Manchmal ist es ganz spannend, sich die Referrer zu seinen Beiträgen anzuschauen. So entdeckte ich neulich, dass ein Unternehmen seit drei Monaten eine Art Corporate Blog eingerichtet hat: Willkommen im Club, denke ich. Doch dann falle ich fast vom Stühlchen: Der größte Teil der Beiträge ist geklaut. Eins zu eins sind die meisten Texte aus anderen Blogs übernommen, inklusive Bilder und persönlicher Hinweise. So auch einer meiner Texte und Artikel der Konkurrenz. Ich habe erst vorgehabt, Ross und Reiter zu benennen, dann aber schnell den Eindruck gewonnen, dass da jemand ziemlich unerfahren ist und das Unternehmen per Mail auf einige Probleme hingewiesen. Inzwischen ist das Blog offline, und ich hatte einen netten Mailaustausch mit einem Verantwortlichen. Ein paar Aspekte unserer Diskussion sind vermutlich für manchen interessant, der überlegt, ein (Business) Blog einzurichten.
Erstes Problem: Re-Feeds aka geklaute Beiträge
Damit ist die Idee gemeint, Beiträge aus anderen Blogs eins zu eins zu übernehmen, weil man diese für besonders gelungen hält. Meine Meinung: Inakzeptabel. Die Gründe:
- Urheberrecht: Je nach Lizenz, unter der ein Blog steht, begeht man damit Urheberrechtsverletzungen (praktisch immer, wenn man das als kommerzielles Unternehmen macht).
- Außerdem schafft man mit Re-Feeds Probleme für den geistigen Urheber: Denn Suchmaschinen wie Google werten identische Beiträge ab, identische Posts verschlechtern also im Zweifel den Pagerank. Außerdem ziehen die Re-Feeds Leser vom Originalblog ab, ggf. auch Verlinkungen. Auch damit schaden sie dem Urheber.
- Ethik: Artikel anderer unter dem eigenen Firmenlogo zu veröffentlichen, halte ich auch aus grundsätzlichen Überlegungen nicht für akzeptabel.
Unter Umständen sind reine Mashup-Seiten eine Lösung, doch auch diese sind bei vielen Bloggern unbeliebt und haben natürlich mit einem Corporate Blog nicht mehr viel zu tun. Es gibt natürlich erfolgreiche Blogs, deren Autoren die Perlen aus anderen Blogs ziehen, doch genügt es da, die Headline (ggf. plus Teaser) zu verlinken, so dass der verdiente Traffic auch auf das Originalblog kommt (Beispiel). Schließlich hat dort jemand in einen guten Beitrag investiert.
2. Problem: Auch Spielereien hinterlassen Spuren
Selbst wenn das erwähnte Unternehmen mal richtig mit dem Bloggen loslegen und selbst wenn die kopierten Artikel nur eine Aufwärmübung sein sollten, um WordPress zu erlernen: die Referrer bleiben im Netz erhalten. Mit jedem Link auf andere Blogs hinterlässt man – zumindest in der Standardeinstellung der meisten Blog-CMS – Spuren im Netz. Dehalb die große Bitte an alle, die mit Blogs spielen wollen: Schaltet doch bitte erst mal alles Vernetzende wie Trackbacks etc. aus, lasst das Blog nicht von Suchmaschinen entdecken (WordPress z.B. bietet dafür eine Einstellung), sorgt für eigenen Content oder bleibt erst mal im Intranet, wenn Ihr unsicher seid!
Ach ja: „via“ bedeutet, dass ich offenlege, wo ich eine thematische Anregung für meinen eigenen Artikel gefunden habe – und nicht, wo ich einen kompletten Artikel gemopst habe.
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Soetwas passiert leider immer wieder. Zum Glück fliegen alle früher oder später auf.
Wenn jemand allerdings bei einem Corporate Blog anfängt, Beiträge zu klauen, dann sehe ich für die gesamte Unternehmung schwarz.
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Ja, ich war schon ziemlich geplättet. Im Gegensatz zum „Bosch-Fall“ war bei meinem Beispiel unter den übernommenen Beiträgen immerhin ein Link („via“) auf’s Original.
Und nach ein paar Mails hatte wenigstens den Eindruck, dass es grenzenlose Naivität und nicht böswillig war. Noch schlimmer finde ich die reinen Spamblogs. Da wollte ich demnächst auch noch ein paar Fällen aus meinen Referrern nachgehen…
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