Der Wochenrückblick zu Netzthemen, Online-Marketing und PR

In dieser Woche gab es gleich zwei Studien zur Mediennutzung, einen Riesendeal von Microsoft, das Eingeständnis aus Cupertino, dass auch in der iWelt externe Entwickler wichtig sind und harsche Vorwürfe an die Anbieter von Medien- und Influencerdatenbanken.
Beginnen wir erst mal mit einem ursprünglich analogen Thema: Journalismus. Dass es dem ökonomisch immer schlechter geht, wissen wir. The Atlantic hat nun die frische US-Studie „State of the News Media“ zum Anlass für eine längere Analyse genommen und betont, wie wichtig Facebook & Co. für die Medienhäuser ist, um Traffic zu bekommen, während zeitgleich die Tech-Firmen den größten Teil des Werbegewinns für sich behalten. Anders ausgedrückt: Im Web wird eine Menge Geld verdient – nur nicht von den News-Anbietern. Wussten wir eigentlich schon, aber jetzt mit aktuellen Zahlen.

Studien zur Mediennutzung

Jaja, die Revolution. Sie kam mancherorts anders als gedacht.
Jaja, die Revolution. Sie kam mancherorts anders als gedacht.

Noch mehr Zahlen lieferte dieser Tage der internationale Digital News Report 2016 von Reuters (pdf). Besondere Erkenntnis: Die Generation der 18 bis 24-Jährigen interessiert sich weniger für Nachrichten als früher – egal, ob es im Fernsehen oder online. Immerhin informieren sich immer noch 86 Prozent der Befragten mehrmals in der Woche, in dieser Altersgruppe geschieht dies hauptsächlich online. Fatal: Das Vertrauen in Journalismus ist bei jungen Erwachsenen am geringsten.

Schlauere Anwendungen durch Öffnung für Entwickler?

Reden wir zur Abwechslung mal über Apple. Es scheint, dass der iKonzern gerade nicht so vom Glück verfolgt wird: Da haben sie in Cupertino lange ihre Entwicklerkonferenz WWDC vorbereitet und dann posaunt Microsoft zeitgleich seinen 26 Milliarden-Deal zur Übernahme von LinkedIn in die Welt. Und ein paar Tage später wird auch noch bekannt, dass in Peking erst mal einige iPhone6-Modelle nicht mehr verkauft werden dürfen – Plagiatsvorwurf.
Das Apple-Event hatte übrigens manchen enttäuscht, denn es ging „nur“ um Software. Die News sind aber gar nicht so unwichtig: Erstmals dürfen Entwickler von Fremdanwendungen auf Apple-Apps wie Siri, Maps, Nachrichten oder News zugreifen. Endlich, möchte man sagen. Denn wenn wir schon laufend über Bots und schlaue Assistenten sprechen, darf ruhig auch Siri mal etwas aufgeschlaut werden und andere Apps steuern, um zum Beispiel auf Zuruf ein Taxi bestellen zu können.
Natürlich gibt es im Detail noch viele andere Neuerungen im Apple-Universum, am drolligsten fanden aber manche, dass Apple seinen Messenger bunter macht und auf Animationen und Emojis bzw. Sticker setzt. Dass das mehr als Kinderkram ist, erläutert Connie Chan vom Venture Capital-Unternehmen Andreessen Horowitz in einem ausführlichen Blogpost. In Apps wie WeChat und Line spielen Sticker demnach als neue Ausdrucksmöglichkeit eine große Rolle, auch in der beruflichen Kommunikation. Interessanterweise werden Sticker in WeChat wie Sammelkärtchen behandelt: Bekommt man einen neuen zugeschickt, kann man ihn aus dem Chat heraus in seiner Sammlung speichern. Künstler können Sticker verkaufen, Unternehmen – wie bei Snapchat – gebrandete Sticker in Umlauf bringen. Abgesehen von der Sammelleidenschaft ermöglichen Sticker laut Chan neue Möglichkeiten des Storytellings. Anders ausgedrückt: Wir kommunizieren weniger textlastig, sondern immer visueller. Snappy.

Gut, Apple geht also mehr in Richtung vernetzter Anwendungen und visuellem Messaging. Und wie war das mit Microsoft? Die haben Facebook als Vorbild, aber natürlich vor allem Berufstätige im Blick. Sprich: Was der Newsfeed von Facebook in der Freizeit, soll der Feed von LinkedIn im Beruf sein, so Bill Gates. Natürlich kann man sich auch schlaue Möglichkeiten der Teamarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg vorstellen, denkt man an eine Verknüpfung zwischen dem Netzwerk und dem weit verbreiteten MS Office.

Adressbroker in der Kritik

Jetzt aber mal zurück aus der Welt des großen Kapitals zum irdischen Handwerk in unseren Landen. Nein, ich meine nicht Fleischer und Installateure, sondern modernes digitales Handwerk. Eine nicht immer geliebte Ausprägung davon beschäftigt sich mit Adressdaten, die dann anderen zur Verfügung gestellt werden. Ein uralter Hut, wenn es um Redaktionsadressen geht. Ein alter Hut, wenn es um Blogger und andere Influencer geht. Sollte man man meinen. Seit gut sechs oder acht Jahren diskutieren wir drüber. Jetzt aber ist Richard Gutjahr die Hutschnur geplatzt, und ich kann ihn ja verstehen. Er bekommt jeden Tag viel zu viel für ihn unbrauchbares PR-Geblubber und macht deshalb den großen Adress-Brokern Vorwürfe.

Die eine Frage dabei ist für mich, ob deren Methoden des Datensammelns legitim sind. Ich meine: Nur auf opt-out zu setzen, wie es teilweise offenbar üblich ist, ist eine schwache Nummer. Eigentlich hätte der vor vielen Jahren einmal diskutierte Button „No PR“ im Impressum von Blogs vermutlich manches vereinfacht, hätte er sich durchgesetzt. Die andere Frage ist für mich, was Unternehmen und Agenturen so mit Adressen von Bloggern und Influencern treiben. Sie einfach in Presseverteiler zu nehmen, ist halt unprofessionell – leider aber nicht selten, wie ich selbst immer wieder feststelle. Der Vollständigkeit halber hier noch die Reaktionen von News Aktuell und Cision.