Das Ding mit den Tools und der Reputation

Online-Reputation und Online-Tools hängen ja eng miteinander zusammen. Anfang dieser Woche hat sich in einem meiner Seminare eine sehr spannende Diskussion zu beiden Themen entwickelt: Zunächst haben zwei Studenten Twitter und Friendfeed vorgestellt und deren (mögliche) Bedeutung für die PR. Zwei gute Diskussionsfäden haben sich hieraus entwickelt. Und heute – zufälliges Zusammentreffen – wurden genau diese Themen online diskutiert.

Im ersten Distkussionsstrang ging es um die Frage, ob man sich denn wirklich mit jedem Tool beschäftigen muss. Leicht genervt meinte eine Studentin, sie habe gar keine Lust und Zeit, sich jetzt auch noch mit Twitter zu beschäftigen. Ich glaube, sie wollte in Wirklichkeit etwas provozieren. Aber ähnliche Statements höre ich sehr häufig – eigentlich vor allem von Praktikern. Aus meiner Sicht spiegeln solche Statements eine falsche Einstellung wider. Sowohl PR-Leute wie auch Journalisten können es sich nicht erlauben, zu bestimmen, worauf sie Lust haben oder nicht. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wir müssen dorthin, wo unsere Leser bzw. relevante Öffentlichkeiten sind. Und wenn die in Blogs diskutieren oder twittern, kann ich mich schlecht ausschließen, wenn ich einen guten Job machen möchte. Nicht umsonst hat es sich die BBC zur Politik gemacht, an relevanten Netzwerken teilzunehmen. Neben kommunikativen Fähigkeiten setzt eine solche Strategie natürlich auch eine gewisse technische Kompetenz voraus. Über diesen Aspekt und allgemein über Online-Reputationsmanagement für Unternehmen und Wissenschaftler habe ich mich gerade auch in einem Interview mit Klaus Eck unterhalten. Wichtige Ergänzung: Man muss nicht alles mitmachen (wobei in manchen Situationen auch schon das Mitmachen um seiner selbst Willen eine Strategie sein kann – z.B. um etwas zu lernen oder um News zu generieren).

Der zweite Diskussionsfaden im Seminar drehte sich um die Frage, wie Studenten Online-Tools bzw. Blogs zum Aufbau eigener Reputation einsetzen können. Diese Überlegung war für mich vor drei Jahren ein Anlass (ok, es gab auch noch andere Gründe), das Gemeinschaftsblog PR-Fundsachen zu schaffen. Die Studenten, die sich für den einjährigen PR-Schwerpunkt entscheiden, haben den Job, dieses zu füttern. Nicht alle sind glücklich damit, aber der Anteil derer, die das als Chance sehen, eigene Reputation aufzubauen, wächst nach meiner Wahrnehmung von Jahr zu Jahr. Dennoch tun sich viele Studenten schwer mit der Themenfindung – was oft auch für eigene Blogprojekte gilt. Ihr Problem: Sie sind eben keine Profis und fühlen sich gegenüber anderen (PR-)Bloggern unterlegen. Doch ich finde, man muss ja nicht in jedem PR-Blog die neuesten Gimmicks und Kampagnen diskutieren. Man könnte ja auch mal Interviews machen, Storytelling betreiben und von den Semesterprojekten schreiben, ein Buch oder einen Fachbegriff vorstellen und so fort. Sehr gute Anregungen zum Karrierebloggen hat heute auch Klaus Eck gegeben, wobei ich hier besonders empfehle, die Diskussion dort zu verfolgen. Gerade der Hinweis, dass Reputationsmanagement und Identitätsmanagement zusammen gehören, ist sehr wichtig.

Ach ja, noch ein ganz anderer Tipp: Man muss nicht bloggen, sondern kann z.B. auch ein Event organisieren, und das dann in eine Bewerbung schreiben. (Angeregt hiervon entsteht gerade eine leise Diskussion, mal wieder eine Veranstaltung zu Online-PR an unserem Campus zu organisieren….)

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8 Gedanken zu “Das Ding mit den Tools und der Reputation

  1. Die Motivation der Studenten, über PR Themen aktiv zu bloggen, ist sehr groß, aber der innere Schweinehund scheint manches Mal größer Wir verfolgen zwar alle aktiv die Blogosphäre und die aktuellen Diskussionen, doch es gibt eine Hemmung, sich dazu frei im WWW zu äußern. Wie Sie es schon treffend formulierten: Wir sind eben (noch) keine Profis und fühlen uns gegenüber anderen (PR-)Bloggern unterlegen. Natürlich haben wir eigene Meinungen zu den Themen, aber fragt man sich: kann man als Student wirklich profundes Wissen zu aktuellen Diskussionen beisteuern?!

    Lange Rede, kurzer Sinn: Sie haben es geschafft, bei Sina Lauer und mir (Michelle Mühlhauser) Neugier zu wecken. So haben wir uns in dieser Woche dazu entschlossen, die „Kontaktfrequenz“ aufzusetzen. In diesem Blog wollen wir neben PR-Themen auch Themen aus unserm studentischen Alltag an der Hochschule und der Arbeitswelt thematisieren. Wir hoffen, uns gelingt dieses Vorhaben und dass wir es schaffen unseren Blog lange am Leben zu halten.

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  2. Pingback: PR 2.0
  3. Wenn ich auf meine vergangenen 13 Online-Jahre und mindestens 6 Online-PR-Jahre zurückblicke, sehe ich eine nahezu 100-prozentige Deckung zu dem „ganz anderen Tipp.“ Vor lauter inhaltlich-konzeptionellen und organisatorischen Aufgaben beim Umsetzen von Real-Ereignisse (auch und gerade zu Web-Themen) kam ich gar nicht dazu, selbst allzuviel zu machen oder gar zum Web-Guru zu werden. Vielleicht sollte ich die Chance nutzen und mich als Real-Life-Expert positionieren ;-) (ich mach das mal in meinem Xing-Profil).

    Und ganz im Ernst: wer PR als Intervention in und Gestaltung von öffentlichen Beziehungen versteht, kommt gar nicht umhin, sich mit den realen Tools für den virtuellen Raum zu befassen – um dann zu entscheiden, welche davon sinnvoll und nützlich sind.

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  4. Das ist eine Diskussion, die ich auch aus meinen Kursen kenne. Mit meinen Studenten betreibe ich einen Blog http://www.Web2Blogs.de. Allerdings besuchen meine Studenten den Kurs nur für drei Monate – welch ein Luxus, ein ganzes Jahr. Die Reputation der Studenten durch die Beiträge ist enorm und ehemalige Studenten sind jetzt mit eigenen Projekten aktiv. Aber es gibt auch immer wieder Studenten, die den Sinn und Nutzen dahinter nicht sehen wollen „Nur wer zuviel Zeit hat bloggt“.

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