Mein Flirt mit Alexa: Was Sprachassistenten für Marketing und PR bedeuten

Mein Flirt mit Alexa: Was Sprachassistenten für Marketing und PR bedeuten

Ihre Stimme ist angenehm. Sogar sehr angenehm, finde ich. Das ist schon mal gut für eine Beziehung. In diesem Fall geht es nur um eine digitale Assistenz, aber die erleichtert wirklich einiges. Sprechen statt tippen – schon Apples Siri hat mir eröffnet, wie bequem das ist, Amazons Dienst Alexa scheint mir deutlich weiter zu sein. Dennoch: So richtig gut verstehen wir uns nicht immer, Alexa und ich. Das hat verschiedene Gründe. Zwar sprechen wir dieselbe Sprache, aber ich offenbar nicht gut genug für sie. Jedenfalls versteht sie mich wunderbar, wenn es um einfache Aufgaben geht, schwieriger aber wird es bei manchen Eigennamen wie Städten (Bahnverbindungen!) oder manchen Bands (Musik!).

Vor allem aber missverstehen wir uns ziemlich oft, sobald es nicht um ganz einfache Sätze geht, sondern womöglich um Alternativen bzw. Aufgaben, die in mehreren Schritten zu lösen sind. Dann nervt mich die Gute etwas, denn sie klingt zwar so erwachsen, aber man muss mit ihr doch wie mit einem kleinen Kind sprechen.

Und dann ist da die Frage ihrer Loyalität. Ist sie wirklich da, um mich zu unterstützen oder hat sie vor allem das Wohl von Amazon im Sinn? Bei einem Tool wie Amazon Alexa fragen sich ziemlich viele Leute, ob sie ausspioniert werden. Entsprechend bin ich schnell auf höchst widersprüchliche Reaktionen gestoßen, als ich mit Alexa eine Beziehung auf Probe begonnen habe.

Das Wohnzimmer-Verbot

Ins heimische Wohnzimmer jedenfalls durfte sie nicht einziehen. Zu groß war das Unwohlsein der Familie: Da sitze ständig eine Zuhörerin, die womöglich Böses im Schilde führe und das Familienleben auf einem amerikanischen Server abbilde und daraus Profit schlagen wolle. Ein Bekannter bestätigte diese Haltung aus tiefer Überzeugung: „Sowas kommt mir nicht ins Haus“, schimpfte er – im Hauptberuf Social Media-Manager, der gerade eben Alexa beigebracht hatte, dass sie sein Blog vorliest. Andere aus meinem Bekanntenkreis hängen den Datenschutz von Alexa weniger hoch und sind begeistert: Sie finden die Idee von Sprachassistenten so richtig klasse. Und im übrigen gehöre es ja zu meinem Job, sowas auszuprobieren.

Ich musste ein bisschen grinsen und habe mich daran erinnert, dass neulich erst ein kleiner Aufschrei – naja: eine zugespitzte Kolumne mit anschließender Diskussion – durch die PR-Welt ging. Anlass dafür gaben PR-Profis in verantwortungsvoller Rolle, die offenbar stolz darauf sind, sich neumodischem Zeugs wie Twitter oder so zu verweigern.  Tja, mit dem Gedanken an diese Profis saß ich nun im heimischen Büro und habe meine Alexa installiert und mich gefragt: Was bedeuten Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder die kommenden Alternativen wie der Google Assistent oder Apples Homepod für Marketing und Kommunikation von Unternehmen?

Rahmenbedingungen für Sprachassistenten in Marketing und Kommunikation

Einschieben muss ich vor Überlegungen zu dieser Frage, dass Amazon andere Unternehmen durchaus willkommen heißt. Sie können sogenannte Skills entwickeln, die Nutzer dann kostenlos laden können. Die Amazon-Alexa-Skills kann man mit Apps vergleichen, nur eben, dass sie eine Audio-Schnittstelle (Conversational UI) haben. Damit gilt für Drittunternehmen, die Alexa als Plattform nutzen wollen, was in solchen Situationen immer gilt: Sie sind abhängig vom Reglement des Betreibers – und von dem Vertrauen, das dieser Betreiber genießt, heiße er Amazon, Apple, Google, Microsoft oder Facebook. Umgekehrt gilt: Sofern solche Plattformen selbstverständlich von Millionen Menschen genutzt werden, schaffen sie Unternehmen und Organisationen womöglich einen perfekten Zugang zu ihren Zielgruppen. Wie sich der Markt für Audioassistenten entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Funktionsweisen und Einsatzmöglichkeiten solcher Systeme lassen sich aber heute schon zu einem guten Teil ergründen und auch Erfahrungen mit ersten eigenen Angeboten – also Skills – entwickeln.

So wie zum Beispiel die Deutsche Bahn oder die Gründer der Einkaufsliste Bring! Letztere berichten in der Computerwoche von ihren Erfahrungen mit dem Audio Design für Alexa. Und die Bahn punktet bei mir mit zwei Details ergänzend zum Skill: Klaren Datenschutzhinweisen und einer Landingpage zur Funktionsweise des Skills.

Eines ist mir nach dem ersten Ausprobieren verschiedener Skills jedoch schnell klar: Unternehmen müssen eine Menge Nutzerforschung betreiben, um herauszufinden, wie ich – oder andere – fragen bzw. Kommandos geben könnten. Denn Alexa muss hierauf vorbereitet werden, so wie eben Web Designer auch lernen mussten, wo sie am besten welches Element platzieren. Im laufenden Betrieb zeigen sich dann sicher neue Schwierigkeiten, so dass ein Skill immer weiter trainiert werden sollte. Umgekehrt gilt: Lade ich ein Skill, muss ich lernen, Alexa die richtigen Fragen zu stellen. Das ist gar nicht immer so einfach, habe ich gemerkt. Zum Beispiel muss ich mir bei einigen Skills merken, mit welchen Aufwachwort ich sie starten kann.

Einsatzmöglichkeiten für Unternehmen in Marketing und PR

Die geschilderten Herausforderungen sollten nicht zu schwer zu bewältigen sein, so dass überlegt werden kann, für welche Zwecke sich Alexa und andere Sprachassistenten besonders gut aus Unternehmenssicht nutzen lassen. Nach meinen ersten Erfahrungen und der Lektüre einiger Artikel sehe ich in diesen Feldern von Marketing und Kommunikation gute Möglichkeiten:

Reputationsmanagement: Die Frage der Reputation eines Unternehmens/einer Marke steht natürlich an erster Stelle. Im Moment ist man sicher bei den First Movern, wenn man ein Angebot für Alexa und Co. entwickelt. Ob das zur bisherigen Positionierung passt, ist die eine Frage und die andere ist sicher, wie man mit möglichen Sorgen von Nutzern in Bezug auf Datenschutz umgeht. Klare und einfach verständliche Erläuterungen zu Datenschutz und zu Funktionen von Skills sind deshalb zwingend.

Voice Commerce, vor allem als Kundenbindung: Den Service für bestehende Kunden auszuweiten und auch Sprachdialoge via Alexa anzubieten, erscheint besonders plausibel. Dies gilt umso mehr, je eher es sich um einfache Transaktionen handelt, also beispielsweise das Bestellen einer Pizza oder eines Taxis oder anderer Lieferservices. Allerdings: Wer das größte Angebot seiner Stadt und Pizzen mit Fantasienamen auf der Karte hat, tut sich und seinen Kunden kaum einen Gefallen.

Content Marketing bzw. Distribution: Es kann durchaus sinnvoll sein, Sprachassistenten auch ins Content Marketing einzubinden. Recht einfach zum Beispiel kann Alexa beigebracht werden, RSS-Feeds vorzulesen oder komplette Podcasts abzuspielen. Auf diese Weise ist zum Beispiel das Daimler-Blog genauso Teil meines täglichen Nachrichtenüberblicks wie die Top-Meldungen des Deutschlandfunks. Im Moment sind es vor allem die klassischen Medienanbieter – von Bild bis ZDF -, die mit diesen Möglichkeiten spielen.

Werbung: Eines der intensiver diskutierten Themen ist Werbung bzw. so genannte “Sponsored Messages”, wenn es um Amazon Alexa geht. Einige Entwickler von Skills möchten so zum Beispiel eine Re-Finanzierung ihres Aufwandes erreichen, ähnlich wie man das von Apps kennt. Amazon dagegen bremst und setzt dem einen recht engen Rahmen, so dass extra für Alexa entwickelte Werbung derzeit nicht möglich ist – Werbung, die aber ohnehin z.B. in einen Podcast integriert ist, ist nach derzeitigem Stand möglich. Ob Amazon seiner Linie treu bleibt, die Alexa-Nutzer weitgehend vor Werbung zu verschonen, scheint mir allerdings noch lange nicht sicher.

Regionale Angebote oder Location Based Services: Regionale Anbieter werden von Amazon genauso behandelt wie überregionale – und große Ketten mit regional unterschiedlichen Angeboten können per Alexa ihre Kunden einfach individuell ansprechen. Ein Beispiel dafür liefert die Supermarktkette “Real”, die über die aktuellen Angebote des nächstgelegenen Ladens informiert (ok, dieses Skill haut mich nicht vom Hocker, aber da geht bestimmt noch mehr).

Point of Sale (POS): Der Hosenanbieter Alberto hat Alexa vor einigen Monaten schon in seinem Concept Store installiert. Dort beantwortet sie unter anderem Fragen zur aktuellen Kollektion oder auch zu Lieferanten.

Interne Kommunikation und Schulungen: Auch hier ist Alberto sehr früh ans Ausprobieren gegangen. Mit Alexa können sich auch Mitarbeiter des Unternehmens über Neuerungen informieren und eine Verbindung zum Warenwirtschaftssystem sei ebenfalls vorgesehen, kündigte der Geschäftsführer kürzlich im Interview an. Auch die Redaktion von T-Online spielt mit Alexa; dort darf die digitale Assistentin zum Beispiel aktuelle Klickzahlen des Portals vorlesen oder einfache Recherchen unterstützen – ob das wirklich auch auf der Toilette sein muss, wie w&v kolportiert, das ist wohl Geschmacksache.

Folgen: Wie wirken sich Sprachassistenten auf Unternehmen aus?

Wie gesagt ist im Moment schwer absehbar, ob und wie schnell sich Sprachassistenten hier zu Lande durchsetzen. Mein Eindruck: Wenn sie nicht mit Überwachung bzw. Datensammelei assoziiert werden, ist ihr Potenzial riesig. In diesem Fall sind ein paar Folgen schon heute absehbar:

Suchmaschinenoptimierung (SEO): Nutzer können sich nicht viele ähnliche Ergebnisse merken, wenn diese vorgelesen werden. Insofern ist zu erwarten, dass Sprachassistenten den Kampf um den ersten Platz in der Ergebnisliste von Suchmaschinen verschärfen. Hinzu kommt, dass SEO anders betrieben werden muss, da Sprachsuche nicht einfach ein, zwei Stichworte kombiniert, sondern in ganzen Sätzen funktioniert.

Content Entwicklung: Journalisten kennen das: Schreiben für’s Hören funktioniert anders als ein Essay für’s Wochenmagazin. Insofern werden einige Texter künftig vermutlich ihre Beiträge anders strukturieren und anders formulieren, wenn diese auch vorgelesen werden sollen.

Markenentwicklung: Audiotaugliche und merkbare Markennamen sind von enormem Vorteil, habe ich festgestellt. Beispielsweise bei der Suche nach Produkten oder beim Eintragen von Terminen in den Kalender hat sich gezeigt, dass Marken- bzw. Firmennamen Alexa schnell überfordern, wenn es sich nicht um bekannte Begriffe handelt. Die Folge: Alexa trägt in Einkaufslisten oder Terminkalender ein, was sie versteht – oder es passiert gar nichts.

Audio Usability: Mit Skills von Anbietern, die ich nicht oder kaum kenne, habe ich immer wieder das selbe Problem. Ich muss mich erinnern, wie der Anbieter oder das Skill heißt. Warum? Um ein Skill zu starten, muss ich seinen Namen oder den des Anbieters sagen. Also zum Beispiel: „Alexa, frage Deutsche Bahn….“ Das war einfach. Aber wie heißt noch gleich das Skill mit den Cocktailrezepten? Barmixer? Barkeeper? Bartender? Nr. 3 ist richtig. Ob ich mir aber merke, dass ich in Köln Alexa nach dem nächsten Bus fragen kann, wenn ich das Zauberwort „Abfahrtmonitor“ ausspreche? Oder dass „Asthma plus“ mir Infos zum Pollenflug verrät? Ich kenne mein löchriges Hirn. Mir scheinen hier Usability und Branding eng zusammenzuhängen: Je stärker ein Markenname in den Köpfen ihrer Zielgruppen verankert ist, desto wahrscheinlicher ist, dass die Nutzer problemlos mit Skills klar kommen. Alternativ können Anbieter versuchen, eindeutige und alltägliche und zugleich möglichst konkurrenzlose Schlüsselbegriffe zu finden. First come, first serve…

Kontinuierliches Lernen: Noch haben wenige Unternehmen Erfahrung mit der Usability von Audio-Angeboten. Insofern kann ein Skill kaum einmal fertig sein, sondern ihr Anbieter sollte Interesse daran haben, diese ständig besser an die Anforderungen ihrer Nutzer anzupassen. An dieser Stelle könnte es übrigens Amazon noch einfacher machen: Ein paar Mal habe ich mir gewünscht, direkt in der Alexa-App einen missverstandenen Begriff einfach einzutippen, damit Alexa ihn lernt und dann hoffentlich künftig auf Anhieb erkennt.

Wettbewerb: Wie schon gesagt – in meinem Kopf (bzw. aktivem Gedächtnis) ist sehr begrenzt Raum. Insofern ist davon auszugehen, dass Nutzer nicht beliebig viele Skills installieren bzw. regelmäßig nutzen – das kennen wir ähnlich auch schon von Apps auf dem Smartphone. Viel deutet darauf hin, dass im Audiobereich die Bandbreite der genutzten Skills noch enger ist, so dass die geschickte Verknüpfung von Skills mit anderen Kommunikationskanälen zunehmend wichtig sein dürfte.

Mein persönliches Fazit

Screenshot der Alexa-App
In der dazu gehörenden App von Alexa lässt sich der Nutzungsverlauf genau nachvollziehen. Praktisch daran: Komplizierteres kann ggf. nachgelesen werden – etwa ein Cocktail-Rezept. Zugleich wird einem bewusst, wie viele Informationen man über sich speichern lässt.

Meine Erfahrungen mit Amazon Alexa sind recht gut, wenn es um die eigentliche Funktionalität geht. Die Kombination des günstigeren Echo Dot mit vernünftigen Aktivlautsprechern kann ich übrigens empfehlen. Besonders intensiv nutze ich Alexa, um Spotify zu steuern. Durch die Installation von Skills anderer Anbieter kann Alexa zum audiblen Schweizer Messer werden und ist damit im Moment jedenfalls Siri, das ich sonst ab und zu nutze, überlegen. Hinzu kommt, dass Amazon erlaubt, Alexa in unterschiedliche Geräte zu integrieren, zum Beispiel im Smartphone oder auch im Auto. Die beschriebenen Verständigungshürden werden in kurzer Zeit bewältigt sein, davon bin ich überzeugt.

Viel schwerer wiegen jedoch die Bedenken gegen die enorme Datensammelei, die Sprachassistenten mit sich bringen. Wir kennen das längst von Google, Facebook und Co. – und doch scheint mir das bei Sprachassistenten nochmal eine weitere Stufe zu sein, auch wenn sich zeigen lässt, dass Alexa im Standardbetrieb „nur“ Informationen überträgt, wenn das Aufwachwort ausgesprochen ist, und Daten deutscher Nutzer laut Amazon auf europäischen Servern bleiben. Doch selbst das ist sehr, sehr viel. So viel, dass man hoffen muss, dass diese Informationen nicht einmal gegen einen verwendet werden – sei es beim Abschluss einer Versicherungspolice oder gar in einer womöglichen digitalen Rasterfahndung.

Solange Amazon keinen „Erase“ Button anbietet, der Cookies und Audioverlauf zuverlässig löscht, habe ich volles Verständnis für die Bedenken meiner Familie und des erwähnten Bekannten und werde den Echo Dot vermutlich bald wieder vom Netz nehmen und nur ab und zu mal mit ihm ein paar neue Skills ausprobieren.

Lesetipps rund um Amazon Echo

Wirklich viele tiefer gehende Berichte aus deutscher Sicht habe ich bisher nicht gefunden, am interessantesten fand ich neben den bereits verlinkten Texten diese Artikel:

 

Wie seht Ihr den Trend zur Sprachassistenz? Und wie sollten Unternehmen nach Eurer Einschätzung damit umgehen? Ich freue mich auf Eure Meinungen und ergänzende Hinweise.

Infoflut: Nachschrauben statt Detox

„Digital Detox“, „Experiment Offline“. Solche Schlagworte tauchen mit schöner Regelmäßigkeit auf, entweder zur Ferienzeit im Sommer oder eben zum Jahresbeginn. Für mich kein erstrebenswerter Weg. Ich setze lieber auf meine Smartwatch. Klingt komisch? Und das, obwohl auch ich ständig versuche, in den Contentströmen nicht abzusaufen. Nein, gerade deswegen.

Wasserhahn
Einfach mal alles abdrehen, damit uns die Nachrichtenstöme nicht wegspülen?

„Infoflut: Nachschrauben statt Detox“ weiterlesen

Communication Camp: Nachmachen erwünscht

Teilnehmerinnen beim Communication Camp sind Teilzeithelden. Mindestens.
Teilnehmerinnen beim Communication Camp sind Teilzeithelden. Mindestens.

Das zweite Communication Camp ist schon ein paar Tage her. Inzwischen haben wir* uns im Orga-Team nochmal zusammengesetzt und diskutiert, was gut lief und was weniger. Wichtiger aber: Vor allem haben wir aber auch den Blick in die Zukunft gerichtet. Die Idee: Das Format des Communication Camp soll als Barcamp der besonderen Art in den nächsten Wochen sauber dokumentiert und mit Tipps versehen werden. Denn: Nachahmer sind erwünscht.

Nochmal zur Einordnung: Das Ganze ist ein Barcamp für Macher, in dem es um das Verbessern der (Online-)Kommunikation einer gemeinnützigen Organisation geht, die sich keine professionelle Unterstützung leisten kann. Organisiert wurde das Ganze im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Studenten unseres Studiengangs Online-Journalismus gemeinsam mit einigen Absolventen, die sich mit einer PR-Agentur selbständig gemacht haben.

Ein kurzer Rückblick

Nachdem das erste Communication Camp im Sommer 2012 vorwiegend Studenten unserer Hochschule und nur wenige externe Teilnehmer angelockt hatte, waren beim zweiten Event in diesem Februar schon deutlich mehr Externe dabei. Diese Mischung ist natürlich super-spannend und eines der Ziele der Übung: Leute mit verschiedenen Hintergründen zu vernetzen. Allerdings nicht nur durch Diskutieren, sondern durch gemeinsames Tun. Deshalb wird für das Communication Camp ein Partner benötigt, für den man eben Gutes tun kann. Dies ist nach meinem Eindruck auch dieses Mal gelungen: Haben die Partner, die Darmstädter Underground-Truppe „Kulturhäppchen“ durch die Diskussionen an eineinhalb Tagen doch nun mehr Klarheit über ihre Identität, ein neues Website-Konzept, eine frische Facebookseite, Flickr und die dazu gehörenden Anleitungen erhalten. Einschließlich eines Crashkurses in Medienrecht. Und ein einfaches Corporate Design, einen Vorspann für ihre Videos und eine Strategie, um Helfer und Mitmacher zu gewinnen. Das klingt nach richtig viel. Ist es auch. Obwohl manche Teilnehmer gern noch mehr gemacht hätten.

Damit man sich mehr unter der Veranstaltung vorstellen kann, haben die Studenten das Ganze per Storify und Video festgehalten:

Was haben wir gelernt?

Meine drei wichtigsten Learnings in Spiegelstrichen:

  • Projektpartner: Wir hatten bei beiden Veranstaltungen mit kulturellen Einrichtungen zusammengearbeitet. Beide Male hatte sich gezeigt, dass diese sich nicht leicht getan haben, zu erklären, was sie eigentlich machen, wer sie sind. Kurz: Die Identität war vage. Wir haben beides Mal versucht, in einem Workshop gleich zu Beginn hier mehr Klarheit zu bekommen. Es war toll, wie offen sich die Partner in beiden Fällen auf diesen Prozess eingelassen haben und dass dieser zu einem relativ raschen Ergebnis kamen. Allerdings: Die daran nicht beteiligten Teilnehmer des Communication Camp waren in dieser Phase ziemlich ausgebremst. Im Nachhinein wäre mir deutlich lieber, solche Klärungen wären abgeschlossen, bevor man über Kommunikationsstrategie und Maßnahmen diskutiert.
  • Teilnehmer: Eine Aufgabe mit Leuten zu lösen, die man nicht oder kaum kennt und die aus ganz unterschiedlichen fachlichen Richtungen kommen, ist gar nicht so einfach und benötigt genügend Anlaufzeit. Wobei vor allem wichtig ist, dass man weiß, wer was einbringen kann.
  • Veranstaltungsort: Man kann kaum zu viel Raum haben. Abgesehen davon, dass im Verlauf eines Communication Camps unterschiedliche Teams für die identifizierten Aufgaben entstehen, benötigt man ein Plenum, aber auch einen Rückzugsraum, an dem man mal für ein paar Minuten mit anderen Teilnehmern netzwerken oder einfach mal in Ruhe einen Kaffee trinken kann.

Natürlich gibt es noch viele andere wichtige Punkte, die wir gelernt haben – ausgehend von der Kommunikation im Vorfeld, um Teilnehmer zu gewinnen, aber auch, um die Erwartungen von Teilnehmern und Projektpartnern zu managen. Und natürlich zum Ablauf des Ganzen, der einerseits Spontaneität erlauben muss, aber auch ein paar Leitplanken enthalten sollte.

Nächster Schritt: Wissenspool

Im Detail sollen diese Erfahrungen und Tipps nun dokumentiert werden. Was mich besonders freut: Dies ist möglich, weil auch nach Abschluss der Lehrveranstaltung das Orgateam weiter machen möchte. So soll auf der Website des Communication Camp alles so aufbereitet werden, dass auch andernorts ähnliche Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden können. Das Communication Camp wird also quasi unter CC gestellt ;)

Unser nächstes Communication Camp

Und wie geht’s in der Rhein-Main-Region weiter? Wir haben uns vorgenommen, einmal im Jahr ein Communication Camp zu organisieren. Der Februar scheint uns dabei ganz gut geeignet: Denn für die Studenten geht dann das Semester zu Ende, sie haben also im Wintersemester Zeit für die Vorbereitung, und die klassische BarCamp-Saison hat noch nicht begonnen, so dass das Gewinnen von Teilnehmerinnen ganz gut zu klappen scheint. Und mal schauen, vielleicht sind wir beim nächsten Mal nicht in Darmstadt, sondern an einem anderen Ort in der Region.

 

* Ich spreche zwar von „wir“, muss aber betonen, dass das Projekt von acht Studenten und den Absolventen Birte Frey und Jan-Kristian Jessen (quäntchen + glück) gestemmt wurde. Ich war nur punktuell dabei.

Branch: Bessere Diskussionen im Netz?

Beispiel für eine Diskussion in Branch

Die Qualität von Diskussionen bzw. Kommentaren im Netz ist ja eigentlich schon immer ein Thema, das in dieser Woche hier zu Lande durch einen großen Seufzer von Markus Beckedahl wieder besonders viele beschäftigt hat. Sein Ausgangspunkt: Er habe im Blog Netzpolitik zigtausende Kommentare lesen müssen, doch die wenigsten hätten wirklich einen guten Beitrag zur Diskussion gebracht. Abgesehen davon, dass Markus‘ Rant hohe Wellen schlug (und ohne auf deren Verlauf einzugehen), finde ich spannend, dass mit Branch eine Plattform aufgebaut wird, die gerade für Diskussionen entwickelt wurde – und zwar mit Qualitätssicherung. Allerdings mit einigen Unterschieden zu Kommentaren in Blogs. Dank der Einladung des Kollegen Heinz Wittenbrink konnte ich mich in den letzten Tagen ein bisschen umschauen in Branch. Erste Eindrücke.

Was ist Branch?

Branch ist eine Diskussionsplattform, die ein bisschen an die guten alten Foren erinnert – aber hübscher ist: Jemand eröffnet eine Diskussion, andere antworten.

  • Erste Besonderheit dabei: Die Diskussionsteilnehmer werden vom Initiator eingeladen, es diskutiert also ein exklusiver Kreis – vermutlich von Leuten, die sich schon ganz gut kennen. Die Diskussion baut also auf ein relativ stabiles soziales Netz.
  • Zweite Besonderheit: Jeder Teilnehmer kann immer nur einen weiteren Gesprächspartner dazu einladen.
  • Dritte Besonderheit: Aus jedem Statement lässt sich eine neue Diskussion abzweigen.
  • Viertens: Diskussionen sind immer öffentlich und Lesern abonnierbar.
  • Fünftens: Wer eine interessante Diskussion entdeckt und sich einmischen möchte, muss zunächst brav anstehen und den Moderator fragen. Erst nach seinem „ok“ darf man auch mal was sagen.

Durch die Begrenzung der Mitgliedschaft in einem Threat soll die Qualität der Diskussion hochgehalten werden. Technisch ist das Ganze eng mit Twitter verknüpft (was so bleiben dürfte, da zwei der Twitter-Gründer an Branchbeteiligt sind), und so lassen sich einzelne Statements per Twitter weitertragen oder andernorts einbinden.

Wie fühlt sich das an?

In der ersten Diskussion, an der ich teilgenommen habe und die Heinz Wittenbrink initiiert hatte, habe ich das Ganze als fokussiert wahrgenommen – eine angenehme Konzentration auf das Wesentliche. Einfach schreiben, abschicken, die Begrenzung auf 750 Zeichen pro Statement einhalten. So weit so angenehm. Ein Nebenzweig (also eine neue Diskussion, die von einem Statement ausgeht) lässt sich ebenfalls problemlos starten. Allerdings: Wer das macht, muss wieder von vorn Gesprächspartner einladen. Ärgerlich aus meiner Sicht: Derjenige, der das erste Statement dieser neuen Diskussion gemacht hat, ist nicht automatisch dabei in der Runde.

Ansonsten: Das Initiieren von Diskussionen, die gut laufen, dürfte eine hohe Kunst sein – hier geht es besonders um die richtige Auswahl der Gesprächspartner. Fragt sich, wie sich das entwickelt: Denn ich kann mir vorstellen, dass einige Leute künftig laufend Anfragen zur Teilnahme an Branch-Diskussionen erhalten. Schön vielleicht für Politiker, für manch anderen vielleicht irgendwann zu viel des Guten.

Auf der Startseite von Branch gibt es ein paar Empfehlungen

Ein anderes Thema ist die Orientierung innerhalb von Branch: Denn so richtig klar geworden ist mir nicht, inwiefern Nutzer einfach in Branch Diskussionen entdecken sollen. Zwar gibt es wie im Screenshot gezeigt auf der Startseite Empfehlungen, aber nach welchen Kriterien die nach oben gespült werden, habe ich nicht feststellen können. Klar scheint zumindest, dass eine thematische Sortierung – etwa mit Tags – nicht vorgesehen ist, ebenso wenig wie Themenprofile, die Nutzer anlegen könnten. Insofern gehe ich davon aus, dass vor allem darauf gesetzt wird, dass interessante Diskussionen bei Branch erst durch Hinweise bei Twitter (oder andernorts) entdeckt werden dürften.

Ein Einordnungsversuch

Die paar Leute, die in Heinz‘ Branch diskutiert haben, waren überwiegend skeptisch. Tenor: Eine Plattform mehr, diskutieren kann man schon längst auf etablierten Plattformen. Heinz sieht das anders:

„Kann man Plattformen wie Branch (und davor Google Wave) nicht als Ergebnisse einer Ausdifferenzierung des Bloggens verstehen? Microblogs (wie Twitter) und Tumblelogs lassen einen ja auch leichter und vielleicht besser etwas tun, was auch mit einem normalen Blog möglich war. Die Frage wäre dann: Unterstützt Branch bestimmte Formen des Bloggens (explizites Fragestellen, Weitergeben von Themen wie bei Blogparaden) so gut, dass es dafür einfacher ist, zu „branchen“ als zu bloggen?“

Worauf Heinz auch hinweist: Anders als im Blog sind bei Branch alle Beteiligte gleichermaßen für eine Diskussion verantwortlich.

Nächster Schritt im Web-Publishing?

Wie einige andere neue oder gerade entstehende Dienste wird Branch von manchen als Baustein eines nächsten Schrittes des Web-Publishings gesehen. ReadWriteWeb argumentiert, dass mit Diensten wie Branch, app.net oder Medium sowohl die Qualität gesteigert wie gleichzeitig die Schwellen des Publizierens gesenkt werden sollen. Botschaft: Ich muss kein Blogger sein, um zu Publizieren. Ich würde ergänzen: Aber zu sagen oder zu fragen haben muss ich sehr wohl etwas. Inhaltsarme oder trollige Kommentare wie von Markus Beckedahl kritisiert, dürfte es in einem solchen Umfeld kaum geben. Gleichzeitig passen Dienste wie die Genannten in eine aktuelle Diskussion, in der es um das Herauslösen von Inhalten weg von Websites zu Informationsströmen geht – eine Diskussion übrigens, die so neu gar nicht ist.

Szenarien

Für mich als PR-Mensch ist noch weitgehend unklar, wie sich Branch einsetzen lässt und vor allem: wie es sich entwickelt. Ob ein Dienst, der noch nicht vollständig „public“ ist, genügend Schwung bekommt, muss sich ebenfalls zeigen – diese Entwicklungszeit muss man ihm zugestehen. Aber ein paar erste Einsatzideen habe ich. So kann ich mir beispielsweise vorstellen, dass mit Branch eine Art Reporter-Team über eine Veranstaltung berichtet – sei es ein Konzert, eine Politikveranstaltung, eine Fachmesse oder eine Tagung. Eine Alternative also zum Live-Bloggen. Besonders charmant finde ich, dass ausgehend hiervon viele Einzeldiskussionen abgezweigt werden können. Möglich sind sicher auch Fachdiskussionen von Experten in der B2B-Kommunikation, aber auch in der Nonprofit-Kommunikation. Oder kleine Challenges, die man in der B2C-Kommunikation stellen könnte. Hier könnte sicher mit dem Reiz der Verknappung (also die Exklusivität des Teilnehmerkreises) gespielt werden. Allerdings frage ich mich schon, wie außerhalb dieses Spezialfalles gerade in der PR die von Branch propagierte Abgeschlossenheit einzuschätzen ist. Im ersten Moment scheint mir das ein Widerspruch zu sein zur schon lange diskutierten Offenheit der Kommunikation, die viele Unternehmen erst einmal erreichen müssen.

Fazit

Alles in allem ist Branch derzeit für mich ein interessantes Beispiel für neue Webdienste, die Inhalte in den Vordergrund stellen – nach den bildorientierten Services wie Instagram und Pinterest geht es dabei nun vor allem um Texte und Diskussionen. Die tatsächliche Relevanz und die Einsatzmöglichkeiten einer solchen Plattform müssen sich sicher noch zeigen.

Weitere Artikel:

CommunicationCamp: Ein Barcamp für Macher. Funktioniert das?

Barcamps sind ein längst selbstverständliches Veranstaltungsformat geworden. Sie finden auf der Alm statt genauso wie in Firmenheadquarters. Groß ist mittlerweile auch die Themenpalette, die von Tourismus über Politik, Lernen, mobiles Internet bis – na klar – PR reicht. Aber: Das Barcamp ist ein Konferenzformat. Als solches ist es offen und spontan, und es dient dem Austausch und der Vernetzung von Menschen. Dies funktioniert sehr oft sehr viel besser als bei anderen Konferenzformaten. Allerdings bleibt eine Konferenz eben eine Konferenz. Als Besucher kann man viel für sich mitnehmen und damit ein Barcamp funktioniert, müssen Besucher aktive Teilnehmer sein, die Themen, Ideen und Engagement mitbringen. Aber: Können diese Mitbringsel auch eingesetzt werden, um gemeinsam etwas zu erreichen? Um etwas umzusetzen? Dies waren wichtige Fragen, die hinter dem ersten CommunicationCamp standen – einem Barcamp für Macher. Ein paar Eindrücke zu einem neuen Format, das PR-Studenten und Absolventen unseres Studiengangs ausprobiert haben.

Die Idee

Zunächst nochmal zum Hintergrund: Eine fünfköpfige Gruppe meiner PR-Studenten hat gemeinsam mit der Agentur Quäntchen + Glück, die letztes Jahr von einer Hand voll Absolventen gegründet worden war, nach einem neuen Veranstaltungsformat für die Region Darmstadt gesucht. Die Idee war: Wir möchten Menschen, die sich mit Kommunikation, dem Internet, mit Design, mit Coden etc. beschäftigten, zusammenbringen. Erfahrene Praktiker genauso wie Studenten. Das Team schaute sich deshalb viele Veranstaltungsformate an: Beispielsweise den Webmontag, die Twittwoch-Reihe, die Idee des Social Media Clubs, Stammtische – und stolperten auch über einen Artikel von Robert Basic: Er hatte kritisiert, dass sich das Format des Barcamps in einigen Jahren kaum weiterentwickelt hatte und einige Nachteile dieses Veranstaltungstyps beispielsweise in Bezug auf die Nachhaltigkeit benannt.

Und weil wir am Studiengang immer wieder von Unternehmen, oft aber auch von sozialen Einrichtungen oder Vereinen gefragt werden, ob wir nicht einmal für sie aktiv werden könnten – zum Beispiel durch ein Lehrprojekt oder eine Abschlussarbeit – kamen die beiden Ideen zusammen: Es entstand die Idee einer Wochenendveranstaltung, die wie ein Barcamp Leute zusammenbringt und sehr offen ist – aber eine etwas andere Zielsetzung hat: Am Ende soll für einen Projektpartner etwas entstanden sein, konkreter: Er soll Hilfestellung für seine Kommunikation erhalten.

Die Umsetzung

CommunicationCamp, Tag 2: Die einen texten, andere programmieren, wieder andere basteln die Facebook-Chronik zusammen.

Auf dieser Grundlage entstand „Tu was Gudes„: Vor zwei Wochen „opferten“ etwa 20 Leute ihr Wochenende und kamen in einem kleinen alternativen Theater in Darmstadt, dem HoffART, zusammen. Mit den Theaterleuten war im Vorfeld besprochen worden, dass man sich um ihr etwas wildes Durcheinander aus vier Websites und die brach liegende Facebookseite kümmern könnte. Für weitere Ideen waren die beiden glücklicherweise sehr offen. „Tu was Gudes“ war Motto (mit hessischem Kolorit) der Veranstaltung, das Format tauften wir CommunicationCamp – eine Markenbildung, an der wir noch arbeiten müssen. Ziemlich schwierig war auch, Teilnehmer zu gewinnen: Dies mag daran gelegen haben, dass in Hessen bereits die Schulferien begonnen hatten, aber auch daran, dass das Format neu war und den Teilnehmern ein komplettes Wochenende abverlangte. Die, die da waren, hatten dafür richtig Spaß – und sie haben einiges erreicht:  Eine tolle Fotoserie zum Theater und eine renovierte Facebookseite waren in kürzester Zeit entstanden. In den nächsten Tagen werden die alten Websites durch eine völlig neu konzipierte Website ersetzt – und natürlich wurden die Theaterleute geschult, damit sie beides künftig selbst füttern können. Selbst die wichtigsten rechtlichen Regeln haben die Teilnehmer ihnen zusammengestellt. Möglich wurde all dies, weil in der Gruppe eine unglaubliche Dynamik herrschte und Leute mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammen kamen: Programmierer, Designer, Texter, Fotografen, Erfahrene in Kultur-PR, Konzeptioner – und Hobbyköche, die eine tolle Suppe zaubern konnten.

Die Startseite der neuen Website des HoffART-Theaters
Die Startseite der neuen Website des HoffART-Theaters

Was haben wir gelernt?

In unserer Nachbesprechung waren wir uns über einige Punkte einig: Dass die erwähnten Produkte entstanden sind, ist kein Automatismus. Sprich: Ein CommunicationCamp darf keine zu hohen Erwartungen wecken. In unserer ersten Veranstaltung war das Ganze positiv verlaufen, weil die Mischung der Leute gestimmt hat und die Projektpartner bereit waren, sich mit Haut und Haaren einem Abenteuer zu verschreiben. Hinzu kommt: Die Website wurde in den zwei Tagen zwar konzipiert,  und gestaltet, es wurde getextet, fotografiert und programmiert. Aber es sind noch Nacharbeiten notwendig, die die Teilnehmer mit Begeisterung erbringen. Selbstverständlich ist das sicher nicht. Geklappt hat dies vermutlich nur, weil die Agentur q+g das Projekt zu ihrem Projekt gemacht hat.

Session zur Identität des HoffART-Theaters

Ein anderer Lerneffekt für viele: Wollten die Studenten ziemlich rasch mit Website und Facebook loslegen, so zeigte sich, dass dies zunächst gar nicht wirklich möglich war. Warum? Es hatte sich schon bei der Vorstellung des Theaters gezeigt, dass dieses extrem vielschichtig und erklärungsbedürftig ist und ein Konzept für Ideen, die gerade erst in der Diskussion sind, passen muss. Die Konsequenz: Wir schoben zunächst eine Session zum Herausarbeiten von Identität und Positionierung ein. Dabei entstand dann ein gedankliches Gerüst („ein Theater, in dem man nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen kann und das man sogar für einen Abend übernehmen kann“), das für die neue Website – und die gesamte künftige Kommunikation – grundlegend wurde.

Was heißt das? Im Gegensatz zum Barcamp muss man sicher noch mehr darauf achten, dass die Mischung der Teilnehmer stimmt, aber trotzdem flexibel genug sein, in dem, was man tut. Damit ist klar, dass eine Organisation, sich mit dem CommunicationCamp auf eine Wundertüte einlässt. Und klar ist auch, dass die Aufgaben nicht unbedingt in der Tiefe bearbeitet werden können, in der das in einem professionellen Setting passieren würde. Auf der anderen Seite kann etwas entstehen, was eine Organisation, die für die Kommunikation kein Budget hat, einen großen Schritt nach vorn bedeuten kann. Inwieweit die Teilnehmer für sich etwas lernen, ist damit also auch nicht planbar: So war eine Teilnehmerin dankbar, einen Crashkurs in Fotografie erhalten zu haben, ein anderer war von seinem persönlichen Lerneffekt ein wenig enttäuscht. Spaß hatten sie zum Glück alle.

Wie geht es weiter?

In den nächsten Tagen geht wie gesagt die neue Website des HoffART-Theaters online und ein Video, das das erste CommunicationCamp dokumentiert. Ebenso werden die Erfahrungen mit dem Format dokumentiert. Mit q+g und den Studenten ist zudem besprochen, dass wir uns im nächsten Semester gleich an ein zweites CommunicationCamp wagen. Stattfinden soll es im Januar 2013, dann aber an einem Freitag und Samstag. Nach diesen ersten beiden Veranstaltungen wollen wir einen Leitfaden erstellen, damit Interessierte das Format auch andernorts einmal ausprobieren können. Anregungen sind natürlich wie immer sehr willkommen. Und wer schon jetzt Lust hat, mitzumachen, darf dies natürlich gern auch kund tun :)

Weitere Artikel zum Thema:

Lesetipps zum Wochenende (KW 17)

Nachdem ich ein paar Wochenenden mit den Lesetipps ausgesetzt habe, ist’s Zeit, diese Rubrik mal wieder anzukurbeln und ein paar Links, die mir in den letzten Tagen begegnet sind, zu empfehlen.

Howto: About-Seiten
Aktuell läuft noch eine Blogparade, die das Webmaster Friday-Blog ausgerufen hat und zwar zur Frage, was eine gute About-Seite eines Blogs bieten sollte. Gehe ich von Corporate Blogs aus, sollte aus meiner Sicht diese Seite für das Erwartungsmangement genutzt werden. Dazu dürften die berühmten W-Fragen ganz hilfreich sein – wer bloggt was warum und für wen – und welche Regeln gelten für Autoren und Diskutanten? Ausgefeiltere Antworten sind in den Trackbacks beim Webmaster Friday.

Relaunch: zdf.de
zdf.de hat gerade einen Relaunch hinter sich. Meinungen dazu hat unser Online-Journalismus-Absolvent Martin Hoffmann via Storify eingefangen.

Imageeffekte: Facebook vs. Corporate Website
ethority hat sich eine Untersuchung des Web Excellence Forum (WebXF) angeschaut, in der Facebook-Fanseiten und Corporate Websites einander gegenübergestellt wurden. In Kürze: Facebook-Seiten verbessern in der Tendenz das Unternehmensimage; Corporate Websites wirken aber stärker und differenzierter. Fazit: Am sinnvollsten scheint, in Facebook präsent zu sein, um von dessen großer Community zu profitieren und die gewonnenen Fans dann auf die Corporate Website zu locken. Eine andere Herausforderung in diesem Zusammenhang: Wer eine Facebook-Seite einmal liked, kommt selten darauf zurück, sagt eine andere Studie, die in der Karrierebibel vorgestellt wurde.

Shitstorm im Rollenspiel
Michael Kausch hat in einem Online-Experiment mit Studenten der Hochschule Würzburg einen Shitstorm durchgespielt – live und in Farbe. Das Vorgehen im Rollenspiel rund um die erfundene Fränkische Bratwurstmanufaktur erklärt er ausführlich. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen hin- und her gerissen: Einerseits ist das Durchspielen solcher Rollen für die Studenten sicher ein super Lerneffekt, und wie man zum Beispiel negative Fundstücke aus der Suchmaschine durch eigenen Beiträge verdrängt, kann man nur so lernen. Andererseits: Es wurde mit Communities wie jene von chefkoch.de gespielt (es ging um die Qualität der Manufaktur-Wurst) – für mich ist das schon ein bisschen grenzwertig. Umso wertvoller die Erkenntnisse und Tipps bei Michael Kausch.

Lebendige Leichen und muntere Spielwiesen

Gestern ist mir „a lebendige Leich“ begegnet – mein Friendfeed-Account. Ganz ehrlich, ich wusste gar nicht mehr, dass ich das Ding noch habe. So überleben sich Social Media-Tools. Immerhin hat mich das Ganze neugierig gemacht, und ich habe nebenan die Seite Spielwiese aktualisiert.

Doch kurz zurück zu Friendfeed: Vermutlich kennen viele diesen Lifestreaming-Service gar nicht mehr. Angeblich habe ich dort mehr als 400 Abonnenten. Keine Ahnung, ob ein einziger das Ganze wirklich nutzt. An sich ist FF ja keine schlechte Idee, werden doch dort alle möglichen Feeds einer Person (oder Marke) zusammengefasst, ein digitaler Schmelztiegel also. 2008 war es, als Marcel Weiss euphorisch vom nächsten großen Ding schrieb. Und was ist daraus geworden? Friendfeed, dessen Gründer ehemalige Google-Mitarbeiter waren, ist längst von Facebook aufgekauft, und seitdem besteht die einzige Zuckung darin, ab und zu mal offline zu sein, was dann über den deshalb ziemlich traurig daher kommenden Twitterkanal verkündet wird. Ansonsten werkelt der Dienst vor sich hin, bietet die Integration längst toter Dienste wie Furl an und ist wohl vor allem durch den Boom von Facebook irgendwie auf dem Abstellgleis gelandet.

Ich war schon versucht, meinen Account zu löschen, habe aber nochmal davon abgesehen. Warum? Sentimentalität? Ein bisschen. Vielleicht ist das Ganze aber doch nochmal zu etwas gut – vielleicht lässt sich ja noch Google Plus einbinden und der so genierierte Feed irgendwo verwenden? Mal schauen.

Geschaut habe ich dann auch mal auf die Unterseite „Spielwiese“ hier im Blog. Ich gestehe: auch das habe ich seit Monaten nicht mehr. Ein guter Grund, das Ganze mal zu aktualisieren. Neben dem eigentlich noch laufenden Friendfeed bin ich auf wirklich tote Services gestoßen. Ein paar neue, zum Teil recht muntere Spielwiesen habe ich ergänzt, so dass diese Seite nun eine Art Social Media-Biographie darstellt.