Grün führt – Stoiber siegt: Abgeordnete im Netz

Die Fachzeitschrift politik & kommunikation hat den Realitätscheck durchgeführt und analysiert, wie sich die 2.456 Abgeordneten aus Bund und Ländern im Netz präsentieren (pdf). Jeder vierte tut dies übrigens erst gar nicht. Homepage? Fehlanzeige! Die anderen dafür geben sich erstaunlich Mühe, ihren Auftritt zumindest aktuell zu halten: Immerhin 70 % der Politikerwebsites werden mehrmals in der Woche oder gar täglich aktualisiert. Dennoch fassen die Redakteure das Verständnis der Politiker so zusammen:

„Das Internet ist die Zukunft – nur im Moment noch nicht.“

Will heißen: Die Bedeutung ihres Webauftritts werten viele Politiker (im Vergleich zu anderen Aktivitäten) heute nur als leicht überdurchschnittlich. Sie rechnen aber damit, dass die Bedeutung des Netzes zunimmt und wollen dort künftig mehr tun. Soweit ein paar Ergebnisse einer Befragung von Politikern, die die Zeitschrift durchgeführt hat. Außerdem wurden die Websites selbst untersucht. Und wie sieht nun deren Ranking aus?

Bei den Bundestagsabgeordneten gewinnt Nicolette Kressl (SPD), die ob dieser Wahl gleich eine Vorschaltseite aktiviert hat, vor Uwe Schummer (CDU/CSU) und Jörg Tauss (SPD). Im Durchschnitt haben jedoch die Abgeordneten der Grünen die qualitativ besten Websites, während – welch Triumph zum Abschied – Edmund Stoiber  seinen Kollegen Ministerpräsidenten zeigt, wie man das Internet bedienen lässt.

Noch ein paar allgemeinere Erkenntnisse des Vergleichs:

  • Je jünger die Abgeordneten, desto besser die Website
  • 14 % veröffentlichen ihre Nebeneinkünfte
  • 47% veröffentlichen auch Privates

(via demos-monitor)

In diesem Zusammenhang auch interessant: Die taz weist auf eine Studie „Regierungskommunikation 2.0“ hin, die in den nächsten Tagen von berlinpolis veröffentlicht werden soll. Kurze Zusammenfassung der taz: Deutsche Politiker hinken – insbesondere bei der Nutzung interaktiver Angebote – im internationalen Vergleich hinterher. Konkreter:

„In Frankreich sei spürbar, dass die öffentliche Meinung wichtiger werde – dank der genutzten Möglichkeiten des Web 2.0. In den Niederlanden ermögliche die neu gegründete Internet Partij Nederland ihren Mitgliedern etwa, online die Agenda festzulegen; sollte die Partei es ins Parlament schaffen, müssen sich ihre Vertreter daran halten. In der Studie heißt das „basisdemokratischer Web-2.0-Gründergeist. In Deutschland dagegen sei Dialogbereitschaft nur in Ansätzen zu erkennen.“

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