Data Mining: Wer wurstelt in der Wikipedia?

Ja, ja, das Internet stellt Transparenz her: Nun wieder ein Stückchen mehr – diesmal in der Wikipedia. Dafür sorgt der Wikipedia-Scanner – ein Programm, das offen legt, wer sich hinter IP-Adressen der Bearbeiter von Wikipedia-Texten verbirgt. Entwickelt wurde das Ganze von einem Studenten in Kalifornien. Und weil man mit dem Scanner in vielen Fällen herausfinden kann, wenn Firmen, Behörden oder Politiker die Artikel über sie überarbeiten (oder überhaupt erst schreiben), kann man bei Wired schon mal über den peinlichsten Wikipedia-Spin abstimmen. Genannt werden da bisher Disney, der Wahlmaschinen-Hersteller Diebold, Astra Zeneca und ExxonMobil.

Aus PR-Sicht verbirgt sich dahinter natürlich die alte Frage, inwieweit es legitim ist, wenn sich Unternehmen, Politiker etc. an Wikipedia-Artikeln über sie selbst beteiligen. In der Community ist dies verpönt. Schließlich dürfte es sehr schwer sein, über sich selbst einen neutralen Standpunkt zu vertreten. Deshalb sollten PR-Leute oder andere Betroffene sich an den Rat halten, sich an die Wikipedia-Admins zu wenden, wenn sie ein Problem in einem Artikel sehen und nicht selbst im Text wursteln. Und wer das dennoch tut, muss sich eben bewusst sein, dass das nicht unbemerkt bleiben muss. Insofern ist der Scanner sicher heilsam.

Mehr zum Thema mit ausführlicher Diskussion bei heise.

Und in Beiträgen über politische Gegner oder Wettbewerber herumzupfuschen ist sowieso inakzeptabel. Für ziemlichen Wirbel sorgte übrigens vor einem Jahr eine Agentur, die auf die Idee gekommen war, für ihre Kunden Wikipedia-Artikel zu schreiben.

Gesteht man dagegen Betroffenen unter Umständen zu, in Beiträge, die sie beschreiben, einzugreifen, ist es natürlich schwierig, zwischen legitimen und nicht akzeptablen Änderungen zu unterscheiden. Eine Korrektur falscher Tatsachen sollte zumindest möglich sein, wird oft argumentiert.


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