Friendfeed: Skeptisch in den Experimentiermodus gewechselt

So, nun habe ich also auch einen FriendFeed-Account, der meine Online-Aktivitäten zusammenfasst. Ähnlich wie bei Twitter habe ich mir die Sache erst ein Weilchen angeschaut, bevor ich in den Experimentiermodus gewechselt habe. Selbsterkenntnis am Rande: Je stärker der erste Hype, desto größer ist meine Abwehrhaltung. Manche nutzen FriendFeed ja schon lange und lesen (angeblich) Dutzende, manchmal auch weit über hundert, Feeds ihrer Kontakte. Klar, die Idee, Dinge an einem Ort zu aggregieren, die an vielen Stellen veröffentlicht werden, liegt nahe. Also habe ich in meinen FriendFeed brav den Feed dieses Blogs hier, meinen Twitter-Strom, die Social Bookmarks (del.icio.us und Mister Wong) gesteckt – und damit das Ganze ein bisschen Mehrwert hat – noch die Shared Items aus meinem Google Reader. Bei letzteren handelt es sich um unkommentierte Lesetipps.

Soweit, so gut. Soll ich ehrlich sein? So ganz überzeugt bin ich dennoch noch nicht davon, dass FriendFeed wirklich soo wichtig wird für mein Online-Leben. Natürlich ist nett, dass Dinge, die im FriendFeed gepostet werden, kommentiert und damit diskutiert werden können. Aber wie Benedikt Köhler vermisse ich eine vernünftige Gruppierung bzw. Archivierung all der geposteten Bruchstücke des Online-Lebens. Mir scheint das Ganze doch eher – ähnlich wie Twitter – einen zusammengefassten Informationsfluss darzustellen. Bisher habe ich eben die Bookmarks von Leuten abonniert, die mich interessiert haben, ebenso die Blogposts oder den Twitterstrom. Und von einigen Leuten habe ich nur eines davon abonniert, da ich schnell gemerkt habe, dass dies Redundanzen vermeidet, oder dass mich das eine interessiert, aber das andere nicht. Auch als Informationsgeber habe ich für Differenzierung (in Zielgruppen, Rollen, Themen) viel Sympathie. Das FriendFeed-Konzept funktioniert genau umgekehrt: Nur lustig alles rein in den Topf. Ist FriendFeed also nur eine Personality-Show – die aggregierte Selbstdarstellung mit Hang zur Redundanz? Mal sehen, ich mag mir noch kein Urteil bilden.

Ob die seit ein paar Tagen angebotenen Rooms (hier das Beispiel Online-PR), also Themenräume, das Problem lösen bzw. eine Bereicherung für das Konzept sind? Einige sind ja davon sehr angetan, andere gar nicht. Eine andere Überlegung: Mir geht es so, dass ich eigentlich keine große Lust und schon gar keine Zeit habe, mich in weiteren Xing- oder Facebook-Gruppen umzutun. Da die Rooms bei FriendFeed aber via Bookmarklet themenbezogenes Posten leicht machen, und meist einen Link als aktuellen Aufhänger haben, könnten diese vielleicht sogar attraktiver werden als Gruppen in Social Networks – und wohl auch interessanter als der FriendFeed einer einzelnen Person. Hm, ob ich statt dessen eher den aggregierten Feed einer NGO oder eines Unternehmens abonnieren wollte?

Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt – und zu welchen Ergebnissen einer meiner Studenten kommt, der sich FriendFeed gerade für ein Referat näher anschaut. Welche Erfahrungen bzw. Erwartungen haben Sie zu solchen Aggregationsdiensten? Mögen Sie’s lieber geschnitten oder am Stück – will heißen: Fänden Sie es überhaupt attraktiv, meinen FriendFeed zu abonnieren (oder den einer NGO oder einer Firma?), obwohl Sie wissen, dass Sie die einzelnen Aktivitäten im Blog, auf Twitter, in den Bookmarks auch separat abonnieren können?

Ach ja, falls jemand meinen FriedFeed abonnieren möchte: http://friendfeed.com/thomaspleil

26 Gedanken zu “Friendfeed: Skeptisch in den Experimentiermodus gewechselt

  1. Hallo,

    ich kann da nur zustimmen. Ich finde das neue Rooms-Feature von Friendfeed durchaus interessant. Zudem sollte man sich aufgrund des Hypes dem Thema nicht verschliessen. Ob sich der Dienst auf Dauer in der breiten Masse durchsetzen wird muss sich noch zeigen. Aber ausprobieren kostet ja nichts. Was mich allerdings derzeit noch stört ist, dass ich das Layout und die Aufbreitung der aggregierten Informationen alles andere als übersichtlich finde.

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  2. @Markus: Ja, so sehe ich das auch. Im Prinzip kann’s auch schon interessant sein ohne dass breite Massen den Dienst nutzen. Ein gewisses Interesse scheint es zu geben: Obwohl ich am Abend gepostet habe, haben doch schon fünf Leute meinen Feed abonniert. Welcome!

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  3. Ich denke das ist in diesem Beispiel natürlich auch auf die Digitale-Reputation, die gebotenen Inhalte und den derzeitige Status Quo von Friendfeed zurückzuführen. Ich bin aber gespannt ob der Dienst auch dauerhaft seine User halten kann, wenn der erste Hype vorüber gezogen ist.

    Die Rooms finde ich gerade für kollaboratives Wissensmanagement äußerst interessant. Bin gespannt ob sich Friendfeed zwischen Foren, Blogs, Wikis und Groupware-Lösungen dauerhaft positionieren kann und wird. Wichtig wird dabei sicher auch sein wie Google Friendfeed in den Ergebnissen gewichtet. Wobei die GUI meiner Meinung nach durch Lieblosigkeit und fehlende Übersichtlichkeit eher ausbremst.

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  4. Ha, danke für das Stichwort „Wissensmanagement“. Mir kam beim Lesen Deines Kommentars ein ganz egoistischer Gedanke: Habe soeben einen Room ganz privat für mich eingerichtet – also ein persönliches Notizbuch. Wobei eigentlich das Google Notebook mit Tags etc. komfortabler ist – Friendfeed aber ein so bequemes Bookmarklet hat. Mal sehen, was ich eher nutzen werde.

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  5. Wenn man mal die Bookmarklets einiger bekannter Social-Bookmarklet Dienste vergleicht, ist das wirklich nicht von schlechten Eltern. Hatte auch zwischenzeitlich schon dran gedacht, FF vieleicht als reinen SocialBookmark-Dienst Zweck zu entfremden. Mal ’ne Testphase starten, ob es sich bewährt.

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  6. Da bin ich auf die Erfahrungen gespannt. Vom ersten Gefühl her würden mir die Tags fehlen. Wobei ich die eigentlich weniger im eigenen Archiv nutze, sondern einige abonniert habe…

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  7. Prinzipiell kann man ja durch die eigenen Kommentierung taggen. Die Suche scheint recht gut zu funktionieren. Das Kategoriesystem finde ich aber gar nicht schlecht. Yahoo Bookmarks hat sowas ja, dort kann man zwischen Tagmode und Foldermode switchen. Ist allerdings zeitweise zum Gähnen langsam und das Bookmarklet ist auch nicht so gut wie das von Friendfeed.

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  8. Hm, stimmt, so habe ich das mit dem Taggen noch nicht gesehen. Klingt cool. Nur das Abonnieren von Tags bleibt da im Vergleich zum Bookmarking noch auf der Strecke, oder?

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  9. Das weiss ich jetzt gar nicht so genau. Aber Tag-Abos muss ich gestehen hab ich bisher auch noch nie genutzt. Muss sagen in Sachen Link- und Tag-Suche habe ich bisher auch lediglich del.icio.us genutzt, weil die Inhalte der anderen Dienste aus meiner Sicht nicht so das Gelbe vom Ei sind. Ich denke beim Tag-Abonnieren ergibt sich auch das Problem, dass zuviel ungefilterter und ungewünschter Overhead entsteht oder?

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  10. Ja, die Gefahr ist groß. Bei ein paar Schlagworten für Spezialgebiete aus der PR bleibt’s jedoch nach meiner Erfahrung halbwegs überschaubar und ist manchmal eine recht gute Bereicherung.

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  11. Ich hab FF in der ersten Zeit auch eher links liegen lassen und hauptsächlich Twitter genutzt. Allerdings find ich gerade die Zusammenfassung der einzelnen Streams eines Kontakts sehr praktisch. Sonst hatte ich immer alles in meinem Google Reader abonniert, aber der fungiert bei mir eher als Zeitung.

    Die einzelnen Infos meiner Kontakte sammel ich jetzt auch lieber bei FF ein. Und gerade die virtuellen Kontakte finde ich eine sehr schöne Sache, da ich auch ein paar Bekannte haben, die nicht jeden Quatsch mitmachen und nun kann man deren unterschiedliche Quellen bündeln und damit einfacher erfassen.

    Alles in allem find ich das ganze Gerede über „Wer killt wen“ auch überflüssig. Es werden sich halt Benutzergruppen für beide Dienste finden. Die Hauptsache ist doch, man kann seine Informationen selbst dort zusammenführen, wo man sie haben möchte. Und ich glaube, in dieser Hinsicht hat FriendFeed im Moment die Nase vorn. Jetzt müssen sich nur noch die anderen Dienste öffnen…

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  12. Danke für den Einblick in die Nutzung von FF vs. Reader. Das ist für mich ebenfalls eine spannende Frage. Am Reader schätze ich bisher sehr, dass ich dort einen (Blog-)Beitrag komplett lesen kann und nicht nur die Überschrift. Denn die hilft mir oft nicht weiter, um zu entscheiden, ob mich ein Artikel interessiert. Aber ich denke auch, dass sich beides irgendwie ergänzen dürfte.

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  13. Ich muss sagen in Sachen RSS-Feeds ist Netvibes momentan das Non-plusultra für mich. Die Darstellung ist gerade bei einer großen Anzahl abonnierter Feeds unschlagbar. Lohnt sich anzuschauen.

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  14. Ja, Netvibes mag ich auch sehr gern. Ist bei mir seit längerem die Startseite des Browsers. Seltsamerweise nutze ich Netvibes jedoch für alles – nur nicht für Blogs: Ich habe dort einige journalistische Angebote abonniert, aber nutze dort v.a. Dinge, die mir die Arbeit erleichtern, (virtuelle Festplatte, Mail, Kalender, Bookmarks etc.). Andere Feeds lese ich nach wie vor im Google Reader.

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  15. Ich habe hierzu keinen großen Überblick und nutze box.net, das sich wie gesagt sehr nett in Netvibes einbinden lässt. 1 GB ist kostenlos und reicht für meine Zwecke vollkommen.

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  16. Mein erstes Gefühl: ich werde weiter damit spielen.

    Ansonsten:
    – ich war überrascht, dass es offenbar ein gewisses Interesse an meinem FF gibt; 19 Subscriber sind es inzwischen.
    – ich selbst habe keinen anderen FF abonniert; nach wie vor ist mir sympathischer, gezielt einzelne Feeds zu lesen (das ist sicher Geschmacksache)
    – die Rooms sind mir eigentlich sympatischer als Gruppen/Foren innerhalb von Social Networks. Allerdings sind letztere zu vielen Themen längst etabliert. De facto nutze ich aus Zeitgründen beides kaum.
    – Gut vorstellen kann ich mir, einen Room für einen Workshop/Vortrag einzurichten. Die Teilnehmer können kommentieren, ergänzen etc.
    – am intensivsten nutze ich den für mich privat angelegten Room – und zwar als virtuellen Notizzettel, in dem ich im Lauf eines Tages z.B. Bruchstücke für Blogeinträge sammle oder Fundstellen, die ich später lesen möchte.

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  17. Diese Eindrücke hab ich auch. Besonders die dedizierten Räume scheinen interessant für Wissensmanagement. Ersetzt FF in dem Fall denn einen Social-Bookmark-Dienst?

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  18. Ja, zum Teil schon. Ich bookmarke inzwischen weniger, sondern sammle und schreibe dann im Blog die „Lesetipps“, d.h. die automatische Übernahme der del.icio.us-Links gibt’s im Moment nicht. Bin mir aber noch nicht sicher, ob ich das so weitermache. Die Übernahme der Bookmarks ins Blog ist schon sehr bequem. Der manuell erstellte Lesetipp hat nur den Vorteil, dass man zu einzelnen Tipps ausführlicher werden kann oder Mehrwert durch zusätzliche Links bieten. Ob sich das aber lohnt, bin ich mir noch nicht so im Klaren.

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