Es hat sich einiges getan bei mir, deshalb heute einmal wieder ein Update in eigener Sache. Ja, ich bin weiterhin an der Hochschule Darmstadt, doch meine Schwerpunkte haben sich etwas geändert, was die ein oder andere irritierte Frage ausgelöst hat. Kurz zusammengefasst: Ich bin wieder mehr in der Praxis tätig – und zugleich mehr in der Forschung. Wie das geht? Nur dadurch, dass ich kein Einzelkämpfer, sondern in verschiedenen Teams eingebunden bin.

Was heißt das nun konkret? Manche Leser erinnern sich vielleicht an meinen letzten längeren Artikel in eigener Sache, in dem ich erstaunt festgestellt habe, wie lange ich schon formal denselben Job mache – damals zwölf Jahre; inzwischen sind eineinhalb dazu gekommen. Irgendwie hatte ich damals den Eindruck bekommen, dass ich aufpassen muss, nicht zu sehr in eine Routine zu geraten, die mich langsam vom Feld, um das sich meine Arbeit dreht – die Onlinekommunikation und die PR – wegbringt. Die Aufgaben im Dekanat unseres Fachbereichs und der anschließende Aufbau des Studiengangs Onlinekommunikation waren herausfordernd und meist auch schön, aber bargen Risiken für meine fachliche Zufriedenheit. Was tun?

Ich habe mich in den letzten Monaten gegen einen Wechsel der Hochschule entschieden, aber für neue Aufgaben im bestehenden Job. Zum einen wollte ich wieder etwas näher an der Praxis sein, aber auch mehr forschen. Inzwischen kann ich glücklich sagen: Beides scheint vereinbar zu sein, wobei dies natürlich immer im Rahmen der Fachhochschule gilt, also  anwendungsbezogene Forschung meint.

Praxis: Steinbeis-Transferzentrum flux gegründet

Ein wichtiger Baustein zur Praxis ist die Gründung des Steinbeis-Transferzentrums flux durch meine ehemaligen Dokorandin Pia Sue Helferich und mich. Das Ganze ist ein kleines Unternehmen im Verbund der Steinbeis-Stiftung, und wir beschäftigen uns dort mit Organisationsentwicklung, Kommunikation und Lernen unter dem Vorzeichen der Digitalisierung. Wir möchten dort keine Konkurrenz für Agenturen sein, sondern Ideengeber und Sparringspartner für Unternehmen und Agenturen. Wir denken, dass wir aus unserer Forschung und den Erfahrungen mit Wissenstransfer zu Onlinekommunikation und E-Learning sowie im Umfeld von Mittelstand 4.0 den ein oder anderen Beitrag leisten können, wenn es um die für viele Unternehmen anstehenden Veränderungen geht. So bin ich zum Beispiel seit einigen Monaten regelmäßig als Sparringspartner in der Darmstädter Agentur quäntchen + glück, die von Absolventen des Mediencampus vor sieben Jahren gegründet wurde und nun etwa 20 Leute beschäftigt. Der Nutzen ist auf beiden Seiten: Für mich bedeutet diese Aufgabe, dass ich wieder viel näher an praktischen Fragen, an Kundenanforderungen, Fragen der Qualifikation, an der Geschäftsentwicklung etc. bin und nehme hierdurch vieles wiederum an die Hochschule mit. Da wir flux-Gründer den Luxus einer Haupttätigkeit haben, wollen wir erst mal nur wenige Einzelprojekte umsetzen.

Pia Sue Helferich und Thomas Pleil, Gründer von Steinbeis flux
„Hilfe, wir brauchen Bilder für unsere Website.“
„Ich hasse Bilder von mir.“
„Ich auch.“
Die Fotosession war spaßiger als es auf diesem (nicht verwendeten) Bild wirkt.

Forschung: Cluster Digitale Kommunikation und Medien-Innovation

Und wie ist das nun mit der Forschung? Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass diese bei mir durch die anderen Aufgaben kurz gekommen ist. Deshalb bin ich sehr froh, dass sich auch für FHs – neudeutsch: Hochschulen für angewandte Wissenschaften – in Hessen die Rahmenbedingungen verbessern. Erstmals bekommen wir auch eine kleine Grundfinanzierung für Forschungsinfrastruktur. Da diese Töpfe nicht groß sind und eine Verteilung mit der Gießkanne überall nur ein paar Tröpfchen bedeutet hätten, wurde das Geld bewilligt, wenn sich mehrere ForscherInnen zu sogenannten Clustern zusammengetan und ein überzeugendes Forschungskonzept vorgelegt haben. Eines von vier Clustern an unserer Hochschule heißt “Digitale Kommunikation und Medien-Innovation” (DKMI) und wurde gerade eben bewilligt. Wie es oft so ist: Da ich mich an der Koordinierung des Antrags stärker beteiligt habe, bin ich nun zum Sprecher des Clusters geworden. Insgesamt sind 30 KollegInnen aus fünf Fachbereichen dabei; dazu gehören zum Beispiel ExpertInnen für Organisationsentwicklung, Digital Workplace, für Journalismus, PR, Marketing, Wissensmanagement oder Medienkunst, sie kommen aus unserem Fachbereich Media, aber auch aus Informatik, Soziale Arbeit, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften und sie beschäftigen sich mit Technologien wie KI, Spracherkennung, 3D-Sound, 3D-Video oder virtuelle Realität. Der Plan:

“Unser Ziel besteht darin, die Kommunikation der Zukunft mitzugestalten und neue Entwicklungen zu untersuchen. Das geschieht erstens auf der Ebene der gesellschaftlichen Kommunikation und Interaktion (Journalismus, Zivilgesellschaft, Kultur), zweitens auf der Ebene von Organisationen (Unternehmen, NGO) sowie drittens auf der individuellen Ebene (Web Literacy, Lebenslanges Lernen, Usability). Anwendungsbezüge werden systematisch, interdisziplinär und multilateral untersucht.”

Zunächst gilt es nun, das Ganze organisatorisch zum Laufen zu bekommen – dazu werden wir ein Media Experience Lab und ein Media Innovation Lab einrichten; außerdem gilt es, zwei (Teilzeit-)Stellen zu besetzen. Die ersten Drittmittelanträge für die eigentliche Projektarbeit sind auf dem Weg, und wir beteiligen uns durch einen Kommunikationspart am Projekt Innovative Hochschule, bei dem es um gemeinsame F&E für nachhaltige Entwicklung in der Region geht, was unter anderem auch eine Brücke zur “Digitalen Stadt” bietet.

Bleibt nur die Frage, ob und wie ich diese Felder unter einen Hut bekomme. Da bin ich auch gespannt, aber zuversichtlich. Bis auf Weiteres habe ich mehr Freiraum, weil meine Lehrverpflichtung deutlich reduziert ist. Für meine Kollegen im Studiengang kann das natürlich Engpässe schaffen. Ich hoffe, dass dies durch die Besetzung neuer Stellen bald besser wird – die Professur für digitale Markenführung jedenfalls legt im Januar los. Und wir versuchen natürlich, erfahrene PraktikerInnen einzubinden; zum nächsten Sommersemester suchen wir vermutlich wieder neue Lehrbeauftragte. Wer Interesse hat oder jemanden kennt, meldet sich sehr gern (Infos zu Themen im Studiengang Onlinekommunkation).

5 Gedanken zu “Mehr Forschung – mehr Praxis

  1. Wieterhin extrem spannendes, lohnendes und weiterbringendes Themenspektrum: Smart-, Digital oder Ubiquitous City, Digital Workplace und PR gehören aus meiner beruflichen Sicht eng zusammen. Schön, dass Sie das verbinden können und den drei Themen neben dem operativen Kitt noch analytische Fundierung geben. Macht sicherlich großen intellektuellen Spaß! :)

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    1. Vielen Dank für die nette Rückmeldung! Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir diese Themen verbinden zu können. Wir hatten in den letzten Jahren in vielen Diskussionen – auch mit Fördergebern für Drittmittelprojekte – den Eindruck mitgenommen, dass die Rolle der Kommunikation in diesem Zusammenhängen unterschätzt wurde. Inzwischen ändert sich dies zum Glück.

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  2. Wow, das ist ja ein spannendes, herausforderndes und zeitforderndes Kompendium. So müssten eigentlich auch Studiengänge aufgebaut sein. Dann würde ich es gleich nochmal machen ;-). Dir viel Kraft und reiche Inspirationen. Und sag Bescheid, falls du mal ein offenes Ohr brauchst.

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