Ich werde überschüttet.
Überschüttet mit Versprechen.
Mein Zuhause wird viel besser.
Smart.

Eigentlich bin ich ja zufrieden mit meinem Zuhause.
Was also könnte besser werden?
Mein Zuhause könnte mir Untertan sein.
Vieles automatisch ablaufen.
Oder auf’s Wort gehorchen,
so raunen Werbung, Blogs und wichtige Fachredaktionen.

Klar, jetzt wo ich Alexa schon mal Asyl gewährt habe,
da wäre der Schritt nur klein.
Automatisierung.
Internet of Things.

Und der Einstieg?

Angepriesen werden mir Lampen,
die zu bestimmter Zeit bestimmte Farben annehmen.
Oder sich ein- oder ausschalten.
Oder ich könnte den Deckenventilator sich einschalten lassen
sobald eine bestimmte Temperatur erreicht ist.

Ich habe keinen Deckenventilator.
Und bunte Lampen erinnern mich an Teenie-Geburtstage.
Die haben wir manchmal im Jugendtreff gefeiert.
Dem, mit den bunten Lampen und der Discokugel.

Damals war das ganz praktisch.
Hat abgelenkt von unserer Unsicherheit im Umgang mit den anderen.
Das bunte Licht hat uns gerettet,
wenn die Gesprächspausen zu lang wurden
oder die Wangen zu rot.

Heute ist 35 Jahre später.
Was soll ich damit?
Gesprächspausen sind angenehm.
Sie helfen, nachzudenken.
Sie lassen Zusammensein genießen.

Vielleicht wolle ich die Heizkörper steuern?
Mit der Smartphone-App.
Ich habe aber keine Heizkörper,
sondern genieße den Luxus der Fußbodenheizung,
die seit Jahren schon mit einem Außensensor verbunden
ein wunderbares Raumklima schafft.

Alexa, was willst Du da verbessern?

Ich könnte das Licht einschalten,
wenn Du abends nach Hause kommst
und die Türe öffnest.
Oder einfach, wenn Du mir es befiehlst.

Schade, Alexa.

Schade, dass Du nicht weißt,
wie sehr ich es genieße,
in ein dunkles Haus zu kommen,
seine Geräusche wahrnehme
und seinen Geruch,
das Spiel der Dunkelheit,
die von der Straßenlaterne gegenüber in Frage gestellt wird.

Und irgendwann drücke ich einfach den Lichtschalter.

Ich breite die Einkäufe auf dem Tisch aus,
wähle, was ich koche.
Schritt für Schritt.
Mit Topf und Pfanne.

Und ich denke mir,
all die Automatisierung der Wohnung,
die ist, was der Thermomix für’s Kochen ist.
Nicht meines.

6 Gedanken zu “Hand anlegen

  1. Lieber Thomas,

    erfrischend, – fast schon poetisch. Und dann sagt das jemand aus dem vermeintlichen Lager derer, die „smarte“ Technologien promoten. Am Ende landen wir bei künstlicher Intelligenz. Dann doch lieber den „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ antreten. Mithilfe des Vermögen und ohne Angst, „sich seines eigenen Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen“. Vielleicht wird gerade das Unberechenbare, Widersprüchliche, die Verbindung mit dem Kreativen das Letzte sein, das uns von den Daten-Maschinen unterscheidet.

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Michael, vielen Dank für Deine Überlegungen und die Rückmeldung! Und ja, ein bisschen unberechenbar sollten wir alle bleiben. Miriam Meckel hat dieser Tage den schönen Satz gesagt, dass es am Ende das Menschliche sei, das uns von der KI unterscheide.
      Zum Stichwort „Unmündigkeit“ eine kurze Assoziation: Zu Hause können wir weitgehend entscheiden, was wir wollen, was sich für uns gut anfühlt und was nicht. Was mir tatsächlich mehr Sorge macht, sind die Entscheidungen Dritter, die uns individuell oder alle als Gesellschaft treffen, weil die notwendigen Diskurse dazu nicht oder zu spät geführt werden.

      Gefällt mir

      1. … absolut. Die ganze Forschung zu „Third Person Effect“ und „Meinungsklima“ (als Beobachtungen 2. Ordnung) weist in diese Richtung. Teilweise mit erschreckenden Resultaten (z.B. zur „pluralistischen Ignoranz“).

        Gefällt 1 Person

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