Wer Onlinekommunikation studiert oder bereits im Job betreibt, muss unter anderem wissen, wie unterschiedliche Social Media-Plattformen funktionieren und sich immer wieder mal bei einem weiteren Dienst anmelden. Ein paar Einsteiger-Tipps dazu.

Eigentlich sollte es ja selbsterklärend sein, das sogenannte Onboarding neuer Mitglieder in Social-Media-Diensten. Und tatsächlich stecken die Anbieter solcher Plattformen meist eine Menge Mühe und guter Überlegungen in ihre Systeme, damit Neulinge möglichst einfach dabei sind, den Nutzen der Plattform schnell erkennen, sich vernetzen und idealerweise schnell selbst dort aktiv kommunizieren und dies vor allem regelmäßig. Denn, so schreibt Pulkit Agraval, der sich auf das Thema User Onboarding spezialisiert hat, es gibt eine simple Regel:

(The) first-time user experience is the most critical component of a product’s flow.“

Damit neue Nutzer aber wirklich etwas von einer Social Media-Plattform haben, sind auch sie selbst gefordert. Und ich behaupte: Die Grundlage dazu wird in der ersten Stunde gelegt. Immer wieder habe ich in den letzten Monaten Profile gesehen – auch von Marketing- oder PR-Profis -, die nach meinem Eindruck als Newbies auf solchen Plattformen sehr am Anfang stecken geblieben sind. Das ist aus meiner Sicht oft sehr schade. Denn Social Media-Plattformen dienen wie der Name sagt, der Vernetzung mit anderen und das funktioniert natürlich, indem man sich inhaltlich beteiligt. Das ist weitgehend banal: Facebook funktioniert, weil wir dort „Freunde“ haben und ab und zu etwas dort posten; Xing funktioniert, wenn wir ein gepflegtes Profil haben und uns vernetzen – wir könnten die Aufzählung nahezu beliebig erweitern, denken wir beispielsweise an Twitter, Pinterest, Refind, Instagram etc.

Insofern hier ein paar unsortierte Tipps zum Start mit neuen Social Media-Profilen.

Rolle und Privatsphäre

Zunächst ist sinnvoll zu überlegen, warum bzw. wofür man ein Profil nutzen möchte. Typische Motive sind je nach Dienst: Information, Kommunikation, Zusammenarbeit oder Selbstdarstellung. Meist kommen mehrere dieser Zielsetzungen zusammen – wer beispielsweise mit wichtigen Experten vernetzt ist und interessante Beiträge teilt, sorgt nicht nur für Wissensaustausch, sondern auch für sein Personal Branding

Für manche Nutzer ist öffentliches Posten jedoch zunächst ungewohnt und sie fühlen sich damit unwohl. Bei manchen Diensten wie Twitter oder Instagram sind deshalb geschützte Accounts möglich, bei denen die Nutzer die Kontrolle haben, wer ihre Inhalte sieht. Doch an sich leben die meisten Social Media-Dienste – so empfinde ich das –  von der Öffentlichkeit (zumindest innerhalb des jeweiligen Dienstes), und gerade Kommunikationsprofis sollten bei wichtigen Diensten ansprechbar und sichtbar sein. Insofern wirken private Profile von Journalisten, PR- oder Marketing-Leuten manchmal etwas seltsam auf mich, wenn es um Plattformen mit einem Following-Prinzip geht wie Twitter oder Instagram. Auf der anderen Seite kann man sich natürlich auch erst mal im geschützten Umfeld umsehen, sollte sich aber bewusst sein, dass dies andere vielleicht davon abschreckt, sich zu vernetzen.

Zeit

Ein aussagestarkes Social Media-Profil ist meist nicht in zwei, drei Minuten eingerichtet. Wer also gleich auf den Bus muss, sollte damit gar nicht beginnen. Eine Stunde Zeit würde ich für ein gutes Profil und ein Verstehen der Plattform veranschlagen.

Profilname

Entsprechend der Rolle, mit der man Dienste nutzt, wird man sich auch einen Profilnamen überlegen. Oft ist es sinnvoll, eine spätere professionelle Nutzung des Accounts gleich in die Namenswahl einzubeziehen und diese nicht durch einen dann seltsam klingenden Nutzernamen zu erschweren. Gerade Studenten sollten sich bewusst sein, dass die Vernetzung, die sie über die Zeit entwickeln, wertvoll ist und eine Fortführung eines Accounts auch nach Eintritt ins Arbeitsleben sinnvoll ist. (Bei manchen Diensten kann man den Nutzernamen im Notfall ändern).

Ideal ist zudem, wenn auf unterschiedlichen Kanälen ein einheitlicher Profilname verwendet wird. Twitter begrenzt diesen auf 15 Zeichen, insofern sollte man sich hieran als Obergrenze orientieren. Praktischerweise gibt es Tools, mit denen die Verfügbarkeit eines Namens bei unterschiedlichsten Plattformen geprüft werden kann, so zum Beispiel  http://checkusernames.com. Weitere Tipps zu Profilnamen hat Kerstin Kitzmann zusammengetragen. 

Profilinfos/Bio

Viele Dienste bieten Raum für eine kurze Biographie. Wer sich nicht nur mit Menschen vernetzen möchte, die ihn eh schon kennen, sollte sich bewusst machen, dass die Profilinfo mit einem kleinen Pitch vergleichbar ist. Um gefunden zu werden, sind entsprechend klare Stichworte sinnvoll, und man sollte, wo es möglich ist, einen Link zur eigenen Website oder einem Personenprofil (z.B. Xing, about.me) setzen. Es sollte für den Besucher zumindest grob klar werden, was er erwarten kann, wenn er sich mit einem neuen Nutzer vernetzt. Beachten sollte man dabei, dass die Kurzprofile je nach Umfeld angepasst sein sollten: Was zu Twitter passt, ist zum Beispiel nicht genau so für LinkedIn passend.

Fotos

Zum Profil gehören neben dem beschreibenden Text typischerweise auch Profil- und Headerbilder. Da sich die benötigten Größen auf den einzelnen Plattformen unterscheiden und auch immer wieder verändern, sind die Social Media Cheat Sheets ganz praktisch, die die Anforderungen verschiedener Plattformen zusammenfassen. Und wer möchte, kann sich mit einem Tool wie Landscape die Bilder für wichtige Dienste schnell zuschneiden lassen.

Um es klar zu sagen: Wer beim Profil und den jeweiligen Bildern zu wenig Mühe investiert, dürfte es schwerer haben, sich mit anderen zu vernetzen. Das beobachte ich an mir selbst: Wenn mir auf Twitter ein Egghead begegnet oder ich auf Xing eine Kontaktanfrage von einem grauen Menschen vor grauer Mauer, dann halte ich diese Accounts schon für weniger seriös und bin weniger bereit, mich mit ihnen zu beschäftigen, um über eine Vernetzung zu entscheiden.

Das muss nicht immer das seriöse Business-Foto im Blazer sein, manchmal ist ein Bild in Outdoor-Kleidung im Wald aussagefähiger. Entscheidend ist die Botschaft, die transportiert werden soll und die wirkt durch ein Foto noch viel direkter als durch Text.

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Nicht für jeden ein ideales Profilbild

Erste Beiträge

Neben den bereits vorgestellten Basisinfos in einem Profil halte ich die ersten Beiträge für sehr wichtig. Sie zeigen nochmal klarer Interessen, Kommunikationsstil oder Informiertheit eines Nutzers. Sehr oft fangen Newbies an, mir zu folgen oder Kontaktanfragen zu stellen bevor sie etwas publiziert oder ihr Profil komplett erstellt haben. Dies ist aus meiner Sicht fatal: Denn bei neuen Followern (die ich nicht persönlich kenne) überfliege ich kurz das Profil und nur wenn mir dieses halbwegs interessant scheint, entscheidet die Art, wie jemand eine Plattform nutzt, ob ich zurück folge.

Die Frage heißt also: Was haben andere davon, mir zu folgen bzw. sich mit mir zu vernetzen? Es spricht auf den meisten Plattformen nichts dagegen, auch eine persönliche Note hineinzubringen – wer aber nur eigene Erlebnisse mit der Bahn oder in der Warteschlange postet, sollte sich im Klaren sein, dass er damit andere vielleicht nicht so sehr anspricht. Bei manchen Diensten (z.B. Foto-Plattformen oder beim Social Bookmarking) finde ich sinnvoll, schon mal die ersten drei, vier Posts vorzubereiten und gleich nach dem Einrichten des Profils zu veröffentlichen bzw. zu speichern.

Vernetzung

Die Vernetzung mit anderen sollte wie oben angedeutet erst beginnen, wenn das Profil ordentlich eingerichtet und die ersten Beiträge publiziert sind. Typischerweise vernetzt man sich anfangs mit Menschen, die man persönlich kennt.

Achtung: Manche Dienste bieten einen Abgleich mit den Kontakten auf dem Smartphone o.ä. an. Das ist zwar bequem, aber ich lasse hiervon grundsätzlich die Finger – denn ich möchte nicht, dass auf irgendeinem fremden Server die Kontaktdaten aller meiner Bekannten landen.

Hat man sich auf einer Plattform ein wenig umgesehen und mit den Bekannten vernetzt, wird’s erst richtig spannend, denn nun man hat die Chance, aus seiner Filterblase herauszukommen – wofür ich sehr plädiere. Ich finde es zum Beispiel extrem spannend, bei Twitter Kollegen aus anderen Ländern zu folgen oder Instagram-Accounts von Profi-Fotografen. Manchen folgen auch bewusst Menschen mit einer gegenteiligen politischen Meinung. Das ist dann vielleicht doch etwas anstrengend und letztlich alles Geschmacksache – es zählt die Inspiration. Und wenn man mit Hilfe einer Plattform aktuelle Infos, Ideen oder Fachwissen bekommen kann, sollte man immer wieder mal schauen, mit wem man sich noch vernetzen möchte.

Schwieriger ist die Vernetzung manchmal, wenn Hierarchien zu überbrücken sind: Nicht jeder Vorstand reagiert positiv auf Xing-Anfragen des Praktikanten, der ihm mal im Fahrstuhl begegnet ist – und für manche Nutzer steht der private Charakter eines Dienstes wie z.B. Facebook im Vordergrund. Ich finde: Wenn es ein Dienst ist, bei dem man nicht anderen einfach folgt (wie Pinterest, Twitter o.ä.), kann man mit dem Vernetzen auf Bestätigung (“Freundschaftsanfragen”) in einem neuen Umfeld ein bisschen warten und schauen, bis man die jeweiligen Personen ein wenig einschätzen kann. Ich jedenfalls lehne Xing- oder LinkedIn-Anfragen (fast) Fremder ab, auch wenn diese meinen, wir hätten uns fachlich viel zu sagen.

Noch ein Sonderfall: Wenn es um die Vernetzung mit Studierenden geht, mache ich nicht den ersten Schritt. Wer mir folgen will, darf dies immer tun – manchmal folge ich auch zurück; Kontakte auf Xing & Co. mit mir bekannten Studenten bestätige ich.

Nutzung

Klingt banal, aber: Wer sich bei einem Dienst neu anmeldet, sollte auch nach der Einrichtung des Profils immer wieder Zeit darauf verwenden, die Plattform, ihre Möglichkeiten und vor allem ihre Kultur zu verstehen. Dies geht nicht allein durch Beobachten, sondern durch eine aktive Beteiligung. Oft braucht man ein bisschen, um das Potenzial einer Plattform für sich selbst zu entdecken – bei Twitter und Snapchat habe ich zum Beispiel hierfür ein Weilchen gebraucht.

Optimierung

Nach einer Weile regelmäßiger Nutzung stellt man vielleicht fest, dass man mit einem Dienst doch nicht klar kommt oder er nicht so richtig für die eigenen Zwecke taugt. Dann ist das eben so – finde ich. Was ich von Studenten wie Profis in Marketing und Kommunikation erwarte, ist jedoch, dass sie wichtige Social Media-Dienste verstehen und für einen eventuellen Auftrag das Potenzial strategisch einschätzen können.

Bleibt man einem Dienst treu und nutzt ihn aktiv, sollte man immer wieder bewusst beobachten, wie andere sich dort bewegen, von ihnen lernen und das eigene Profil immer weiter verbessern und nicht vergessen, die eigene  Bio aktuell zu halten. Wenn dann klar ist, dass man einen Dienst regelmäßig nutzt, sollte man das auch auf anderen Kanälen kommunizieren – von der E-Mail-Signatur bis hin zu weiteren  Online-Projekten.

Fazit

Wichtig scheint mir, dass man Social Media-Dienste als Communities mit eigenen (meist ungeschriebenen) Regeln versteht und dass „social“ bedeutet, dass man auch etwas hineingibt. Hat man einmal die engen Freunde im Netzwerk, sind es die eigenen Beiträge, die für weitere Vernetzung sorgen. Wer beispielsweise bei einem Barcamp interessant live twittert, wird schnell einige Follower gewinnen, die ähnliche Interessen haben.

Natürlich passen nicht alle diese Tipps für jede/n und jede Plattform, das muss man sich im Einzelfall anschauen. Auch gehe ich von einer Nutzung der Dienste unter freiheitlichen Bedingungen aus. In einem repressiven Umfeld werden Entscheidungen beispielsweise zu Profilen anders fallen

Und was für die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht gilt, gilt natürlich auch online: Als beleidigte Leberwurst oder als Rüpel sollte man präsentieren (sofern man nicht für manche politische Ämter kandidiert). Manchmal – und diese alte Regel muss man immer wieder wiederholen – ist es wichtig, mit klarem Verstand und nüchternem Kopf zu posten. Nüchtern heißt auch nüchtern. Nachteulen sollten manchmal besser noch mal drüber schlafen, bevor sie auf “senden” drücken.

Meine Bitte

So lang dieser auch Beitrag geworden ist: Ich bin mir fast sicher, dass ich das ein oder andere übersehen habe. Wer also weitere Tipps hat – ich freue mich auf Kommentare.