Wg. Watchblog: WordPress und INSM im Gewitter

Hat die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Druck auf wordpress.com ausgeübt? Und: Hat wordpress deshalb ein Watchblog vom Netz genommen? Zensiert also wordpress bzw. der dahinter stehende Anbieter automaticc? Diese Verdacht wabert gerade an allen Ecken und Enden durch’s Netz. Worum geht es? WordPress hat das INSM-Watchblog http://insm.wordpress.com deaktiviert. Und zwar kurz nachdem ein oft gelesener Blogger, die Site verlinkt hat.

Ich bin kein Jurist, vermute aber, dass die INSM keine Handhabe gegen die Artikel im Watchblog hat und sich deshalb auf das Markenrecht berufen dürfte. Wahrscheinlich wurde argumentiert, dass die URL insm.wordpress.com nach offizieller Site klingt. ((Ist ein Jurist unter den Lesern, der das genauer weiß?))

Aber vollkommen egal. Gehen wir mal davon aus, dass wordpress nicht so verrückt ist, einfach so ein Blog zu schließen, sondern dass es wirklich Druck gegeben hat (noch mehr Indizien dazu im Update des verlinkten Posts): Eigentlich müssten beide Seiten wissen, dass sie den sicheren Weg in die kommunikative Katastrophe gehen: wordpress hängt nun nach Yahoo (in China!) der Geruch der Zensur an (es sei denn, sie legen die Sache offen und können sie gut erklären, vielleicht hier?), und die INSM bekommt jetzt die richtig große Bühne. Denn längst wurden die gesperrten Beiträge aus dem Google-Cache geholt, das Watchblog gibt es nun unter neuer Adresse insmwatchblog.wordpress.com, und viele, viele Blogs berichten drüber. Ja, so kommt man zuverlässig in die Medien. Wobei: Vielleicht auch nicht, denn die INSM hat in den vergangenen Jahren ein breites Netz von Medienpartnerschaften aufgebaut. Darunter ist übrigens seit kurzem auch die Frankfurter Rundschau. Nebenbei: Ganz flugs scheint die INSM Blogs auch für sich zu entdecken. Nicht wegen des Dialogs, sondern wegen der Suchmaschinenoptimierung. Ausgerechnet bei WordPress (http://initiative neuesozialemarktwirtschaft.wordpress.com).


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11 Kommentare

  1. Manchmal ist es-auch für einen Medienprofessor-ganz nützlich,die Fakten zu lesen,über die man schreibt.Deaktiviert wurde von wordpress ein gewisser „INSM-Sniper“,benannt nach dem Heckenschützen,der vor einiger Zeit in den USA wahllos Passanten erschoss.
    Wer die Hasstiraden des Sniper liest,kann nachvollziehen,was die Initiative Neue Soziale Marktwirtschft stört: Die mehrfachen Aufrufe Snipers zu offener terroristischer Gewalt,Blut soll fließen und Autos sollen brennen. Dass wordpress Hassprediger vom Netz nimmt,wird bei etablierten Medien (von der FR bis zur Welt),deren Urteile für die INSM relevant sind,mit Sicherheit nicht als Zensur angesehen werden.
    Snipers Terroraufruf lieferte insofern eine ideale Vorlage,damit INSM und wordpress ein exempel statuieren konnten. Dass Sniper sehr genau weiß,dasss seine Terroranrufe Grund für die Deaktivierung sind,zeigt sein neuer Blog,wo ein Großteil seiner alten Thesen zwar wieder eingestellt ist,aber etwas fehlt: seine Aufrufe zum Terror. Insofern zensiert sich Sniper jetzt selbst.
    Hassprediger wie Sniper tragen dazu bei,dass linke Blogs von den etablierten Medien als irrelevant betrachtet werden – eine Einschätzung,die sich beim Profijournalismus zunehmend durchsetzt (she. FAZ.NET vom 5.5.07).
    Dem wird sich doch wohl auch ein vom Staat bezahlter Professor anschließen?

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  2. Wir sind uns einig, dass Aufrufe zu Gewalt nicht akzeptabel sind. Und ich stimme auch zu, dass das Pseudonym „INSM-Sniper“ schlecht gewählt ist und dass beides dem eigentlichen Anliegen schaden kann. Genauso unglücklich ist es auf der anderen Seite, einen Blogger als Hassprediger zu bezeichnen.

    Die eigentlichen Gründe für die Schließung des Blogs sind nach meinem Wissen noch nicht kommuniziert worden: Möglich, dass es einzelne Inhalte des Watchblogs waren, möglich auch, dass es die URL war, wie neben mir auch Don Alphonso (http://blogbar.de/archiv/2007/05/10/der-lange-arm-der-wordpresscom-erreichte/trackback/) vermutet. Ich hätte mir da eine etwas transparentere Kommunikation von WordPress gewünscht.

    Übrigens sollte man aber auch nicht verschweigen, dass WordPress inzwischen auch jenes Blog vom Netz genommen hat, in dem nur alte Inhalte der INSM veröffentlicht wurden und das möglicherweise von der INSM selbst zur Suchmaschinenoptimierung eingerichtet wurde (vgl. http://www.perspektive2010.de/blog/2007/05/14/so-schnell-kann-es-gehen/).

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  3. Ich finde,Hassprediger ist noch ein milder Ausdruck für Sniper gemessen an dem Hass und Geifer,den Sniper da absondert.Oder was würden Sie sagen,Herr Professor,wenn über Ihren Blog und Sie so menschenverachtend geschrieben würde? Es sei noch mal eine kleine Auswahl aufgeführt:

    „Maßlos gierige und egomanische Stinker.
    Ihr seid einfach nur Scheisse.
    Unehrliche und skrupellose Drecksäcke.
    Die verlogenen ,asozialen Bonzenärsche.
    Neoliberale Hetzer.
    Boykottiert diese widerwärtigen Propaganda-Klitsche.
    Wir lutschen keine INSM-Pimmel.
    Reichspropagandaministerium von Kapital und Wirtschaft.
    Der neoliberale,menschenfeindliche Dreck.
    Beispielsweise könnte das INSM-Konsortium einen Betriebsausflug in den brennendesn Ofen des nächsten Krematoriums machen.
    Diese neoliberalen Hirnficker mit ihren dämlichen Kampagnen.
    Neoliberales Geschmeiss.“

    Wehret den Anfängen! Das ist nicht durch Presse- und Meinungsfreiheit zu entschuldigen.
    Hier trifft sich faschistoides und talibaneskes Gedankengut – und wer am ersten der historischen Erfahrung nach unter diesen „Freiheitskämpfern“ leidet sind diejenigen,die ihnen zuvor eine Plattform gegeben haben: die Intellektuellen und Gutmenschen unserer aufgekärten Gesellschaft, Herr Professor!

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  4. Absolut richtig: Die von Ihnen zitierten Passagen sind nicht zu rechtfertigen und inakzeptabel.

    Der von Ihnen verwendete Begriff des Hasspredigers hat für mich jedoch noch andere (v.a. religiöse) Konnotationen, die ich in diesem Zusammenhang wie gesagt ebenfalls nicht als angemessen empfinde.

    Im neuen INSM-Watchblog sind die von Ihnen erwähnten Passagen übrigens nicht mehr zu finden.

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  5. Knut ist ein stinknormaler Agitator und Troll. Dies läßt sich unter anderem dadurch belegen, dass der Name INSM-Sniper lediglich ausdrücken sollte, dass wir die INSM als Organisation und deren Propaganda niederstrecken / untauglich machen wollen. Die Autoren, welche sich um aufklärung über Medien-Manipulationen und Propaganda der INSM bemühen, dann noch in eine Ecke mit islamistischen Terroristen und Hasspredigern zu stellen, ist eine Chuzpe sondergleichen. Ziel von Knut ist es offenbar, Kritik an der neoliberalen Propaganda zu diskreditieren und zu kriminalisieren. Wie heißt es doch so schön: Hast Du inhaltlich Kritik nichts entgegenzusetzen, greife die Kritiker an. Exakt dies tut knut mit teils an den Haaren herbeigezogenen und dramatisierten Anschuldigungen. Der einzige, der hier Hass absondert, das ist knut. Er trieft praktisch aus jeder Zeile seiner Hetze hier.

    INSM-Sniper

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  6. Kleiner Nachtrag: Ich wette, hätten Sie knütchens Fangfrage

    Dem wird sich doch wohl auch ein vom Staat bezahlter Professor anschließen?

    verneint, wären Sie binnen Stunden bei Ihrem Vorgesetzten denunziert worden. Das ist nämlich die Arbeitsweise von Leuten wie ihm. Ich wette, er fühlt sich in Blogs wie S&W und PI ganz zu Hause.

    INSM-Sniper

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  7. Neulich hatte ich hier darauf hingewiesen, dass Hassprediger – wie der INSM-Watchblog – der gesamtem Bloggerszene schaden. Gestern schlägt Wolf Lotter, Redakteur von „brand eins“, in der „Welt“ in die gleiche Kerbe: „Blogs und Foren sind mittlerweile der Tummelplatz anonymer Heckenschützen….Ihre Sprache kennt keinen Respekt – ihr fehlt also die Grundlage jeder Meinungsfreiheit. Diese Sprache ist das Gegenteil eines demokratischen Diskurses, in dem freie Bürger Meinungen und Positionen austauschen….Anonymität führt zum Generalverdacht und, schlimmer noch, zur Bedeutungslosigkeit….Blog-Heckenschützen und anonyme Diskutanten vermögen so wenig zu verändern wie vermummte Chaoten oder heimliche Brandstifter und nächtliche Schlägertrupps. Sie sind, was sie sind: feige Gewalttäter. Ein Bürger hat einen Namen. Dieses Herkunftszertifikat garantiert echte Haltung.“

    http://www.welt.de/welt_print/article905219/Anonyme_Hetzer_und_Spinner.html

    Knut

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  8. Hm, die Anonymität bzw. Pseudonymität im Netz gibt sicher einzelnen das Gefühl, hinter der Hecke zu stehen und motiviert sie vielleicht dazu, sich weit mehr zu erlauben, als sie es unter realem Namen jemals täten.

    Ich selbst habe damit kein so großes Problem wie Lotter: Man merkt schnell, wer seine digitale Fassade nutzt, um zu pöbeln, zu provozieren oder anders zu trollen. Im Netz ist aus meiner Sicht die digitale Reputation entscheidend, die auch an ein Pseudonym gekoppelt sein kann.

    Andererseits geben Pseudonyme auch Freiheiten, die in einigen Situationen notwendig sein können. In der Soziologie spricht man ja davon, dass Pseudonyme es im Netz erlauben, dort unterschiedliche Rollen einzunehmen.

    Dies kann für einen Watchblogger schon sinnvoll sein, beispielsweise mit Blick auf seinen Beruf. Oder für Kinder und Jugendliche. Ihnen würde ich z.B. sogar empfehlen, zunächst Pseudonyme zu verwenden. Die entscheidende Frage ist für mich nicht, ob jemand pseudonym schreibt, sondern die Frage des Umgangs miteinander und eben der Reputation, die ich mit dem Pseudonym verbinde.

    Noch ein weiterer Aspekt: Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, will ich nicht glauben, dass der Großteil derer, die im Netz ein Pseudonym nutzen, im Sinne „anonymer Heckenschützen“ auftreten.

    Und wenn Lotter schreibt: „Wer ohne Name schreibt und spricht, ist nicht fasslich für berechtigte Kritik und für Gegenrede“, dann beschreibt er eine andere Netzrealität als ich sie kenne. Ich kenne von vielen Bloggern nur die Pseudonyme, aber intensive und ernst zu nehmende Diskussionen führen sie dennoch. Schließlich weiß ich auch nicht, wer sich hinter „knut“ verbirgt. Heißen Sie wirklich so? Ist das ein Heckenschützen-Pseudonym? Wie ist Ihr Nachname? Ihr Beruf? – Nein, all das muss ich nicht wissen, und wir führen dennoch eine Art Diskussion hier, oder?

    Und wohin soll diese Polemik gegen Pseudonyme führen? Dass jeder, der im Netz etwas veröffentlicht, sich erst bei einer virtuellen Meldestelle registrieren und seinen Ausweis vorlegen muss? Sonst könnte ich ja auch einfach unter dem Namen eines anderen Bürgers schreiben…

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  9. Nur am Rande: Das Wirtschaftsmagazin brand eins ist eine Medien-Kooperation der INSM, also ein Sprachrohr / Propagandakanal für deren PR-Texte. Unter anderem sind bei wirtschaftundschule.de Texte aus brand eins von dem immer gleichen Herrn Lotter zu finden. Das ist eine gegenseitige Befruchtung neoliberaler Jubelperser untereinander, der gemeinhin als ideologischer Inzest dieses Lagers bekannt ist. Wahrscheinlich hat Tietmeyer oder ein anderer von den Kuratoren, denen wir ihr Spielzeug kaputt machen, in den Redaktionsstuben rumgeheult.

    INSM-Sniper

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