Lesetipps: Künftig in Pocket

Eine meiner Lieblings-Apps, Pocket, hat seit kurzem eine sehr schöne Möglichkeit, Artikel zu empfehlen. Ich habe mich entschieden, dies intensiver zu nutzen. Wer mag, kann gern meinem Pocket-Profil folgen.

Newsstand
Ziemlich einsam, der Newsstand. Umso mehr Leseempfehlungen gibt’s online.

Nach wie vor tue ich mich schwer damit, zu entscheiden, wo ich welche Linktipps platziere. Natürlich werde ich wie bisher auch Twitter und (eher selten) Facebook nutzen. Die über Jahre hier im Blog gesammelten Lesetipps habe ich vor einigen Monaten schon eingestellt – irgendwie habe ich den Eindruck, dass diese Art des Kuratierens nicht mehr so richtig passt – generell ins Blog, aber auch zu meinen Workflows.

Pocket ist inzwischen (neben Feedly und Nuzzel) eine meiner wichtigen Apps, um Artikel in Ruhe zu lesen, unterwegs genauso wie auf dem Sofa. Besonders schön daran sind die Synchronisierung auf allen Geräten, die Offline-Verfügbarkeit der Texte und die automatische Entfernung von allem, was wirbt, blinkt oder sonstwie ablenkt. Seit kurzem gibt es wie gesagt die Möglichkeit, Profile anzulegen und Empfehlungen von anderen zu bekommen. Dabei kann man anderen Nutzern direkt folgen, Pocket schlägt aber zusätzlich mit Hilfe eines Algorithmus Artikel vor. (Ergänzung, 4.1.16: Bisher funktioniert das Ganze im vollen Umfang nur in der mobilen App. Danke, Frank, für den Hinweis).

Was gibt es von mir bei Pocket zu lesen? Im wesentlichen aktuelle Artikel zu Onlinekommunikation, Netzpolitik und der digitalen Gesellschaft. Vorgenommen habe ich mir, nicht zu viele Artikel auszuwählen. Meine vollständigen Bookmarks finden sich nach wie vor bei Diigo.

Zum Schluss noch eine Warnung: Ich beschreibe hier ein Ausprobieren mit offenem Ausgang – also ohne Gewähr, dass das Setting immer so bleibt ;)

 

Lesen, speichern, finden: mein täglicher Workflow

Lesen, speichern, finden: mein täglicher Workflow

Kurz nach Ostern beginnt das neue Semester, und dann wird eine neue Studentengruppe mit mir die aktuellen Diskussionen in PR, Marketing und Onlinekommunikation verfolgen, und über die PR-Fundsachen werden die Studies sich daran beteiligen, wie ich es neulich in meinem Zwischenfazit zu zehn Jahren Bloggen in der Lehre angekündigt habe. Dies setzt natürlich entsprechende Abläufe voraus. In diesem Artikel geht es um ein paar grundsätzliche Überlegungen dazu. Zudem stelle ich meinen täglichen Workflow vor, um Up-to-Date zu bleiben und vor allem, um später mit besonders wichtigen Beiträgen weiter arbeiten zu können. Sicher hat jeder Webworker seine eigenen Abläufe, aber vielleicht steckt für manche Leser der ein oder andere hilfreiche Baustein drin. Und natürlich freue ich mich auf Hinweise, wie man noch reibungsloser mit den Informationsströmen mitschwimmen kann. Denn mit solchen Arbeitsabläufen kann man eigentlich nie zufrieden sein, muss sie laufend anpassen.

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Zwiespältige Webautomation

Heute habe ich mal keine Lesetipps hier im Blog, sondern ein paar rohe Gedanken zu Webautomation. Mein Ausgangspunkt: Nachdem ich neulich die Lesetipps zum Wochenende mit storify gebastelt habe, hat mich das Thema Webautomation begleitet. Und ich bin mir darüber noch nicht so im Klaren.

Gerade für die Lesetipps, also im weitesten Sinne Content Curation, könnten Tools wie storify ideal sein. Tatsächlich ist das Tool bequem zu bedienen und das Ergebnis sieht auch sehr schön aus – auf der Website von storify. Übernimmt man das Ganze zum Beispiel in ein WordPress-Blog und schaut nur mal kurz, welcher Code da produziert wird, dann zeigt sich ein ziemliches Tohuwabohu, und es ist nicht verwunderlich, dass ein Überarbeiten eines solchen importierten Posts extrem mühsam, weil unübersichtlich ist – und sei es, um Abstände zu optimieren. Richtig unangenehm für die Leser eines Blogs wird das aber, falls sie die Artikel per Mail abonniert haben – eine Funktion, die WordPress.com anbietet. Das Ergebnis ist je nach Mailclient ziemlich unschön.

Mit einem anderen Lieblingstool IFTT (If This Then That) sollte man deshalb auch vorsichtig sein, wenn am Ende der Bezugskette von Inhalten E-Mails stehen können. Beispiel: Man kann automatisieren, dass die im Feed-Reader markierten Beiträge oder in Slideshare favorisierten Slides irgendwo anders gepostet werden, zum Beispiel in einem Posterous-Blog. Wehe aber, dieses hat jemand per Mail abonniert: Auch hier kann das Ergebnis ziemlich hässlich sein.

Andererseits erleichtert Webautomation mir selbst das Onlineleben gewaltig. Weit verbreitet sind Tools wie Read it Later oder eben IFTT, das ich besonders gern nutze, wenn es um meine eigenen Arbeitsabläufe geht. Beispielsweise wandern dank dieses Tools einmal von mir auf Facebook oder Twitter geteilte Links automatisch in mein Social Bookmark-Archiv. Oder Instagram-Fotos werden auch auf Flickr gesichert.

Mein Zwischenfazit:

Webautomation möchte ich nicht missen, vor allem für mein persönliches Informationsmanagement. Ich werde aber möglichst selten Inhalte von externen Tools in Blogumgebungen übernehmen, denn zumindest das Textdepot hat relativ viele E-Mail-Abonnenten.

Andere Automatismen

Ein automatisches Crossposten (z.B. zwischen Facebook und Google+ oder/und Twitter) mag ich ohnehin nicht. Ausnahme sind für mich Fotos, die ich von Instagram oder meinem Fotoblog automatisch auch nach Facebook posten lasse.

Natürlich gibt es sehr viel mehr Möglichkeiten, einmal aufbereitete Inhalte an anderer Stelle und damit sich oder anderen Zielgruppen bzw. auf anderen Endgeräten zugänglich zu machen. Auch das ist natürlich Geschmacksache: Rein automatisierte Systeme sind mir da ehrlich gesagt unsympathisch bzw. bringen mir nichts. Ich denke da zum Beispiel an tägliche Zusammenfassungen laut mathematischer Algorithmen wichtiger Tweets aus dem Netzwerk anderer Twitterati. Solche „Twitter-Zeitungen“ oder wie die Produkte auch heißen mögen, empfinde ich in meiner Timeline mittlerweile eher als störend. Der Grund: Meist habe ich die mich wirklich interessierenden Themen auch anderswo schon gesehen.

Ein wohl recht neues Tool, das in den letzten Tagen in meinem Netzwerk mehrfach auftauchte, ist Readlists. Mit ihm kann man Artikel zu einem Thema sammeln und schwupps werden diese in ein eBook gegossen (z.B. als epub bzw. im Kindle-Format). So etwas kommt mir wie gerufen. Beispielsweise möchte ich damit im nächsten Semester Lesestoff als Hausaufgaben für Studenten zu bestimmten Themen zusammenschnüren. Allerdings muss ich damit noch Erfahrungen sammeln. Was mir aber an der Idee von Readlists gefällt: Ähnlich wie bei Storify wähle ich manuell die Inhalte aus und sie werden für andere (Lese-)Orte neu verpackt. Gut vorstellen kann ich mir auch, auf diese Weise digitale Lesestapel für längere Bahnfahrten mit dem iPad vorzubereiten. Einmal auf’s mobile Gerät geladen, kann man die Beiträge auch offline lesen (so lange man natürlich keinen weiterführenden Links folgen will).

Insofern könnte ich mir auch vorstellen, einmal aus einem Blog wie dem Textdepot einige Beiträge zusammen zu packen und in ein eBook zu gießen. Passend zu diesem Beitrag hat Marie-Christine Schindler mich eben auf Twitter gefragt, was ich davon halte. Entscheidend für mich ist da die Frage der Aktualität. Wenn ein Beitrag auch noch in ein paar Monaten lesenswert ist (und dazu gehört, dass man ihn dann noch verstehen und einordnen können muss und die Aussagen darin dann noch gültig sind), kann er für meinen Geschmack durchaus auch in ein eBook. So etwas könnte prima für kurze Anleitungstexte passen oder ähnliches. Tatsächlich hatte ich einmal damit begonnen, auf Basis des Textdepot ein eBook zu basteln als iBooks Author herausgekommen ist. Damals wollte ich das sehr magazinig gestalten und das Textdepot mit meinem Fotoblog zusammenbringen. Doch das kostet Zeit und blieb bisher unvollendet. Das ist mir aber lieber, als eine automatisierte Lösung, in der einfach alle Artikel zusammengeklöppelt würden. Das kann’s aus meiner Sicht nicht sein. Denn eine Übernahme in andere Formate oder in andere (soziale) Umgebungen erfordert aus meiner Sicht, dass die Inhalte den dortigen Bedingungen und Interessen angepasst werden.

Insgesamt ein sehr weites Feld, über das ich in nächster Zeit intensiver diskutieren und nachdenken möchte. Insofern kann dieser Blogpost nur eine Momentaufnahme sein.

Wie denkt Ihr über diese Themen, die ich zugegebenermaßen ziemlich bunt zusammengemischt habe?

Information Overload? Mit TweetDeck und GMail besser durch die Fluten

Irgendwie tauchte das Thema „Infoflut“ in einigen Gesprächen der vergangenen Tage immer wieder auf. Klar, das Thema ist für praktisch jeden von uns erlebbar. Dabei ist das Bedürfnis groß, sich Tipps zu holen – schließlich ist wahrscheinlich, dass man noch einiges verbessern kann. Deshalb habe ich hier paar meiner Versuche notiert – in der Hoffnung auf weitere Anregungen in den Kommentaren ;-)

Mittlerweile sind Twitter, Mail und Instant Messaging meine wichtigsten Kommunikationskanäle. Mein Problem mit allen: Das persönliche Netzwerk wächst ständig. Sprich: Immer mehr Nachrichten von immer mehr Leuten (und Diensten). Die große Herausforderung: Wie sortiere ich Unwichtiges von Wichtigem? Zwei Tools helfen mir dabei nun recht gut: Für Twitter seit einiger Zeit schon TweetDeck und bei den Mails scheinen die gerade erst vorgestellten Multiple Inboxes für GMail gute Sortierdienste zu leisten.

Wie lassen sich die Tools nun genau einsetzen?

Twitter: Ich gebe zu, irgendwann bei 300 Abos begann der Leidensdruck – im Moment folge ich gut 400 anderen Twitterati. Das bedeutet, dass in manchen Phasen ununterbrochen Tweets auf den Bildschirm schwappen. Viel mehr, als man ich lesen kann. Erst habe ich die Abruffrequenz meines bis dahin liebsten Clients Twhirl verringert, inzwischen nutze ich dieses immer wieder aufpoppende Programm praktisch nicht mehr. Grund dafür ist TweetDeck, ein Twitterclient, der in den letzten Wochen in meinem Bekanntenkreis populär geworden ist. Hier lassen sich Informationsströme spaltenweise verfolgen: Meine News teile ich zum Beispiel in neun Ströme auf. So verwirrend das im ersten Moment zu sein scheint, so zufrieden bin ich damit. Um ein paar Beispiele zu geben: In eine Spalte laufen alle Tweets meines Netzwerkes. Dort schaue ich nur sporadisch rein. Die mir wichtigste Spalte jedoch ist die Spalte, in der ich die User gruppiert habe, die mir als Informationsgeber am wichtigsten sind. Sie bilden mein persönliches News-Netzwerk. Darin sind gerade so ein Dutzend Kontakte („Favoriten“). Eine weitere Gruppe heißt „Hochschule“. Darin sind (ehemalige) Studenten sowie meine Kollegen. Weitere Spalten gibt es für Direktnachrichten und Antworten sowie für bestimmte Suchbegriffe, beispielsweise zu Events oder Themen, die mich interessieren. Das Schöne ist, dass man bei Tweetdeck solche Gruppierungen bzw. Themenströme beliebig selbst zusammenbauen kann. Insgesamt habe ich das Gefühl, Twittermeldungen  so ganz gut in Bahnen lenken zu können: Wenn mal mehr Zeit ist, schaue ich in alle Spalten, habe ich weniger Zeit, schaue ich nur eine oder zwei an und – na klar – über unterschiedlich lange Phasen ignoriere ich das Ganze. Mobil nutze ich Twitter (derzeit) überhaupt nicht.

E-Mail: Natürlich ist man in den meisten Betrieben – so auch an unserer Hochschule – an das dort eingerichtete System gebunden. Dennoch dürften die meisten Nutzer viele andere Mails zu managen haben. Hier ist – allen Unwohlseins gegenüber Google zum Trotz – mein Favorit im Moment GMail. Schon seit längerem arbeite ich dort mit Labels, von denen ich wie beim Tagging mehrere pro Konversation vergeben kann. Und ich nutze intensiv die Filterfunktion. Newsletter, Beiträge aus Mailinglisten, Benachrichtigungen aus Content Management Systemen etc. verschwinden sofort und automatisch gelabelt im Archiv. Nur wenn Zeit ist bzw. bei Bedarf, schaue ich da rein. Sehr praktisch finde ich auch Funktionslabels. So habe ich irgendwann mal mit Labels wie „*Termin“, „**to do“ etc. zu arbeiten begonnen. Heute nun hat sich GMail für mein Empfinden TweetDeck angenähert: Denn mit den „multiple Inboxes“ hat man nun nicht mehr nur die normale Inbox im Blick, sondern man kann sich mehrere weitere Boxen anzeigen lassen. Kombiniert mit Filtern lassen sich so beispielsweise wieder die Nachrichten einer selbst definierten Gruppe anzeigen. Oder die mit „to do“ markierten Mails etc.

Unterm Strich habe ich nun das Gefühl, die Infoströme mit diesen Tools ein bisschen besser im Griff zu haben. Zumindest für eine Weile. Wie meinte Clay Shirky neulich in einem Interview? „Es gibt keinen Information Overload. Es gibt nur unzureichende Filter.“ Für mich gehört inzwischen zum Filtern übrigens auch, nur noch alle paar Tage in den Feedreader reinzuschauen und den Instant Messenger über längere Phasen komplett geschlossen zu halten. Was wirklich wichtig ist, erreicht mich auch irgendwie.

So, nun bin ich neugierig: Was ist Ihr wichtigster Deich gegen die Infoflut?

Ähnliche Artikel im Textdepot:

Wege durch das Netz

Welche Tools und Dienste sollte man kennen, um sich als Wissensarbeiter sicher im neuen Netz zu bewegen? Und wo beginnen die Spielereien? Sicher gibt es auf diese Fragen keine allgemein verbindlichen Antworten, doch ich habe mal versucht, für meine Studenten und mich eine Linie hineinzubringen. Denn: Wir wollen morgen den ganzen Tag zusammensitzen, um uns gegenseitig Tools, Tricks und Anlaufstationen zu zeigen. Habe im letzten Jahr die Erfahrung gemacht, dass es sehr nützlich ist, das Thema Online-PR am Semesteranfang durch einen solchen Praxis-Workshop vorzubereiten – einerseits, damit die Studenten effektiv arbeiten können, andererseits, damit sie erahnen, welche Relevanz manche Dienste aus PR-Sicht haben (oder nicht). Um welche Themen soll es konkret gehen?

  • Browsing: Ja, das klingt erstaunlich. Aber ich habe festgestellt, dass doch einige Kursteilnehmer ihre Browser so nutzen, wie sie mal installiert wurden. Als Firefox-Arbeiter will ich mich damit nicht abfinden und zumindest ein paar ergänzende Suchmaschinen vorschlagen, Erweiterungen wie ScreenGrab, um Websites einfach zu speichern, den SessionManager, damit man eine Recherche in vielen Tabs speichern kann, und schließlich ein paar Javascripts (z.B. für technorati) für die Lesezeichen-Leiste. Vielleicht kommen wir noch zu User-Scripts à la Greasemonkey.
  • Tagging und Social Bookmarking will ich zusammenfassen. Sind für mich elementare Produktivitätstools. Wir werden uns Furl, Del.icious und Mister Wong anschauen, wobei wir im Semester mit Mister Wong arbeiten werden. Neben dem reinen Ablegen von Bookmarks spielen die Recherche in solchen Archiven sowie die Zusammenarbeit mit anderen für mich eine besondere Rolle.
  • Blog-Suchmaschinen bzw. Blog-Monitoring. Großes Thema, da werden wir uns an meinen vor einiger Zeit veröffentlichten Erfahrungen entlanghangeln und bekommen von einer Absolventin Einblicke in die Praxis des Blog-Monitorings bei einem großen Unternehmen.
  • (Mikro-)Blogging. Für die Studenten ist Bloggen nicht neu, insofern werden wir nur Twitter anschauen und ein paar Besonderheiten bei Weblogs (z.B. Blog-Hosting vs. selbst installiert, Bloggen in geschlossenen Nutzergruppen und Widgets).
  • Podcasting. Hier geht’s zunächst im Wesentlichen um einen Einstieg (Abonnieren, Quellen, Einsatz von Skype/Powergramo).
  • Social Communities. Das wird einmal quer durch’s Beet gehen – von Flickr über Qype bis Facebook und XING. StudiVZ und YouTube muss man in dieser Runde ja nicht mehr vorstellen ;-)
  • Mashups/Aggregiertes: Hier werden wir mal schauen, was man mit GeoTagging à la Google Maps, mit Netvibes am Desktop oder Pageflakes anstellen kann.
  • Und schließlich werden wir uns noch ein paar kleinere Tools anschauen, die das Online-Leben erleichtern, z.B. TinyURL, CoComment, Web-Office-Anwendungen wie Zoho oder Google-Docs und schließlich Slideshare.

Hm, ziemlich viel Stoff. Bin ja mal gespannt, wie weit wir kommen. Die Inhalte des Seminars basieren übrigens auf einen ersten Vorschlag von mir in unserem internen Wiki, den dann die Studenten ergänzt haben, getreu dem Motto: Wer etwas Interessantes kennt, zeigt es den anderen. Und wer etwas wissen möchte, schreibt es auch rein.

P.S.: Sorry für den linkfreien Text heute, aber das war nicht mehr zu schaffen – das meiste dürfte ja bekannt sein…

Blog-Monitoring: 20 Tools und ein paar Tipps

Immer mehr Unternehmen und NGOs erkennen die Bedeutung von Weblogs und anderen Social Media-Anwendungen und integrieren diese in ihr Issues Management. Sinn der Sache ist zu erfahren, welche jeweils relevanten Themen gerade diskutiert werden und natürlich, was über die eigene NGO, das eigene Unternehmen, dessen Marken oder Manager z.B. in Weblogs geschrieben wird. Zusätzlich beobachten einige Unternehmen Schlagworte, die sie vorher als für sich bedeutsam definiert haben (mehr dazu). Kontinuierlich durchgeführt, erlaubt ein solches Monitoring im Rahmen der Krisenprävention und -kommunikation eine schnelle Reaktion (z.B. in Kommentaren von Weblogs oder im eigenen Blog) und erleichtert die Themenfindung für aktives Kommunikationsmanagement.

Oft wird die Frage gestellt, wie man Blog-Monitoring selbst betreiben kann. Ich habe mir deshalb 20 Tools näher angeschaut und mit ihnen ein wenig herumgespielt. Einige sind nützlich, ein paar ganz interessant, andere muss man IMHO im Moment nicht weiter beachten. In der Tendenz ist die Qualität der meisten dieser Tools noch nicht befriedigend. Wichtig: Mir geht es hier nur um Blog Monitoring. Das schließt Tools ein, die es erlauben, up to date zu bleiben sowie Blogs, auf die man stößt, einzuordnen. Eine Liste mit 26 Tools zum Online-Monitoring allgemein wurde soeben von Marketing Pilgrim vorgestellt (via co/operative). Und natürlich gibt es für Blog Monitoring auch Dienstleister.

Noch ein Wort: Die Liste der Tools mit den kommentierenden Vorstellungen und Bewertungen ist „work in progress“. Und: Die Kommentare zu den jeweiligen Tools sind subjektiv, sie sind nicht Ergebnis systematischer Tests. Üblicherweise habe ich die Tools mit mehreren Abfragen ausprobiert, meist handelte es sich um den Namen einer internationalen, einer aus Deutschland stammenden Marke sowie die Namen bekannter deutscher Blogger.

Meine Favoriten für’s Blog-Monitoring:

  1. rivva: Sicher das derzeit beste Angebot, um einen Überblick über aktuelle Themen der deutschsprachigen Blogosphäre zu behalten. Selbst wenn man keine einzelnen Blogs abonniert – rivva sollte man beachten. (Update 24.1.08: Inzwischen gibt es von Rivva auch eine Liste von Online-Leitmedien)
  2. Bloglines: Bloglines bietet über die Suchfunktion die Möglichkeit, Schlagworte zu abonnieren. Hinter der Funktion „mehr“ verstecken sich gute Möglichkeiten der Kombination bzw. der Einschränkung (z.B. Sprache, Zeitraum). Die Suche kann via RSS abonniert werden.
  3. Icerocket: Sucht wahlweise in Blogs, im Web, in News, Images oder MySpace. Suchanfragen lassen sich via RSS abonnieren, zudem können auch einzelne Ergebnisse abonniert oder z.B. an Facebook gesendet werden. Zusätzlich gibt’s noch ein paar Gimmicks (z.B. Trends bei Suchbegriffen). Mein Eindruck: RSS-Feed ist ok, Ergebnisse in anderen Bereichen aber z.T. inkonsistent (z.B. sehr unterschiedliche Linksphären für ein und dasselbe Blog).
  4. Blogsuche von Ask.com: Schlichte Suche mit der Möglichkeit, Suchanfragen als RSS zu abonnieren. Sortierung nach Relevanz, Neuheit und Beliebtheit. Einzelne Ergebnisse können gespeichert bzw. in best. Dienste gepostet werden.
  5. Google Blogsearch: Hier können Suchen via RSS oder Atom abonniert werden. Die Fokussierung erfolgt über die Suchwortkombination, zusätzlich kann man entscheiden, ob man deutschsprachige oder alle Blogs durchsuchen möchte.
  6. Blogpulse: zahlreiche Features, besonders interessant: der Conversation Tracker, mit dem verfolgt werden kann, wie ein Thema durch Blogs wandert. Auch interessant: der Kommenta-Tracker. Hübsch: Aus der Trend-Grafik zu einem Thema lassen sich tagesspezifisch alle Postings aufrufen. Ansonsten lassen sich Suchabfragen wie bei anderen Diensten als RSS abonnieren.
  7. Blogdigger: Blog-Suchmaschine; aus der Ergebnisliste heraus kann u.a. in andere Beiträge eines Feeds gesprungen oder Treffer lassen sich ausschließen. Suchabfragen können auch hier per RSS abonniert werden. Angenehm: Im Feed gibt’s neben Zusatzinfos zum jeweiligen Blog (z.B. Zahl der Links). Suchergebnisse erscheinen zwar recht aktuell und nach Datum sortiert, aber unvollständig (wird nach einer bloggenden Person gesucht, wird deren Weblog sehr stark gewichtet).
  8. Bloginfluence: Zeigt an, wie gut ein Blog vernetzt ist und sammelt dazu Daten von Technorati, Bloglines, Yahoo etc. ein. Untersucht man ein Blog, erhält man Links zu anderen Diensten für konkretere Zahlen/Charts.
  9. Technorati: Nach wie vor das bekannteste Tool, Zuverlässigkeit immer wieder diskutiert, aber im Vergleich zu anderen immer noch bei den besten Suchmaschinen. Suche als RSS-Feed abonnierbar. Hilfreich: Verlinkungen etc. Praktisches Bookmarklet hierzu. Gerade die Verlinkungen findet technorati erfahrungsgemäß nicht sehr zuverlässig – ärgerlich.
  10. CoComment: Wer in unterschiedlichen Blogs kommentiert, kann mit diesem Service den Überblick behalten. Tipp: Feed abonnieren, die Website ist seit dem Relaunch im Sommer 07 ziemlich unübersichtlich.

Auch interessant:

  1. MonitorThis: Dieser Dienst bastelt aus 22 Suchmaschinen eine OMPL-Datei zusammen. Diese importiert man dann in seinen Feedreader. Vorteile: Man grast auf einen Schlag zahlreiche Suchmaschinen bzw. Social Network-Dienste ab (inkl. Flickr, Social Bookmarks), Nachteil: 22 Maschinen produzieren naturgemäß viele, viele Treffer. Traurig: Die Ergebnisse ein und derselben Suche sind oft extrem heterogen.
  2. Blogsuche bei Seekport: Seekport findet wirklich viel, auch in Kommentaren von Blogs. Allerdings eine reine Suchmaschine ohne die Möglichkeit, Feeds zu abonnieren etc.
  3. (Ergänzung 23.1.08: TweetScan: durchsucht Twitter nach beliebigen Inhalten (und Usern), Suchabfragen sind abonnierbar, womit das Tool die Kommunikationssphäre von Twitter gut ausleuchtet.)

Muss man nicht gleich versuchen:

  1. Dt. Blogsearch (Beta): Enthält gerade mal 235 Feeds (Stand: 8/07), Minimalfunktionalität
  2. Jamespot: Suche als RSS-Feed abonnierbar, aber: in der dt. Version bei einigen getesteten Suchen nur sehr magere Ausbeute
  3. Feedster: Findet in deutschen Blogs nicht gerade viel; bietet v.a. die Möglichkeit, eine Suche als Widget irgendwo einzubauen.
  4. Blogshares: Eine Art Börse für Blogs, deren Wert anhand der Verlinkungen gemessen wird. Eher eine Spielerei, außerdem offenbar sehr US-fokussiert.
  5. Opinmind: Eigentlich eine nette Idee: Sortiert Suchergebnisse gleich in positiv/negativ; mit dem „Sentimeter“ wird die Verteilung dazu ausgedrückt. Liefert allerdings ausschließlich Ergebnisse aus der englischsprachigen Blogosphäre und die sind z.T. recht dünn.
  6. Blogato: Will führende Blogsuchmaschine werden, noch nicht online (8/07).
  7. PubSub: Sommerschlaf, soll im Winter 08 wieder aufwachen.
  8. Blogdex: RIP

Noch ein paar grundsätzliche Tipps:

Wer selbst Blog-Monitoring betreiben möchte, sollte individuelle RSS-Feeds erzeugen und diese in seinem Feedreader (z.B. Bloglines) abonnieren. Das können separate Feeds für jedes Schlagwort sein, das man beobachten möchte oder integrierte Feeds, die man z.B. mit Pipes basteln kann.

Nach aller Erfahrung genügt es leider nicht, sich auf ein Such-Tool zu verlassen. D.h., bei wichtigen Suchanfragen kann es sinnvoll sein, diese parallel mit zwei, drei Tools durchzuführen, da sich die Suchergebnisse oft deutlich unterscheiden. Umgekehrt überfordert man sich schnell, wenn man zu viele Suchen laufen hat.

Weitere Literatur:

  • Blog Monitoring per RSS von Olaf Nitz
  • The New PR Wiki: die vermutlich umfangreichste Sammlung zum Thema, inkl. Dienstleister, Publikationen, Hinweise auf Tagungen etc. – allerdings mit Fokus auf USA.
  • Tracking the influence of conversations (pdf): Whitepaper von Dow Jones.
  • Eck, Klaus; Pleil, Thomas (2005): Public Relations beginnen im vormedialen Raum. Weblogs als neue Herausforderung für das Issues Management. In: A. Picot/T. Fischer: Weblogs. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld, Heidelberg: dpunkt-verlag, 77-92.

Schließlich noch ein Nachtrag zu diesem Posting:

Dieser Beitrag deckt sich bislang zum großen Teil mit einem Artikel, den ich im PR-Wiki zum Thema Blog Monitoring begonnen habe. Dort finden sich u.a. auch Namen von Dienstleistern. Da das Thema grundsätzlicher Natur ist, will ich in nächster Zeit vor allem den Wiki-Artikel pflegen. Leser-Hinweise sind natürlich hier in den Kommentaren oder im Wiki willkommen. Wenn alles klappt, machen wir in der PR-Ausbildung im nächsten Semester ein kleines Projekt zu Blog Monitoring, so dass wir dann die Bewertungen der Tools noch etwas ausführlicher hinbekommen sollten.

((edit, 24.1.2010: Bei Gelegenheit werde ich diesen Artikel überarbeiten und ergänzen. Bis dahin sei auch diese Übersicht zu Tools empfohlen.))