High Text-Verlag klaut aus dem Textdepot

Update, 10.9.2007: Nach einem Gespräch mit Joachim Graf sehe ich das Problem als behoben an. Details am Ende dieses Posts.

Ich weiß, Content-Klau ist Alltag im Netz. Das macht die Sache nicht besser – und auch nicht legal. Dass Joachim Grafs High Text-Verlag sich dieser billigen Methode der Warenbeschaffung bedient, hat mich nun doch etwas überrascht. Denn der Verlag hat meinen Anfang dieser Woche hier im Textdepot veröffentlichten Artikel zu 20 Blog Monitoring-Tools frech im eigenen Premium-Content von iBusiness 3.0 veröffentlicht. Leicht gekürzt zwar, aber ohne Nachfrage, geschweige denn Genehmigung von mir. Herzlichen Dank an CSH, der die Sache aufgefallen ist!

Lieber Herr Graf: Da Sie für Ihr Portal iBusiness 3.0 redaktionell verantwortlich sind, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir erläutern würden, wie Sie auf die Idee kommen, einen fremden Text im eigenen Portal zu veröffentlichen und damit Ihre Brötchen verdienen zu wollen.

Ich darf Sie darauf hinweisen, dass ich in meinem Blog „Das Textdepot“ selbstverständlich ein Urheberrecht besitze. Darauf weise ich auch jeden hin:

„Die Inhalte dieses Weblogs unterliegen dem Urheberrecht. Ihre Nutzung setzen eine schriftliche Zustimmung voraus.“

Abgesehen von der rechtlichen Seite empfinde ich Ihr Vorgehen als dreist. Glauben Sie nicht, dass sich Ihre zahlenden Kunden zumindest irritiert fühlen dürften, wenn ihnen bewusst wird, dass sie für etwas bezahlt haben, das eigentlich frei verfügbar ist? Bitte klagen Sie jetzt nicht gegen die Umsonst-Kultur des Internet – ich werde als Professor ja schon vom Steuerzahler bezahlt.

Ach ja, noch eines finde ich lustig: Ihr eigenes Impressum. Dort versuchen Sie, sich mein geistiges Eigentum zu eigen zu machen und ziehen hohe Wälle um Ihren Content:

„Alle Inhalte auf den Online-Services des HighText Verlags sind urheberrechtlich geschützt. Kein Teil der hier abrufbaren Inhalte darf ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Verlags reproduziert, gedruckt, übersetzt, in digitaler Form weiterbearbeitet, in Archive übernommen oder Dritten unter einer fremden URL zugäglich gemacht werden. Die Speicherung in Retrival-Systemen und durch Suchmaschinen ist nur soweit zulässing, als daß lediglich ein Index gebildet wird, der Abruf der Inhalte jedoch in jedem Einzelfall durch Verweis via Link direkt auf die Ursprungs-URL auf den jeweiligen WWW-Server des HighText Verlags erfolgt. Die Zueigenmachnung von Inhalten durch Darstellung innerhalb eines „Frameset“ und andere Methoden der Wiedergabe, die den Leser über den Ursprung der Inhalte im unklaren lassen oder diesen verschleiern, oder die originale Darstellungsform verändern, sind ebenfalls nicht zulässig.“

Was nun? Ich schlage vor, dass Sie den Artikel online lassen und statt eines Honorars eine kleine Spende tätigen, vielleicht an die Soliaktion für die von den §129a-Verfahren Betroffenen.

P.S.: In Ihrem Impressum sind ein paar Tippfehler.

Update: Nachdem sich Joachim Graf bei mir und nebenan gemeldet hat, haben wir die Sache gerade in einem Telefongespräch geklärt. Graf sieht den Beitrag als Fehler und hat sich dafür entschuldigt. „Ich kann nicht ausschließen, dass Dinge krumm laufen. Aber diese Sache entspricht nicht dem, was wir wollen.“ Und: „Ich werde das hier im Hause intensiver diskutieren, damit so etwas nicht mehr vorkommt.“ Damit ist die Sache für mich erledigt.

16 Kommentare

  1. Eine Verdi-Tochter hatte mal ein Forum für Betroffene der Internetagenturenkrise. Dort meldete sich dann eine Mitarbeiterin dieses Verlages zu Wort und bat um Informationen, wie es in den Firmen so ausschaut. Seitdem wundert mich bei Grafs Verlag überhaupt nichts mehr.

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  2. Man hat dort eh‘ eine sehr eigenständige Einstellung zum Thema bezahlen. Der Premiumleser bezahlt, die angefragten Autoren sollen das ehrenhalber machen:

    Das ‚Angebot‘:
    “ … in den vergangenen Monaten haben Sie der iBusiness-Redaktion mit Ihrem Fachwissen wertvollen Input bei der Recherche geliefert. Für Ihre Unterstützung möchten wir uns jetzt revanchieren. Wir bieten Ihnen daher an, sich mit Ihrer Expertise den iBusiness-Lesern zu präsentierern: Als Gastautor in unserem Trendletter ‚iBusiness Executive Summary‘.

    Meine Antwort damals:
    … Mein Zeitbudget für den Bereich Promotion ist mehr als ausgeschöpft mit den Blogs und Newslettern. Wenn es nicht etwas ganz besonderes ist, ein Thema ‚für das ich brenne‘, dann möchte ich gerne auf diese Auszeichnung ‚verzichten‘. Wenn Sie bei Nützliches finden, nachlesen oder erfragen und dann einen Hinweis auf die beteiligten Ressourcen geben, würde das völlig ausreichen …“

    Und noch bevor ich mir den (geschenkten) Premiumbereich einmal anschauen konnte, gab es auf meinem Blog einen Kommentar von Joachim Graf, ich hätte das wohl bei ihm abgeschrieben …

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  3. Sorry, da kamen jetzt die Kommentare durcheinander – irgendwie hinkt WordPress.com da im Moment etwas. Die Anmerkung zur Wortschöpfung bezog sich auf Oliver.

    @Hugo E. Martin: Das ist schon ein unglaubliches Geschäftsmodell. Wie wenn ein Bauträger ein Haus bauen lässt, es verkauft, aber den beteiligten Handwerkern nichts bezahlt und dem Maurer frech sagt: „Ist doch eine prima Referenz für Dich.“

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  4. Das Traurige ist in meinen Augen, dass sie mit dem „Argument“ der Referenz sogar Erfolg haben. Wie oft lassen sich gerade Berufsanfänger überzeugen, dass so etwas ihrer Karriere dient.

    Und noch etwas: es gibt Menschen, deren Geschäft wirklich so aufgebaut ist und funktioniert. Die ziehen das ganz konsequent durch und haben damit Erfolg, weil sie wissen, dass sich nur die wenigsten darüber aufregen.

    Mögliche Vergleichs- oder Schadenersatzzahlungen sind da schon mit einkalkuliert. Leider kommt so etwas öfter vor als wir glauben.

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  5. Ah, das kommt mir bekannt vor. Man verkauft dort anscheinend auch Daten von einer Studie von mir (Volltextsuche nach „Wikipedistik“).

    Immerhin mit Quellenangabe. Augenscheinlich (wenn ich das den Thumbnails richtig entnehme) mit nachgebauten Diagrammen.

    Den Text habe ich bis heute nicht eingesehen, weil ich dafür keine 10 Euro für eine Testmitgliedschaft investieren wollte.

    Ich bin nur etwas angesäuert, dass zwei freundliche Mails von mir mit Bitte um ein Belegexemplar, um mir mal ein Bild zu machen, ignoriert wurden.

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  6. Was die Quellenangabe betrifft: Es gab auch in meinem Fall einen Via-Link auf mein Blog. Dennoch halte ich dies nicht für ausreichend, denn:

    1. wurde an meinem Text nur gekürzt und etwas geglättet (allzu persönliche Wertungen rausgenommen); es wurden also alle meine Empfehlungen (10 Tools) in ihrer Reihenfolge und mit meinen Urteilen/Vorstellungen übernommen.
    2. Gab es keinerlei eigene (journalistische) Leistung.

    Damit ist die Sache für mich eine klare Verletzung des Urheberrechts.

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  7. Hi,

    evtl. sollte man dies den Sponsoren, die solche Seiten unterstützen, auch mitteilen. Ich weiß nicht ob ich es als Firmeninhaber mögen würde, wenn ich auf einer Seite werbe die sich an anderen Seiten bedient.

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  8. Ich habe soeben diesen Beitrag gefunden. Nachdem Content-Klau weder unsere Art noch unser Bestreben noch unsere Tradition ist (sonst wäre ja auch keine Quellenangabe drin), werde ich jetzt drei Dinge tun:
    1. ich nehme auf iBusiness den Beitrag offline
    2. Ich werde mit dem entsprechenden Redakteur reden
    3. Ich werde mich direkt mit Thomas Pleil in Verbindung setzen

    Für den Fall, dass tatsächlich eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, möchte ich mich schon einmal entschuldigen.

    Joachim Graf

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