Blogger, Blogleser und so etwas wie Mediadaten

Was sind das für Leute, die bloggen? Und vor allem: Wer sind die Leser von Blogs? Oder aus Blogger-Sicht: Was weiß ich über meine Leser und Diskutanten? Und: Möchten professionellere Blogger gar so etwas wie Mediadaten bereitstellen? Viele Blogger haben wahrscheinlich ein sehr gutes Gespür für ihre Leser bzw. kennen viele sogar. Mit der Zeit – und zunehmender Leserschaft – geht dieses Gespür vielleicht aber verloren. Oder es besteht der Wunsch, die Leserschaft anderen gegenüber zu beschreiben. Drei unserer Masterstudenten des Studiengangs Medienentwicklung arbeiten deshalb im aktuellen Semester an diesen Fragen. Ein Schritt in ihrem Projekt ist eine Befragung unter Bloggern selbst, die jetzt online ist. Wer also selbst bloggt und mitmachen möchte, ist zum Mitmachen eingeladen. Die Befragung ist nur ein Arbeitsschritt im Projekt. Dessen eigentliches Ziel: Blogger sollen am Ende einen Fragebogen zur Verfügung bekommen, den sie für eigene Leserbefragungen nutzen können. Wenn sie möchten, können sie die Ergebnisse auch für so etwas wie Mediadaten für Blogs verwenden.

Kleiner Einblick in die Versuchsküche der Medienforschung

Das Projekt hat mehrere Ausgangspunkte: Zum einen die Feststellung, dass über Blogger und ihre Motivation im deutschen Sprachraum eigentlich seit einiger Zeit wissenschaftlich nicht mehr so viel Neues erarbeitet wurde. Vor allem Jan Schmidt hat in diesem Feld sehr verdienstvoll gearbeitet, das ist aber schon ein Weilchen her. Mittlerweile haben sich zumindest in einigen Bereichen einige professionelle Blogger etabliert. Nach der Definition der Studenten sind das Blogger, die hauptberuflich bloggen und davon – ggf. zusammen mit damit verbundenen Tätigkeiten – leben können. Diesem Themenfeld sind die Studenten qualitativ – durch beispielhafte Interviews mit einigen Autobloggern – nachgegangen; dabei wurde bewusst ein enges Themenfeld gewählt, da Blogger und Blogleser je nach Thema höchst unterschiedlich ticken dürften. Ein wichtiger Aspekt dieser Interviews war entsprechend die Beziehung der Blogger zu ihren Lesern.

Wir wissen wenig über die Leser von Blogs

Über die Leser von Blogs und ihre Erwartungen wissen wir wenig. Natürlich wird es da riesige Unterschiede geben. Es dürfte auf die Themen genauso ankommen wie auf die Positionierung eines Blogs: Von einem professionellen Blogger erwarten die Leser vermutlich quasi-journalistische Leistungen (also Kontinuität, Themenabdeckung, Tempo etc.), während einem Hobby-Blogger punktuelle Beiträge zugestanden werden dürften und an die Aufbereitung von Themen vielleicht auch andere Erwartungen bestehen.

Ein weiterer Ausgangspunkt für das Projekt waren Diskussionen zu Blogger Relations, die ich in den vergangenen Monaten mit Autobloggern und Social Media-Verantwortlichen aus der Autozunft hatte. Hier sind wir mehrfach an den Punkt gekommen, dass es gerade aus Sicht von Blogger Relations bei professionellen oder semi-professionellen Blogs spannend wäre, mehr über die Leser zu wissen. Unternehmen könnten Blogs besser beurteilen und im Einzelfall einfacher entscheiden, mit welchen Bloggern sie zu welchen Themen lieber zusammenarbeiten möchten. Ein Hintergrund dazu: Zu vielen Themen gibt es weit mehr Blogger, als Unternehmen systematisch betreuen können. Im Fall eines Autoimporteurs heißt dies zum Beispiel, dass das Budget nur soweit reicht, dass ein Teil der Autoblogger bei einem Event einbezogen werden kann. Das von mir einmal vorgeschlagene Schema zur Bewertung von Blogs wird dort zwar angewandt, doch wäre aus Unternehmenssicht hilfreich, wenn über die Leser der jeweiligen Blogs mehr zu erfahren wäre. Anzunehmen ist natürlich, dass neben Social Media Managern wie angedeutet auch Vermarkter Interesse an Informationen zu Lesern haben.

Blogger, die das möchten, könnten deshalb mit einem genaueren Wissen über die Leser ihr Blog besser an deren  Interessen anpassen, vielleicht sogar auch besser vermarkten. Nebenbei: Dass IVW und AGOF für die meisten Blogger kaum etwas bringen dürften, hat Robert Basic neulich ausführlich erklärt.

Ziel: Bloggern helfen, Leserbefragungen zu machen

Dies jedoch nur als Hintergrund. Die Studenten werden sich aus Fragen der Blogger Relations und Vermarktungsfragen heraushalten. Stattdessen haben sie ein etwas einfacheres Ziel: Sie wollen  Bloggern helfen, ihre Leser kennen zu lernen. Was diese mit diesem Wissen dann tun möchten, ist eine andere Frage.

Die erwähnten Interviews zeigten: Das Interesse, mehr über die Leser zu erfahren, scheint zumindest bei Autobloggern recht groß zu sein. Die nun online gestellte Befragung unter Bloggern (hier sind jetzt nicht nur Autoblogger angesprochen), soll ein paar weitere Informationsbausteine liefern. Die Ergebnisse dieser Schritte werden dann zusammengeführt. Auf Basis dieser Ergebnisse und kombiniert mit Bausteinen üblicher Leserbefragungen journalistischer Medien wollen die Studenten dann einen Fragebogen entwickeln, mit dem jeder interessierte Blogger eine individuelle Leserbefragung durchführen kann. Dabei ist daran gedacht, einige Fragen vorzugeben, aber jedem Blogger zu ermöglichen, dass er ganz spezielle Fragen zu seinem Blog ergänzen kann.

Am Ende soll eine kleine Plattform entstehen, auf der die Ergebnisse des Projektes und vor allem der Fragebogen unter CC-Lizenz stehen. Dies kann einfach der persönlichen Neugierde dienen. Und Blogger, die möchten, könnten die Ergebnisse ihrer Leserbefragungen mit Daten aus der Webanalyse (z.B. Google Analytics) kombinieren und hieraus so etwas wie Mediadaten basteln.

Ich bin sehr gespannt, wie gut das Projekt funktioniert. In erster Linie ist es natürlich ein Lernprojekt ohne Erfolgsgarantie was das Endergebnis betrifft (ein Lernerfolg sollte sich natürlich in jedem Fall einstellen), gelingt es, freuen wir uns umso mehr. Die Chancen stehen sicher nicht schlecht. Zu klären wird natürlich auch sein, wer dann Interesse hat, die kleine Plattform mitzugestalten und/oder weiter zu betreiben.

Hier nochmal der Link zur Umfrage unter Bloggern.

Textdepot-Archiv: Weitere Beispiele zu Lehrforschungsprojekten:

 

12 Gedanken zu “Blogger, Blogleser und so etwas wie Mediadaten

  1. Super, schöne Sache! Den Fragebogen schaue ich mir gerne auch mal an; zur Sicherheit nochmal der Hinweis an Deine Studierenden, dass ich den Datensatz für die 2005er-Befragung freigegeben habe (siehe die Info im von Dir verlinkten Eintrag auf meinem Blog). Sie können also ihre eigenen Ergebnisse mit den von vor acht Jahren in Verbindung setzen und z.B. eigene Kontraste rechnen..

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  2. Endlich! Es wird Zeit, dass der Blogger und sein Status sich mal auch in der öffentlichen Diskussion und Anerkennung einer Professionalisierung annähern. Schon vor einigen Jahren habe ich mich des Themas der Monetarisierung eine lange Zeit angenommen und auch einiges hierzu veröffentlicht sowie kommentiert. Den Fragebogen habe ich ausgefüllt und stehe gerne für weitere Fragen bereit.
    Und wenn euch meine Gedanken interessieren, so lest einfach mal eine kurze Zusammenfassung… http://www.thestrategyweb.com/monetizing-social-media-social-medians-have-to-set-a-trend

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    1. Super, danke für die positive Rückmeldung und den hilfreichen Link. Das Projekt wird sicher nur einen sehr kleinen Baustein in der Diskussion liefern können, aber wir hoffen: einen nützlichen ;)

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  3. Das finde ich eine hervorragende Idee. Ich verwende bei meinem Blog intern die statistischen Daten der Facebook-Fanpage. Aber das ist natürlich nicht ideal, denn ich weiss ja nicht, ob wirklich zwei Drittel meiner Leser Frauen sind oder ob Frauen einfach häufiger den Like-Buttom klicken.

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