PR-Berufseinstieg: Jetzt auch mit Ingenieuren?

  1. In einem Blogpost hatte ich mich gestern mal wieder mit dem Einstieg in den PR-Beruf beschäftigt. Ausgangspunkt war das Zitat eines Verbandsvertreters, wonach BWLer und Juristen bevorzugt würden. Alles nicht so gemeint, unsauber zitiert, wurde schnell gerade gerückt. Nun denn. Ich habe mir ein paar Zahlen angeschaut und festgestellt, dass in PR-Stellenausschreibungen für Berufseinsteiger BWL- und Jurakenntnisse keine Rolle spielen. Und jeder zweite Praktiker, die schon im Beruf ist, hält eine dezidierte PR-Ausbildung für sinnvoll.
    In den Kommentaren fragte eine Leserin dann:
  2. „Warum muss ein Absolvent mit einem PR-Abschluss in einer Agentur ein Volontariat machen, während er im Unternehmen auf einer festen Stelle bei oft deutlich besserer Bezahlung landet? Warum nimmt ein Ingenieur sein Diplom, bewirbt sich im Unternehmen, wird auf eine feste Stellen gesetzt und fängt an zu arbeiten?“
  3. Ein Antwort blieb zunächst aus. Habe deshalb die Frage in Twitter gekippt:
  4. tp_da
    Wer weiß es? Leserin fragt: Warum kriegen Ingenieure nach Studium Job und PRler/Journos sollen dann erst lernen? http://bit.ly/L7ZtnI
    Fri, Jun 08 2012 03:24:52
  5. Um es vorweg zu nehmen. Die Frage wurde erwartungsgemäß nicht wirklich beantwortet, schon gar nicht von einem Arbeitgeber. Ein paar interessante Rückmeldungen gab es aber doch.

    Worauf ich nicht selbst gekommen bin:

  6. mbredl
    @tp_da Im Wort InGENIEure steckt das Wort Genie ;)
    Fri, Jun 08 2012 04:00:34
  7. Die Sache ist dennoch ernst und die Reaktion eines unser Studenten aus dem Journalismus-Schwerpunkt gibt ein ganz gutes Stimmungsbild des Nachwuchses:
  8. juicedaniel
    @tp_da Darauf gibt es keine (zufriedenstellende) Antwort. Leider. Wer ein Volo nach vier Jahren Studium macht, verschenkt vier Jahre.
    Fri, Jun 08 2012 03:26:53
  9. Von einem Praktiker kommt dagegen ein kritisches Statement, das in eine kleine Diskussion zu den Unterschieden zwischen einem Studium der Kommunikationswissenschaft (meist rein wissenschaftlich) und Journalistik / PR (akademisch, aber praxisnah) führt:
  10. SThielke
    @tp_da Ganz einfach Ingenieure haben etwas Praktisches gelernt, das klaren Gesetzen folgt. PRler müssen erst Praxis lernen. Academic gap.
    Fri, Jun 08 2012 03:27:40
  11. tp_da
    @SThielke Wieso? Glauben Sie, ein PR- oder Journalismusstudium bestünde nur aus Theorie?
    Fri, Jun 08 2012 03:34:11
  12. SThielke
    @tp_da Mein KoWi Studium hat mich ungenügend auf die Anforderungen des PR-Agentur-Alltags vorbereitet. Der Universität fehlt Praxisbezug.
    Fri, Jun 08 2012 03:36:43
  13. tp_da
    @SThielke Deshalb bin ich Vertreter der anderen Fraktion ;) Laufe dafür Gefahr, von KoWis als zu praxisnah gesehen zu werden #thatslife
    Fri, Jun 08 2012 03:51:32
  14. Aber die Diskussion brachte auch zwei Lösungen:
  15. _rem__
    @tp_da dann kann ich ja froh sein mach ich PR/kommunikations als Vertiefung schliess aber mit nem Ingenieurtitel ab… ;-)
    Fri, Jun 08 2012 04:01:21
  16. Ok, funktioniert vielleicht nicht ganz. Überlegenswert aber eine Antwort auf meinen Hinweis, dass Studium bedeuten kann, Theorie und Praxis zu verbinden:
  17. SThielke
    @tp_da Diese Ansicht zu vertreten ist gut, wichtig und richtig. Mein favorisierter Ansatz heißt hier duales Studium.
    Fri, Jun 08 2012 04:00:31
  18. Ein duales Studium bedeutet, dass Studium und Ausbildung verbunden werden: Die Studierenden sind bei einem Unternehmen beschäftigt bzw. in der Ausbildung und für das Studium freigestellt. Ein Ansatz, der nahe an der Berufsakademie ist, aber für PR oder Journalismus vermutlich funktionieren könnte.
    Ich hatte über ähnliches in der Vergangenheit immer mal nachgedacht, konnte das Thema aber bisher aus meiner Rolle als alleiniger PR-Vorturner bei uns noch nicht weiter verfolgen.

    An dieser Stelle ist aber eine Rückblende notwendig: Als Journalistik-Studiengänge in den 80er-Jahren eingeführt wurden, wurde intensiv – vor allem mit den Zeitungsverlegern – diskutiert, ein Volontariat ins Studium zu integrieren. Sprich: Praxissemester und praktische Projekte innerhalb eines Studiums sollten formal als Volontariat anerkannt werden. Soweit ich weiß, wurde dies damals nur an der TU Dortmund umgesetzt, und ich behaupte mal ganz böse, dass es für Zeitungsverleger und andere Arbeitgeber natürlich billiger und bequemer ist, solche Lösungen nicht umzusetzen und statt dessen Absolventen aus Journalismusstudiengängen formal zu behandeln, als wären sie blutige Einsteiger. Das integrierte Volontariat ist also längst in der Mottenkiste der berufspolitischen Diskussion verschwunden. Schließlich gibt es ja traditionell genügend Verrückte, die unbedingt in diesen Beruf möchten. Und da PR-Studiengänge oder PR-Studienschwerpunkte oft innerhalb bzw. im Umfeld von Journalistikstudiengängen entstanden sind, werden PR-Absolventen eben genauso behandelt wie ihre Journalistenkollegen. Sind wir mal gespannt, ob der so oft erwähnte „War on Talents“ in der PR die Arbeitgeber und Hochschulen besser ins Gespräch bringt.
    Im Moment ist klar, dass sich Studiengänge, die in Richtung Kommunikation führen, inhaltlich oft fundamental unterscheiden, den Arbeitgebern dies vermutlich aber sehr oft nicht bewusst ist – was an beiden Seiten (Hochschulen und Unternehmen) liegen dürfte. Mehr Verständnis füreinander und mehr gegenseitige Wahrnehmung ist sicher ein erster Schritt.

3 Gedanken zu “PR-Berufseinstieg: Jetzt auch mit Ingenieuren?

    1. Danke schön für den Hinweis. Vieles darin ist mir sympathisch. Allerdings teile ich Kaminskis praktizistische Sicht nicht. Natürlich ist vordergründig richtig, wenn er sagt: „Wer sich als Blogger etabliert hat, qualifiziert sich damit auch für Blogger Relations“. Wenn es aber um eine längerfristige Perspektive jenseits des „PR-Handwerkers“ geht, halte ich eine akademische PR-Ausbildung (in Kombination mit praktischer Erfahrung) für zukunftssicherer (für den Einzelnen und den Beruf insgesamt).

      Ich denke hierbei auch an die Differenzierung zwischen „PR-Manager“ und „PR-Techniker/Handwerker“, die in der Berufsforschung seit den 80er Jahren vorgenommen wird.

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