Jetzt aber schnell: Heute ist die letzte Gelegenheit, für das neue Jahr noch ein bisschen Kaffeesatz-Leserei zu betreiben. Irgendwie ist es ja eine eher zweifelhafte Sache, sich hinzustellen und wissen zu glauben, was die nächsten Monate so bringen. Aber ansteckend ist es doch. Also spiele ich nach zwei Jahren Kaffeesatz-Leseabstinenz doch mal wieder mit. Was also könnte 2007 für die PR bringen?
Videos in der Online-PR: Nachdem der Onlinejournalismus von SpOn über Focus Online bis zum Handelsblatt in 2006 Videos als Methode entdeckt hat, Besucher auf der Site zu halten und YouTube zu einer wichtigen Anlaufstation im Netz wurde, dürften auch Unternehmen Videocasts im Rahmen ihrer Online-PR künftig häufiger einsetzen. Allerdings bezweifle ich, dass User generated Content à la Swiffer gute PR ist. Es müssen also vernünftige redaktionelle oder unterhaltende Formate gefunden werden. Das könnten Interviews oder Filme aus der Produktion sein, aber auch kurze Soaps oder ganz neue Formate. Ähnliches haben einige Unternehmen ja schon beim Aufkommen des Fernsehens produziert. Back to the roots also. Und ja: Die Zahl der Corporate Weblogs wird auch in diesem Jahr zunehmen. Aber das hat Jan schon vor einigen Tagen festgestellt.
Pressearbeit: Vor zwei Jahren habe ich behauptet, die Bedeutung der klassischen Pressearbeit wird zurückgehen. So richtig eingetreten ist das noch nicht. Aber die Diskussion um die Social Media News Release in 2006 ist für mich ein Signal, das meine Meinung bestärkt und sie ist ein Signal dafür, dass die seit langem überfällige Diskussion zur Qualität von Pressearbeit auch unter PR-Leuten beginnt. Die Pressemitteilung der Zukunft wird auch in den nächsten Wochen ein wichtiges Thema sein. Und daran könnte sich für viele Unternehmen ein größeres Renovierungsprojekt im Web anschließen: Sie sollten ihre Newsrooms auffrischen und könnten dort beispielsweise Tagging, Permalinks und Kommentare ermöglichen. Allerdings ist auch unabhängig von technischen Features manche Neuorientierung wünschenswert: Und zwar eine, die dazu führt, dass weniger (und nur noch wirklich bedeutsame) Presseinformationen versandt werden. Womit wir gleich beim leidigen Thema Presseverteiler sind. Dieser Tage ist mir mal wieder bewusst geworden, dass ich auch nach acht Jahren journalistischer Abstinenz noch immer im Verteiler nicht ganz unbekannter Unternehmen bin. Ob ich diese Presseinfos noch immer möchte, wurde ich nie gefragt. Also: Pressearbeit sollte in diesem Jahr doch etwas zielgenauer werden.
Nonprofit-PR im Netz: Ein großer Teil der Nonprofit-Organisationen hat nach meiner Beobachtung Web 2.0 bisher weitgehend ignoriert. Dies sind vertane PR-Chancen. Schließlich ist aus Studien bekannt, dass Menschen, die einer Organisation Geld spenden, sich zu einem großen Teil schlecht darüber informiert fühlen, was mit den Spenden geschieht. Podcasts oder Weblogs aus Projekten könnten da Abhilfe schaffen und das Fundraising unterstützen. Außerdem könnten sich Nonprofit-Organisationen mit solchen Kommunikationskanälen mehr Gehör verschaffen, als nur auf klassische Pressearbeit zu setzen – beispielsweise, wenn es um (umwelt-)politische Ziele geht. Sehr spannend fände ich zum Beispiel themenbezogene Podcast-Netzwerke, etwa nach dem Vorbild von Radio 18-12. NGOs könnten so beispielsweise zu Menschenrechtsthemen, Kriegen, Armut oder zu Umweltthemen berichten. Das setzt allerdings voraus, dass akzeptiert wird, dass PR nicht immer nur von einer Organisation initiiert werden muss, sondern dass sich mehrere Organisationen zusammentun könnten.
Informationsflut: Egal, wie viele neue Weblogs täglich entstehen, die Informationsflut nimmt immer weiter zu. Deshalb gehe ich davon aus, dass das Navigieren durch RSS-Feeds in diesem Jahr zum Thema wird. Wurde bisher diskutiert, dass RSS gegenüber E-Mail viele Vorteile hat, so wird es allmählich auch in vielen RSS-Readern unübersichtlich. Abhilfe schaffen könnten da Meta-Feeds und programmierbare Suchmöglichkeiten innerhalb von Feeds. Tools gibt es hierzu bereits, doch sind diese noch relativ wenig verbreitet. Ich hoffe, nach diesem Semester mit einigen davon herumspielen zu können.
PR-Ethik: Zwei entgegen gesetzte Erfahrungen waren für mich in Sachen PR-Ethik im vergangenen Jahr prägend: Auf der einen Seite wurde das Thema so intensiv diskutiert wie noch kaum zuvor – die Stichworte Fake Blog und Astroturfing sind noch frisch in Erinnerung. Auf der anderen Seite hatte ich mehrere (!) Gespräche mit PR-Profis, die meinten, die Ethik-Codizes der PR seien doch nicht wichtig. Dies empfand ich denn doch als Fehleinschätzung. Dass Codizes für den Einzelfall zu abstrakt sein könnten, sehe ich ja ein. Aber so wie das Grundgesetz oder die Allgemeinen Menschenrechte ihre Notwendigkeit besitzen, so tun wir PR-Leute gut daran, uns an ethische Richtlinien zu halten. Und meine Prognose ist, dass dies in Zeiten der durch’s Internet hergestellten Transparenz nötiger ist denn je. Wobei es dabei nicht nur um die Ethik der PR, sondern des unternehmerischen Handelns insgesamt geht. Corporate Social Responsibility wird also auch in diesem Jahr ein wichtiges Thema bleiben.
So, und nun schauen wir mal, was 2007 wirklich bringt. Nicht nur zu den genannten Punkten. Ich wünsche Ihnen ein glückliches Jahr!
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