Blog-Monitoring: 20 Tools und ein paar Tipps

Immer mehr Unternehmen und NGOs erkennen die Bedeutung von Weblogs und anderen Social Media-Anwendungen und integrieren diese in ihr Issues Management. Sinn der Sache ist zu erfahren, welche jeweils relevanten Themen gerade diskutiert werden und natürlich, was über die eigene NGO, das eigene Unternehmen, dessen Marken oder Manager z.B. in Weblogs geschrieben wird. Zusätzlich beobachten einige Unternehmen Schlagworte, die sie vorher als für sich bedeutsam definiert haben (mehr dazu). Kontinuierlich durchgeführt, erlaubt ein solches Monitoring im Rahmen der Krisenprävention und -kommunikation eine schnelle Reaktion (z.B. in Kommentaren von Weblogs oder im eigenen Blog) und erleichtert die Themenfindung für aktives Kommunikationsmanagement.

Oft wird die Frage gestellt, wie man Blog-Monitoring selbst betreiben kann. Ich habe mir deshalb 20 Tools näher angeschaut und mit ihnen ein wenig herumgespielt. Einige sind nützlich, ein paar ganz interessant, andere muss man IMHO im Moment nicht weiter beachten. In der Tendenz ist die Qualität der meisten dieser Tools noch nicht befriedigend. Wichtig: Mir geht es hier nur um Blog Monitoring. Das schließt Tools ein, die es erlauben, up to date zu bleiben sowie Blogs, auf die man stößt, einzuordnen. Eine Liste mit 26 Tools zum Online-Monitoring allgemein wurde soeben von Marketing Pilgrim vorgestellt (via co/operative). Und natürlich gibt es für Blog Monitoring auch Dienstleister.

Noch ein Wort: Die Liste der Tools mit den kommentierenden Vorstellungen und Bewertungen ist „work in progress“. Und: Die Kommentare zu den jeweiligen Tools sind subjektiv, sie sind nicht Ergebnis systematischer Tests. Üblicherweise habe ich die Tools mit mehreren Abfragen ausprobiert, meist handelte es sich um den Namen einer internationalen, einer aus Deutschland stammenden Marke sowie die Namen bekannter deutscher Blogger.

Meine Favoriten für’s Blog-Monitoring:

  1. rivva: Sicher das derzeit beste Angebot, um einen Überblick über aktuelle Themen der deutschsprachigen Blogosphäre zu behalten. Selbst wenn man keine einzelnen Blogs abonniert – rivva sollte man beachten. (Update 24.1.08: Inzwischen gibt es von Rivva auch eine Liste von Online-Leitmedien)
  2. Bloglines: Bloglines bietet über die Suchfunktion die Möglichkeit, Schlagworte zu abonnieren. Hinter der Funktion „mehr“ verstecken sich gute Möglichkeiten der Kombination bzw. der Einschränkung (z.B. Sprache, Zeitraum). Die Suche kann via RSS abonniert werden.
  3. Icerocket: Sucht wahlweise in Blogs, im Web, in News, Images oder MySpace. Suchanfragen lassen sich via RSS abonnieren, zudem können auch einzelne Ergebnisse abonniert oder z.B. an Facebook gesendet werden. Zusätzlich gibt’s noch ein paar Gimmicks (z.B. Trends bei Suchbegriffen). Mein Eindruck: RSS-Feed ist ok, Ergebnisse in anderen Bereichen aber z.T. inkonsistent (z.B. sehr unterschiedliche Linksphären für ein und dasselbe Blog).
  4. Blogsuche von Ask.com: Schlichte Suche mit der Möglichkeit, Suchanfragen als RSS zu abonnieren. Sortierung nach Relevanz, Neuheit und Beliebtheit. Einzelne Ergebnisse können gespeichert bzw. in best. Dienste gepostet werden.
  5. Google Blogsearch: Hier können Suchen via RSS oder Atom abonniert werden. Die Fokussierung erfolgt über die Suchwortkombination, zusätzlich kann man entscheiden, ob man deutschsprachige oder alle Blogs durchsuchen möchte.
  6. Blogpulse: zahlreiche Features, besonders interessant: der Conversation Tracker, mit dem verfolgt werden kann, wie ein Thema durch Blogs wandert. Auch interessant: der Kommenta-Tracker. Hübsch: Aus der Trend-Grafik zu einem Thema lassen sich tagesspezifisch alle Postings aufrufen. Ansonsten lassen sich Suchabfragen wie bei anderen Diensten als RSS abonnieren.
  7. Blogdigger: Blog-Suchmaschine; aus der Ergebnisliste heraus kann u.a. in andere Beiträge eines Feeds gesprungen oder Treffer lassen sich ausschließen. Suchabfragen können auch hier per RSS abonniert werden. Angenehm: Im Feed gibt’s neben Zusatzinfos zum jeweiligen Blog (z.B. Zahl der Links). Suchergebnisse erscheinen zwar recht aktuell und nach Datum sortiert, aber unvollständig (wird nach einer bloggenden Person gesucht, wird deren Weblog sehr stark gewichtet).
  8. Bloginfluence: Zeigt an, wie gut ein Blog vernetzt ist und sammelt dazu Daten von Technorati, Bloglines, Yahoo etc. ein. Untersucht man ein Blog, erhält man Links zu anderen Diensten für konkretere Zahlen/Charts.
  9. Technorati: Nach wie vor das bekannteste Tool, Zuverlässigkeit immer wieder diskutiert, aber im Vergleich zu anderen immer noch bei den besten Suchmaschinen. Suche als RSS-Feed abonnierbar. Hilfreich: Verlinkungen etc. Praktisches Bookmarklet hierzu. Gerade die Verlinkungen findet technorati erfahrungsgemäß nicht sehr zuverlässig – ärgerlich.
  10. CoComment: Wer in unterschiedlichen Blogs kommentiert, kann mit diesem Service den Überblick behalten. Tipp: Feed abonnieren, die Website ist seit dem Relaunch im Sommer 07 ziemlich unübersichtlich.

Auch interessant:

  1. MonitorThis: Dieser Dienst bastelt aus 22 Suchmaschinen eine OMPL-Datei zusammen. Diese importiert man dann in seinen Feedreader. Vorteile: Man grast auf einen Schlag zahlreiche Suchmaschinen bzw. Social Network-Dienste ab (inkl. Flickr, Social Bookmarks), Nachteil: 22 Maschinen produzieren naturgemäß viele, viele Treffer. Traurig: Die Ergebnisse ein und derselben Suche sind oft extrem heterogen.
  2. Blogsuche bei Seekport: Seekport findet wirklich viel, auch in Kommentaren von Blogs. Allerdings eine reine Suchmaschine ohne die Möglichkeit, Feeds zu abonnieren etc.
  3. (Ergänzung 23.1.08: TweetScan: durchsucht Twitter nach beliebigen Inhalten (und Usern), Suchabfragen sind abonnierbar, womit das Tool die Kommunikationssphäre von Twitter gut ausleuchtet.)

Muss man nicht gleich versuchen:

  1. Dt. Blogsearch (Beta): Enthält gerade mal 235 Feeds (Stand: 8/07), Minimalfunktionalität
  2. Jamespot: Suche als RSS-Feed abonnierbar, aber: in der dt. Version bei einigen getesteten Suchen nur sehr magere Ausbeute
  3. Feedster: Findet in deutschen Blogs nicht gerade viel; bietet v.a. die Möglichkeit, eine Suche als Widget irgendwo einzubauen.
  4. Blogshares: Eine Art Börse für Blogs, deren Wert anhand der Verlinkungen gemessen wird. Eher eine Spielerei, außerdem offenbar sehr US-fokussiert.
  5. Opinmind: Eigentlich eine nette Idee: Sortiert Suchergebnisse gleich in positiv/negativ; mit dem „Sentimeter“ wird die Verteilung dazu ausgedrückt. Liefert allerdings ausschließlich Ergebnisse aus der englischsprachigen Blogosphäre und die sind z.T. recht dünn.
  6. Blogato: Will führende Blogsuchmaschine werden, noch nicht online (8/07).
  7. PubSub: Sommerschlaf, soll im Winter 08 wieder aufwachen.
  8. Blogdex: RIP

Noch ein paar grundsätzliche Tipps:

Wer selbst Blog-Monitoring betreiben möchte, sollte individuelle RSS-Feeds erzeugen und diese in seinem Feedreader (z.B. Bloglines) abonnieren. Das können separate Feeds für jedes Schlagwort sein, das man beobachten möchte oder integrierte Feeds, die man z.B. mit Pipes basteln kann.

Nach aller Erfahrung genügt es leider nicht, sich auf ein Such-Tool zu verlassen. D.h., bei wichtigen Suchanfragen kann es sinnvoll sein, diese parallel mit zwei, drei Tools durchzuführen, da sich die Suchergebnisse oft deutlich unterscheiden. Umgekehrt überfordert man sich schnell, wenn man zu viele Suchen laufen hat.

Weitere Literatur:

  • Blog Monitoring per RSS von Olaf Nitz
  • The New PR Wiki: die vermutlich umfangreichste Sammlung zum Thema, inkl. Dienstleister, Publikationen, Hinweise auf Tagungen etc. – allerdings mit Fokus auf USA.
  • Tracking the influence of conversations (pdf): Whitepaper von Dow Jones.
  • Eck, Klaus; Pleil, Thomas (2005): Public Relations beginnen im vormedialen Raum. Weblogs als neue Herausforderung für das Issues Management. In: A. Picot/T. Fischer: Weblogs. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld, Heidelberg: dpunkt-verlag, 77-92.

Schließlich noch ein Nachtrag zu diesem Posting:

Dieser Beitrag deckt sich bislang zum großen Teil mit einem Artikel, den ich im PR-Wiki zum Thema Blog Monitoring begonnen habe. Dort finden sich u.a. auch Namen von Dienstleistern. Da das Thema grundsätzlicher Natur ist, will ich in nächster Zeit vor allem den Wiki-Artikel pflegen. Leser-Hinweise sind natürlich hier in den Kommentaren oder im Wiki willkommen. Wenn alles klappt, machen wir in der PR-Ausbildung im nächsten Semester ein kleines Projekt zu Blog Monitoring, so dass wir dann die Bewertungen der Tools noch etwas ausführlicher hinbekommen sollten.

((edit, 24.1.2010: Bei Gelegenheit werde ich diesen Artikel überarbeiten und ergänzen. Bis dahin sei auch diese Übersicht zu Tools empfohlen.))

47 Gedanken zu “Blog-Monitoring: 20 Tools und ein paar Tipps

  1. Empfehlung: Plattform unabhängige Java Software BlogBridge

    BB erlaubt per lokal definierten smart feeds das Einbinden vieler der genannten Suchdienste und natürlich auch die automatisierte Suche in den abonnierten Feeds.

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  2. Uli: Neue Blogs können nur nominiert werden von Blogs, die schon drin sind. Wie Google zählt auch Rivva Links als Empfehlung. Alle Blogs müssen zudem die Feuerprobe bestehen und thematisch ihren Beitrag leisten. Welche Themen Rivva interessiert, entscheidet wiederum die Masse von Blogs.

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  3. Guter Post, trotzdem ein Nachtrag: Was mich ziemlich erstaunt hat ist, dass neben den Yahoo! pipes nicht auch dapper erwähnt wurde. Das Tool ist echt super; es erlaubt, aus jeder Seite ein beliebiges Feed zu basteln. So kann man etwa Sucheingaben auf pages speichern und als feed abonnieren. Ich kriege so immer eine aktualisierte Übersicht, was z.B. Businessweek über Google geschrieben hat. Das schöne dabei, ich habe alle möglichen Formate verfügbar und kann ganz genau auswählen, was ich in meinen feeds will..

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  4. @nitram079: Danke für den Hinweis! Werde dapper gern ausprobieren. Muss zugeben, dass ich mal drüber gestolpert bin, es aber irgendwie wieder aus dem Blick verloren habe. Aber das schöne am Social Web ist ja, dass man sich so wunderbar ergänzen kann ;-)

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  5. Sehr schöne Übersicht. Ein paar Tools, die ich noch ganz interessant finde : MySyndicaat ist ein online Aggregator, mit dem sich RSS Feeds gut verwalten und personalisieren lassen, Serph positioniert sich als realtime monitoring Suchmaschine und openkapow geht in Richtung Yahoo! pipes oder Dapper.

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  6. Thanks for your comment on my article about keywords. Translated your post and got some very useful information. Recently added a translator tool on my blog – it’s good to be part of the global PR community.
    Barbara Rozgonyi

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  7. Vielleicht ist es sinnvoll statt verschiedener Inseln, lieber eine komplette Software für ein ganzheitliches Monitoring einzusetzen.

    Viele Grüße

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  8. Ähnlich wie der Einsatz von Dienstleistern kann das durchaus eine Möglichkeit sein. Mir scheint aber das Angebot der Inter ITeC in eine ganz andere Richtung als mein Beitrag zu gehen.

    [[edit note: den Link auf die Firmenhomepage habe ich als werbend herausgenommen]]

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  9. Der technische Aspekt der Datenbeschaffung wird für meinen Geschmack umfangreich, verständlich und nachvollziehbar dargestellt. Jetzt stelle ich mir einen Unternehmer vor, der keine Zeit oder keine Lust hat, sich darin einzuarbeiten und der auch (vermeintlich?) wichtigeres zu tun hat und schon heißt es a) Augen zu und nix machen oder b) lust- und ahnungslos am offenen Kommunikationsherzen rumschnippeln oder c) jemanden zu fragen, der sich damit öfter und lieber beschäftigt.

    Zum einen hat mir der wertende, sortierende und Aktionen einleitende Aspekt hier gefehlt oder auch die Frage, wie man die Arbeit sinnvollerweise aufteilen kann, damit es auch bezahlbar bleibt. Denn für den nicht nur privat bloggenden Menschen gehört die Frage nach der Effizienz / Wirtschaftlichkeit einfach dazu.

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  10. Nun, Online-Monitoring ist aus meiner Sicht nur sinnvoll, wenn man genau weiß, was man macht. Es ist sicher nicht sinnvoll, mit Tools wie den hier diskutierten einfach herumzuprobieren ohne sich jemals mit Issues Management auseinandergesetzt zu haben. Für grundsätzliche Einordnungen empfehle ich Handbücher zum Thema.

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  11. Ehrlich gesagt: Nein. Die Akteure, die mir in diesem Feld auf Anhieb einfallen, bieten das Monitoring selbst als Dienstleistung an, m.W. aber keine Schulungen.

    In nächster Zeit bin ich leider selbst ausgebucht, vielleicht schaffen wir aber, im Sommer nächsten Jahres einen Workshop an der Hochschule Darmstadt dazu anzubieten.

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