Studie: Social Networking im Mainstream?

Dass das Füttern von Suchmaschinen und das Produzieren von E-Mails die am häufigsten genutzten Internet-Aktivitäten sind, bestätigen Nutzungsstudien zum Internet seit einigen Jahren. Nun bin ich jedoch über den dritten Rang überrascht: Hier steht die Kommunikation in Social Networking Sites, wiederum gefolgt von Instant Messaging und Musik herunterladen. Zu diesen Ergebnissen kommt jedenfalls eine Studie der European Internet Interactive Advertising Association (eiaa), die gerade veröffentlicht wurde. 42 % der europäischen Internetnutzer seien demnach in Social Networks zu finden, und 27 % der Internetnutzer beteiligen sich laut der Studie an (Produkt-)Bewertungen oder -Besprechungen. Ebensoviele beteiligten sich an Foren. Für die Autoren der Presseinformation zu den eiaa-Zahlen ist die Schlussfolgerung klar. Sie sprechen von:

„… further evidence of just how powerful word of mouth can be on the web.“

Ebenfalls bemerkenswert: Erstmals gibt es mit den 16-24Jährigen eine Nutzergruppe, die das Internet intensiver nutzt als das Fernsehen:

„82% of this younger demographic use the internet between 5 and 7 days each week while only 77% watch TV as regularly (a decrease of 5% since last year). 16-24 year olds also spend 10% more time surfing the internet than sat in front of the television and almost half (48%) claim their TV consumption has dropped off as a direct result of the internet.“

Quer durch alle europäischen Zielgruppen sind nach der Studie Nachrichten, regionale Informationen (!) und Reiseinformationen die beliebtesten Angebote im Netz – wobei die Deutschen zwar auch Nachrichten an erster Stelle, aber Preisvergleichsangebote und Auktionsplattformen an zweiter und dritter Stelle sehen.

Für die Studie wurden in Europa etwa 7.000 zufällig ausgewählte Personen telefonisch befragt, 1.000 davon in Deutschland. Die Liste der genutzten Internet-Aktivitäten und der hohe Anteil von Social Networking, IM etc. erstaunt mich jedoch. In der deutschsprachigen eiaa-Presseinfo wird etwas differenziert: Danach sind 37 % der deutschen Onliner und 51 % der anderen europäischen Nutzer in Social Networks. Zum Vergleich: Die aktuelle ARD-/ZDF-Onlinestudie kommt zu dem Ergebnis, dass gerade einmal 9 % der deutschen Internet-Nutzer in Onlinecommunities anzutreffen sind. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich eine mögliche Teilerklärung für die enorme Diskrepanz: Die ARD-/ZDF-Studie fragt nach regelmäßiger Nutzung („mindestens einmal in der Woche“), während es bei der eiaa eine solche Einschränkung nicht zu geben scheint. Eine ähnlich wundersame Diskrepanz findet sich auch zum Thema Onlineshopping: Laut eiaa (pdf, vgl. S. 11) shoppen 78 % der europäischen Onliner im Netz, laut ARD/ZDF tun dies aber nur 13 % der deutschen Onliner regelmäßig. Mir ist bewusst, dass der Vergleich zwischen den Studien etwas hinkt, doch scheint es mir wichtig, die jetzt herausgegebenen Zahlen mit anderen Ergebnissen zu kontrastieren.

(via PR-Journal)

Nachtrag, 14:00: Neville verweist via Twitter auf eine Jupiter-Studie, nach der die Briten die aktivsten Nutzer von Social Networking Sites seien – allerdings sind es dort nach Jupiter knapp 20 % der Onliner – ein weiterer Grund, die eiaa-Zahlen zu hinterfragen…

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3 Gedanken zu “Studie: Social Networking im Mainstream?

  1. Gut, dass hier nicht nur über die Studie selbst berichtet wird, sondern auch noch ein kleiner Zahlenvergleich angestellt wird!

    Wie es scheint, ist derzeit jede Studie zum Online-Verhalten in der Lage, genau das zu beweisen, was deren Auftraggeber lesen will. ;-)

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