tun sie das, sehe ich technische und organisatorische Vorteile.

    Im Sinne der Markenbildung/-pflege spricht sicher auch manches für ein wiedererkennbares Design. Betrachte ich meine Gewohnheiten als Blogleser, so ist mir persönlich das Design ohnehin nicht wichtig. Gute (Fach-)Themen, etwas Unterhaltung, manchmal Persönliches empfinde ich als attraktive Mischung. Allerdings hängt das alles sehr von der Leserschaft ab.

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