Die Grüne Tomate: Der Greenwashing-Preis aus dem Web 2.0

Zum ersten Mal wird heute die „Grüne Tomate“ verliehen. Dabei handelt es sich um einen Preis für „besonders dreistes Greenwashing“, der künftig monatlich vergeben werden soll. Das Besondere daran: Hinter dem Preis stehen keine Organisation oder ein Medium, sondern Bürger, die sich auf der Web 2.0-Plattform Utopia getroffen und die Idee entwickelt haben. Insofern ist die „Grüne Tomate“ ein kleines Beispiel dafür, dass das Social Web nicht nur Barrieren des Publizierens abbaut, sondern neue Möglichkeiten des Handelns Einzelner bietet.

Klarer Gewinner des in einer Online-Abstimmung ermittelten Anti-Preises ist übrigens CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla für den Satz „“Kernkraft ist für die CDU Ökoenergie“. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Vattenfall für die Kampagne zum Kohlekraftwerk Moorburg sowie der Verband der deutschen Automobilhersteller (VDA) für deren Kampagne „Unsere Autos“.

Schon länger habe ich den Eindruck, dass sich ad hoc-Gruppierungen im Social Web oft leichter tun als etablierte Organisationen. Vermutlich liegt das daran, dass dort die Mitarbeiter erst mühsam lernen, wie sich die öffentliche Kommunikation wandelt und welche Chancen und Risiken dies bietet. Und während sie feststellen, dass so vieles im Social Web gar nicht in die bisher geübtten Prozesse passt, nutzen die Netizens diese Möglichkeiten einfach. Wobei der Grünen Tomaten-Truppe IMO auch ein Lapsus passiert ist: Das nette Logo zur Aktion steht zwar auf Flickr, doch mit strengem Copyright („All rights reserved“). Das ist natürlich Unfug, denn wenn ich eine Kampagne starte, möchte ich ja, dass sich ihr Logo einfach verbreiten lässt. Und ehrlich gesagt hätte ich in diesen Beitrag schon ein Bildchen eingebaut…

Update, 30.9., 21.30: Fein, ich darf das Logo hier verwenden; es soll generell unter CC-Lizenz stehen.

[Ergänzung, 30.9.,14.30: Passend zum Thema finde ich bei netzpolitik eben einen Hinweis auf das Projekt „Protest- und Medienkulturen im Umbruch. Transnationale Corporate Campaigns im Zeichen digitaler Kommunikation“, ein Sonderforschungsbereich der Uni Siegen. Die Website ist übrigens eine Fundgrube – und am 7./8. November gibt’s die Tagung “Social Web – Towards Networked Protest Politics?” (PDF)]

 

Update, 19.1.2015: Wie ich erfahre, wurde die Vergabe der Grünen Tomate vor einigen Jahren schon eingestellt.

5 Gedanken zu “Die Grüne Tomate: Der Greenwashing-Preis aus dem Web 2.0

  1. Zum zweiten Mal wurde jetzt der Bürgerpreis
    „DIE GRÜNE TOMATE – ausgezeichnet unreif“ für dreistes Greenwashing verliehen.

    Der web.2.0-Community-Preis soll keineswegs nur anprangern, sondern – ausgestattet mit einer „Pflegeanleitung“ – den Ausgezeichneten auch auf die Sprünge helfen, am Ende doch für positive Veränderungen im Sinne einer nachhaltigeren Gesellschaft zu wirken.

    Nach einer Nominierungsphase wurde bis 30.10.2008 auf http://www.utopia.de
    final abgestimmt und ein Sieger für den Monat Oktober ermittelt.

    40,35 Prozent der Teilnehmer wählten Vattenfall für die Kampagne „Verbraucher gegen den Klimawandel“. Markus Trumann (http://blog.einfachnachhaltig.de/):„Vattenfall positioniert sich in der Öffentlichkeit durch seine Werbekampagnen als Kämpfer für den Klimaschutz. Der Konzern unterschlägt dabei aber, dass er hauptsächlich auf Kohle setzt und gerade in Hamburg-Moorburg eine Kohlendioxidschleuder bauen will. Der Preis zeigt, dass wir Verbraucher uns nicht länger von Vattenfall verkohlen lassen. Die Auszeichnungsurkunde und unsere begleitenden Gratulationen werden Vattenfall zugestellt“

    Auf Platz zwei (26,32 Prozent) landete Oberbürgermeister Beutel, SPD Mainz, der versucht, das neue Kohlekraftwerk als Klimaschutzmaßnahme zu „verkaufen“.

    Platz drei (13,16 Prozent) geht an Sigmar Gabriel für seine Unterstützung der Autolobby in Bezug auf europ. CO-2-Grenzwerte für Pkw.

    Das amtliche Endergebnis ist nachzulesen unter: http://www.utopia.de/forum/showthread.php?t=2903

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