NewsTrust: Vertrauen gestaltet künftig die Newssite

Seit ein paar Tagen gibt es die Beta-Version der Seite NewsTrust, ein, wie ich meine, extrem spannendes Projekt. Dabei geht es darum, dass Internet-User die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichten bzw. ihren Quellen bewerten können. Durch diesen Prozess soll Qualitätsjournalismus herausgefiltert werden:

„Our members rate the news online, based on journalistic quality, not just popularity. Our beta website and news feed feature the best and the worst news of the day, picked from hundreds of alternative and mainstream news sources.“

Dabei liegt es in der Hand einer Redaktion, welche Beiträge überhaupt in das System aufgenommen werden:

„Submitted stories and news sources are carefully researched and rated for balance, fairness and originality by panels of citizen reviewers, students and journalists. Their collective ratings, reviews and tags are then featured in our news feed, for online distribution by our members and partners.“

Den Bewertungen zu Grunde gelegt wird ein recht feines Schema mit bis zu 14 Bewertungskriterien für einen Artikel. Dazu gehören u.a. Fragen zur Ausgewogenheit des Artikels, zur Qualität der Quellen, zum Schreibstil oder dem Informationsgehalt eines Textes. Im Ergebnis entstehen aus den Bewertungen einzelner Artikel Wertungen vieler Quellen. Hieraus werden dann die unterschiedlichsten Vertrauensrankings gebildet, beispielsweise bezogen auf Blogs oder auf liberale oder konservative Medien. Und so zeigt sich im Vergleich beispielsweise, dass das Vertrauen der Community in den New Yorker größer ist als in das Wall Street Journal – wobei dies aufgrund der noch geringen Zahl bewerteter Artikel nur eine Momentaufnahme ist.

NewTrust in Google News integriertRichtig mächtig wird das Ganze aber durch eine offenbar bevorstehende Integration in Google News. So ist einer Präsentation (gezippte ppt) von NewsTrust ein Screenshot zu entnehmen, der in den jeweiligen News auch den von NewsTrust ermittelten Vertrauenswert anzeigt. Für einen Newsdienst wie Google, der ohne eigene Redaktion arbeitet, ein genialer Schachzug. Google gehört übrigens zu den Förderern von NewsTrust

Und was bedeutet das für Redaktionen? Setzt sich das Ganze durch, vermute ich: Eine Menge. Denn Online-Redaktionen haben zwei Möglichkeiten, Leser zu gewinnen – entweder, sie haben eine so große Bindungskraft, dass ihre Leser immer wieder kommen oder/und ihr Content wird über Angebote wie Google News gefunden. Und wenn dort solche Quellen ganz oben stehen, die als besonders vertrauenswürdig gelten, kann ein kleines, aber sehr gepflegtes Blog (vulgo: ein Ein-Mann-Projekt) weitaus präsenter sein als eine mittelmäßige etablierte Onlineredaktion. Und dann – ja, es klingt skurril und ja: ich bin Optimist – könnte am Ende Google über das Vehikel NewsTrust womöglich die Qualität des Journalismus steigern. Denn auch wenn sich bislang manche Verleger sperren: Über kurz oder lang werden Google News und Konsorten einen großen Einfluss auf den Traffic von Newssites haben.

Völlige Utopie? Ich glaube nicht. Natürlich hängt es davon ab, wie gut NewsTrust funktioniert. Aber die Wikipedia funktioniert ja auch. Die Liste der Berater, die hinter dem Projekt stehen, liest sich übrigens eindrucksvoll. Mit dabei sind unter anderem: Wes Boyd (MoveOn.org), Dan Gillmor (Citizen Media Center), Rebecca MacKinnon (Harvard), Bill Mitchell (Poynter Institute) und Howard Rheingold (Smart Mobs).


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