Krisen-PR: Trauerspiel Vattenfall

Nun ist Vattenfall schon seit Tagen in den Schlagzeilen – wohl weniger, weil die Zwischenfälle in den beiden (deutschen) Kernkraftwerken dramatisch wären (wobei ich da kein Experte bin), sondern vor allem wegen der schlechten Krisen-PR des Konzerns. Es ist kaum nachvollziehbar, dass ein Konzern, dessen Geschäftsgrundlage von seiner Reputation abhängt, nach Tagen im Rampenlicht noch immer keine offene und konsequente Kommunikationsstrategie gefunden hat.

Wobei ich mich frage, ob der Konzern überhaupt einen Plan für Krisenkommunikation aufgestellt hat. Denn in der Krise zu überlegen, welches die nächsten Schritte sein könnten, funktioniert bekanntlich nicht. Und natürlich wäre von Anfang an offene Kommunikation (und konsequente Zusammenarbeit mit den Behörden) die beste Empfehlung.

Die Auswirkungen des aktuellen Kommunikations-GAUs können dramatisch sein: Neben den Kosten für den Stillstand der Kraftwerke dürfte der Wertverlust für das Unternehmen durch den Imageschaden noch viel größer sein. Und: Vattenfall erweist den anderen Energieriesen (von Wettbewerbern spreche ich lieber nicht) einen Bärendienst, denn unter Vattenfall leiden alle. Immerhin dürfte ein großer Teil der Bevölkerung (und der Politik) dankbar sein, wenn sich ein Atomkonzern selbst zerlegt.

Für Studierende ein spannendes Negativ-Beispiel für Krisenkommunikation. Was wäre nötig? „Schnelle, umfassende und transparente Kommunikation statt Salami-Taktik“ fordert Peter Höbel, Spezialist für Krisen-PR im Interview mit tagesschau.de. Und weiter:

„Aus der Sicht des Unternehmens waren das in Brunsbüttel und Krümmel ja keine „schwerwiegenden Zwischenfälle“. Das mag aus der fachlichen Sicht der Betreiber sogar richtig sein. Aber so funktioniert Wahrnehmung natürlich nicht. Der Konzern hat die Ängste der Bevölkerung nicht ernst genug genommen. Das ist im Fall Krümmel besonders sträflich, weil die Menschen in der Elbmarsch wegen der dort gehäuften Leukämiefälle bei Kindern extrem sensibel sind. Überspitzt gesagt: Eigentlich müsste Vattenfall schon eine Pressemitteilung herausgeben, wenn dort nur ein Papierkorb brennt oder die Feuerwehr ausrückt.“

(via PR-Kloster)

1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.