Der Umbruch ist Kontinuität

Alle Jahre wieder: Ab Mitte Februar schleicht sich bei mir immer ein Silvester-Gefühl ein. Schon lange hat sich das im Vorfeld zaghaft angekündigt, doch irgendwann kommt der Moment, in dem ein spezielles und persönliches Silvester festzulegen ist. Der Blick geht zurück auf das Erreichte, von manchem ist Abschied zu nehmen, Neues wird kommen und das Bestehende ergänzen. Mein Spezial-Silvester ist heute, eingeläutet von Tobias Reitz, einem meiner zuletzt 13 PR-Studenten, die sich vor einem Jahr für unseren PR-Schwerpunkt entschieden haben. Nach außen sichtbar wird das Ganze, wenn sich das Redaktionsteam des Nachbarblogs PR-Fundsachen verabschiedet und den Nachfolgern das Staffelholz bereit legt.

Eine gute Gelegenheit für einen Rückblick. Die Studenten haben wichtige Themen und Projekte, die wir in diesem einen Jahr verwirklicht haben, schon lesenswert aufbereitet, das muss ich also nicht mehr, sondern ich kann mich auf Ergänzendes zurückziehen: Eines der wichtigsten neuen Themen, die wir in dieser Gruppe immer wieder diskutiert haben, ist die Rolle von PR-Praktikern. Dabei sind wir oft auf die neue Rolle von Enablern (bzw. Facilitators) gekommen, zu der im vergangenen Sommer auch der Grazer Kollege Heinz Wittenbrink uns einiges Spannende erzählt hat. Die Herausforderung: (Wie) kann man in einem auf ein Jahr begrenzten Studienschwerpunkt PR auch diese neue Rolle erarbeiten?

Zukunft Online-PR - Das Seminar
Die Konzeption des Weiterbildungsseminars zopr wurde von Studenten erarbeitet

Wir haben es versucht, und ich glaube, wir haben ein Stück des Weges geschafft – auch durch glückliche Umstände: Einer war, dass wir Zukunft Online-PR diesmal nicht als Tagung, sondern als Weiterbildung organisiert haben. Hier konnten die Studenten nicht nur Fertigkeiten wie Benchmarking, Eventmarketing und -organisation üben, sondern auch überlegen, wie man eine zweitägige Weiterbildung inhaltlich bzw. didaktisch aufbauen kann. Mit unserem dann folgenden Projektpartner, dem Darmstädter Kulturbetriebs Centralstation, hatten wir dann einen Auftraggeber, für den die Studenten nicht nur eine Social Media-Konzeption entwickeln, sondern vor einigen Tagen auch alle Mitarbeiter zu Online-Kommunikation schulen konnten.

Um es ehrlich zu sagen: Das alles war für die Studenten nahe an der Zumutung. Das Ganze fühlte sich für sie wie für mich wie ein Zeitraffer an und hat nur dank des enormen Engagements der Studenten und wohlgesonnenen externen Partnern geklappt. Am Ende habe ich das Gefühl, dass die Studenten einiges mitgenommen haben und unsere Projekte gut funktioniert haben. An einem Punkt war ich jedoch unzufrieden: Das Erarbeiten didaktischer Grundlagen – die IMO für Enabler in Organisationen wichtig sind – habe ich nicht systematisch genug umsetzen können. Mir scheint mittlerweile, dass eine Vorbereitung der Enabling-Rolle besser in einem Master-Studiengang untergebracht wäre. Faszinierend fand ich aber zu sehen, wie bei Zukunft Online-PR PR-Profis und bei der Centralstation Berufspraktiker mit unterschiedlichen Hintergrund ganz selbstverständlich damit umgehen, dass Studenten mit ihnen diskutieren bzw. sie weiterbilden. Allein, dass da keine Schwellenängste entstehen – und auf der anderen Seite klar ist, dass Studenten eben keine langjährige Berufserfahrung haben – ist vermutlich auch ein Gewinn.

Soweit mein Silvesterrückblick. Klar ist, dass man in acht Stunden gemeinsamen Unterrichts in der Woche zu einem Team zusammenwächst. Ab Montag bereite ich mich intensiv auf die nächsten zwei Gruppen vor. Denn es geht von 13 auf 40. Will heißen: Wir haben jeweils im auslaufenden Diplomstudiengang und im kürzlich gestarteten Bachelor-Studiengang PR-Studenten. Das wird nicht ganz so heimelig wie mit der letzten Gruppe, aber ich denke, wir können trotzdem einiges bewegen. Denn mehr Studenten ermöglichen beispielsweise auch mehr Projekte, in denen unterschiedliche Lernziele im Vordergrund stehen können. Und auch das wird eine Premiere: Zwei Absolventen, die 2010 ihr Diplom erhielten, werden zwei bis drei der fünf geplanten Projekte betreuen und Übungen zu Kommunikationsmanagement anbieten.

Für heute bleibt mir noch die Abschiedsstimmung, ab Montag kommt die Vorfreude auf die nächste Gruppe und auf die Diplomarbeiten der aktuellen, der ich viel Erfolg wünsche und dass gesponnene Netze nicht reißen.

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