Geisteswissenschaften: Zukunft im Netz

Ein Lesetipp: „Wieder einmal müssen alte Zöpfe fallen“ ist ein sehr empfehlenswerter Artikel von Stefan Heidenreich in der aktuellen taz überschrieben. Er hat sich zum gerade beendeten Jahr der Geisteswissenschaften Gedanken zum Status derselben gemacht und sieht ihre Bedeutung ähnlich bedroht wie es die Theologie vor 200 Jahren war – unter anderem von den Wirtschaftswissenschaften, die versuchten, das Thema Kultur mit der ihnen eigenen Brille zu vereinnahmen. Heidenreichs Ausweg ist das Netz, durch das sich die Geisteswissenschaften wandeln könnten:

„Der Schauplatz der Lösung liegt im Netz. Denn es treibt nicht nur den kulturellen Wandel an, sondern bildet auch das Fundament künftiger Wissenschaften. Das Netz ist nicht die Gefahr, sondern die Gelegenheit für die Geisteswissenschaften, wahrscheinlich die letzte Gelegenheit zur Rettung, wenn man es dramatisch sehen will.

(…)

Die Aufgaben sind einfach und schlicht: das Netz als Organisationsform von Wissen und Lehre ernst nehmen. Geschichte nicht als Selbstzweck, sondern Vergegenwärtigung betreiben. Und endlich der Theologie eine Absage erteilen: Rezeption also wieder an die Produktion binden, Wissen und Handeln vereinen.“

3 Gedanken zu “Geisteswissenschaften: Zukunft im Netz

  1. Stimmt absolut! Wenn ich da an mein Studium denke… Ein einziges Hauptseminar hatte mal versucht, statt der immer gleichen Hausarbeiten die „Forschungsergebnisse“ auf eine noch „Homepage“ genannte Seite mit ollen Frames zu stellen. Das Ergebnis ging niemals wirklich online… Ansonsten wurde digitale Technik allenfalls konsumtiv eingesetzt – zum Surfen und Recherchieren, auch mal zur 1:1-Kommunikation. Strategisch benutzt, um Wissen verfügbar zu machen, wurde es nicht. Obwohl an meiner Uni sogar extra ein „Zentrum für Medien und Interaktivität“ gegründet wurde – bestückt vor allem mit Sozial- und Geisteswissenschaftlern. Der Fokus auf das gedruckte Wort und der beinahe ausschließliche Blick zurück machen den Aufbruch in die innovative virtuelle Zukunft (vor allem in meinem Fach Geschichte) natürlich etwas schwerer. Um das zu ändern: Vielleicht ein Beratungsprojekt für Sie, Herr Prof. Pleil? P2P-Beratung (Prof-2-Prof)?

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  2. Das Schöne ist, dass wir inzwischen wunderbare Tools haben, die es auch technisch unbedarften Geistesarbeitern erlauben, das Netz in Forschung und Lehre zu integrieren. Tatsächlich scheint mir das Wissen um Möglichkeiten wie Wikis, Social Bookmarks etc. noch nicht allzu groß zu sein. Aber es tut sich langsam etwas – ich denke, in diesem Jahr wird es einige spannende Diskussionen zum Thema geben, wenn ich mir die Calls einiger Konferenzen anschaue. Solche Veranstaltungen sind ganz gute Orte des Erfahrungsaustausches ;-)

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