US-Seltsamkeiten: Im Formular zur neuen PR-Definition

Ich weiß nicht so recht, ob ich die Schulter zucken, den Kopf schütteln oder sonst wie reagieren soll. Deshalb nur in Kürze (auf dass sich jeder sein eigenes Bild mache): Der US-amerikanische PR-Berufsverband Public Relations Society of America (PRSA) meint, es müsse eine neue PR-Definition her und setzt – vielleicht, weil’s gerade schick ist – auf Crowd-Sourcing. Wer also Lust hat, darf seinen Definitionsvorschlag bis zum 2. Dezember einreichen.

Äh, Moment. Was geschieht hier eigentlich? In der New York Times wird’s erklärt: Die PRSA meint, für das 21. Jahrhundert braucht’s eine neue Definition. Die alte ist schließlich von 1982 und sowas von alt und abstrakt, da muss schon was Schickeres her, wir leben ja in Zeiten von Social Media. Die alte lautet übrigens:

“Public relations helps an organization and its publics adapt mutually to each other.” 

Entstanden ist dieser Satz wohl unter dem Eindruck systemtheoretischen Denkens und als Verkürzung einer Definition, die nach einer Analyse von mehr als 470 bestehenden Definitionen entstanden war.  Interessanterweise hat die PRSA 2003 und 2007 laut NYT diesen lästigen Satz schon mal loswerden wollen, allerdings ohne Erfolg. Ich weiß jetzt nicht, wie damals der Prozess der Neudefinition aufgesetzt war.

Heute erscheint mir das Vorgehen aber besonders seltsam: Man setzt auf Crowd Sourcing – das klingt sehr offen und kaschiert vielleicht gelegentlich, dass man nicht so recht weiter weiß oder nicht genug Aufwand in einen anderen Prozess stecken möchte. Noch besser: Man gibt der interessierten Fachöffentlichkeit ein Formular vor, entlang dessen bitte schön zu denken und zu definieren sei. Dass dieses in seinem Aufbau vielleicht wiederum auf altem Denken beruht – geschenkt.

Bitte schön im Formular denken und dann eine möglichst kreative PR-Definition eintragen

Sanfte Kritik an diesem Formular hat es zwar auch schon gegeben, aber der PR-Manager des PR-Verbandes ist sich seiner Sache sicher: Denn man wolle sich in der Form der Definition an die Form von Marketing- und Werbedefinitionen orientieren und außerdem solle das Ganze möglichst einfach gehalten sein. Na denn.

 

 

7 Gedanken zu “US-Seltsamkeiten: Im Formular zur neuen PR-Definition

  1. Wir hatten innerhalb der GPRA (steht für: Gesellschaft Public Relations Agenturen e. V.) eine ähnliche Diskussion: Was machen wir eigentlich? Machen wir nicht viel mehr als Public Relations? Müssen wir den Kommunikationsbegriff nicht viel weiter fassen? Was ist ein passender Begriff dafür? Hitzige Debatte, die damit endete: „Wir bauen vertrauensvolle Beziehungen zu unseren relevanten Zielgruppen bzw. Teilöffentlichkeiten auf“ Also Public Relations. Ich habe durch diese Diskussion aber festgestellt, dass es offenbar einen Unterschied zwischen „PR“ und „Public Relations“ gibt. Dazu habe ich neulich was gebloggt: http://bit.ly/sIrcjq.

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  2. Ja, das Thema ist in den letzten Monaten an vielen Stellen aufgeploppt. Das Witzige ist, dass die PR-Wissenschaft schon immer ein Verständnis von PR hat, zu dem viele PRaktiker erst so langsam kommen – damit meine ich die, die PR unsinnigerweise mit Pressearbeit gleichgesetzt haben.
    Bemerkenswert an der aktuellen Initiative in den USA ist aus meiner Sicht der Weg, der nach meinem Eindruck in mehrfacher Hinsicht unglücklich ist. Den Crowd Sourcing-Ansatz finde ich so nicht gelungen, und dass das Ganze ohne jede wissenschaftliche Basis rein deskriptiv begonnen wird, wirft die Sache eher zurück als dass damit was erreicht wird, fürchte ich.

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  3. Dieses lineare Formular lässt einen vernetzten Denkansatz gar nicht zu. Und darum geht es doch heute, um integrierte, crossmediale und vernetzte Kommunikation.
    Warum wird eine neue Definition gesucht? Um der Sache Willen oder um PR besser zu vermarkten?

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  4. Ja, genau das habe ich mich auch gefragt. Im Artikel der NYT war der Hinweis, dass Außenstehende nicht verstehen, was PR tut – insofern scheint das Ganze als Marketing für PR (sic!) zu verstehen sein.

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    1. Das ist PR für PR. Eine sehr mutige Kampagne! Am Ende wird eine neue Definition stehen, die sich wahrscheinlich nicht wesentlich von der jetzigen unterscheiden wird. Dabei ist es (zumindest für die Kampagne) nicht wichtig, wie diese Definition zustande kommt. Wenn die PRSA es schafft, die Kampagne konsequent zu Ende zu denken und umzusetzen, wird hoffentlich der ein oder andere (nicht nur Außenstehende) begriffen haben, was PR nun ist. Denn das Erschreckende an der ganzen Diskussion rund um diese „Initiative“ (wie sie die NYT nennt) ist die Tatsache, dass scheinbar wirklich viele PR-Menschen gar nicht wissen, was sie tun. Es gibt zig Kommentare à la „Ich kann meiner Mutter nicht erklären, was ich eigentlich mache“. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.
      Ich hoffe zumindest, dass die Initiatoren dieser Kampagne wissen, was sie tun. Denn wie ich bereits sagte, das Ganze ist ein mutiges Unterfangen, das auch „furchtbar in die Hose gehen kann“.

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