Fünf „No-Nos“ für professionelle Blogs

Sie entstehen nahezu täglich, die ersten – oft zaghaften – Blogschritte kleiner und großer Unternehmen oder von Nonprofit-Organisationen (wobei sich dort für meinen Geschmack viel mehr tun dürfte). Gemeinsam ist ihnen allen, dass das Bloggen dort nicht Privatvergnügen ist, sondern Baustein einer Kommunikationsstrategie. Ähnlich wie es für andere PR-Instrumente – etwa die Pressearbeit – bestimmte Standards gibt, kristallisieren sich auch für professionelle Blogs bestimmte „No-Nos“ heraus.

Noch sind diese meines Wissens nicht empirisch, zum Beispiel durch Nutzerbefragungen, fundiert, aber zu ein paar Dingen herrscht meines Erachtens weitgehende Einigkeit in der Netzgemeinde. Schon so oft wurden Tipps zum besseren Bloggen gegeben, doch beim näheren Betrachten mehrerer neuer Blogprojekte (nein, ich linke nicht) sind mir in den vergangenen Tagen immer wieder fünf typische Punkte aufgefallen, so dass ich mich nun auch mal als Tipp-Geber versuche:

  • Pseudonym bloggen: Widerspricht der Idee von professionellen Blogs. Diese werden ja gerade deshalb in der Online-PR eingesetzt, um einer anonymen Institution eine persönliche Stimme zu geben. Wer also als Kommunikationsprofi pseudonym bloggt, nutzt die Möglichkeiten des Formats nicht vollkommen aus. Hinzu kommt, dass die Leser wissen wollen, mit wem sie es da zu tun haben, wer da Tipps gibt oder etwas verkaufen will.
  • Keine „About“-Seite: So dynamisch Blogs sind, so sinnvoll ist eine statische Seite, auf der – eher im nachrichtlichen Stil – das Blog, seine Ziele, die dahinter stehende Organisation und die Autoren vorgestellt werden. Und vor allem: Wer soll eigentlich mit dem Blog angesprochen werden? Zusätzlich kann man eine Kurzfassung davon in einer Art Teaser weit oben in der Randspalte auf der Startseite einbauen, dann weiß jeder neue Leser gleich auf der Startseite, in wessen virtuelles Zuhause er gerade stolpert.
  • Kein Start-Posting: Ich finde es immer ein bisschen schade, wenn der erste Beitrag eines Blogs gleich ein Sachthema ist. Bloggen hat auch viel mit Storytelling zu tun. Deshalb empfinde ich es als viel netter, wenn die ersten Leser angesprochen werden und ein paar Ziele des Blogs genannt werden. Und warum nicht erzählen, welche Hoffnungen man mit dem Blog verbindet, welche Schwierigkeiten man vielleicht hatte oder noch hat und so fort. Im Gegensatz zur „About“-Seite hat dieses Posting eher einen aktuellen Bezug und (oft) einen anderen Ton.
  • Kein Impressum: Das geht einfach rechtlich nicht. Die ideale Lösung dazu ist sicher ein eigener Button auf eine weitere statische Seite. Meine Lösung, das in der „About“-Seite unterzubringen, ist im strengen Sinne des Gesetzes wohl mindestens grenzwertig…
  • Technische Spielereien: Jedes Blog-CMS bietet ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an technischen Möglichkeiten. Für meinen Geschmack bewährt sich eine Reduktion auf das Wesentliche. Sprich: Jedes technische Feature sollte einen konkreten Mehrwert bieten (Deshalb habe ich bis auf Weiteres meine Flickr-Bilder wieder rausgeworfen). Kontraproduktiv empfinde ich beispielsweise, wenn die Feeds gleich in allen denkbaren RSS-Varianten und Atom angeboten werden. Das bietet keinen wirklichen Mehrwert, überfordert die Leser und erschwert mir als Betreiber die statische Auswertung. Als ähnlich überflüssig empfinde ich statistische Spielchen wie die Anzeige, wie viele Wörter ein Betrag umfasst oder wie oft dieser gelesen wurde. Letzteres kann bei einem neuen Blog auch kontraproduktiv sein.

Zum Abschluss noch eines: Ich gehe davon aus, dass ein professionelles Blog nicht gestartet wird, weil es auch andere machen, sondern weil es als sinnvolles Instrument in einer Kommunikationsstrategie gesehen wird. Und natürlich kann und will ich diese fünf Punkte nicht als absolute Wahrheiten darstellen. Andere geben andere und vielleicht auch viel mehr Tipps (gern hier in den Kommentaren). Mir jedenfalls scheinen konzeptionelle Fragen am Anfang am Wichtigsten. Alles Weitere ergibt sich dann mit der Zeit von selbst – sofern man offen für Anregungen und Erfahrungen anderer bleibt.

Nachtrag (16.15h) für alle, die’s genauer wissen möchten: Robert Basic weist auf ein 64-Seiten Paper hin: Die Northeastern University (USA) hat zusammen mit der Firma Backbone Media Erfolgskristerien für ein Corporate Blog destilliert.

4 Kommentare

  1. Na gut, gegen 3 und 4 haben wir anfangs verstossen, gegen 2 verstossenwir noch immer (weil wir noch keine geeignete Typo für das Wörtchen „Spass“ gefunden haben). Hat dann aber doch ganz gut geklappt.

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  2. Wie gesagt: absolute Wahrheiten gibt’s da nicht, eher Erfahrungswerte. Übrigens gefällt mir Ihr Pressebereich gut (wer hat das schon im Blog?), der den interessierten Lesern ja auch Hintergrundinfos bietet (ähnlich wie Punkt 2).

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