Sonntagsnotizen: Von den dunklen Grenzgebieten der Pharma-PR zu Blogger Relations

Das so wunderbare Sonntagsfrühstück ist noch nicht lange her, da beginnt es innerlich – nun, sagen wir es zurückhaltend – deutlich zu grummeln. Es ist ja nichts Neues, dass PR speziell im Gesundheitswesen allzu oft einen zweifelhaften Ruf genießt. Dass dies nicht zu Unrecht so ist, zeigt ein neues Beispiel, das die Stationäre Aufnahme ausgegraben hat. Die Akteure: Der Wirtschaftsverband Bundesverband Medizintechnologie als Auftraggeber und die PR-Agentur Weber Shandwick. Wenn ich mal davon ausgehe, dass der von strappato öffentlich gemachte Brief von Weber Shandwick (pdf) an Patientenorganisationen keine Fälschung ist, dann ist das ein sehr gutes Beispiel, wie im Gesundheitswesen versucht wird, zweifelhafte Koalitionen zu schmieden. In diesem Fall sollen Patienten beim Thema Hilfsmittel der Industrie behilflich sein. Und wie geht so etwas in Astroturfing-Manier? Man schickt eine vermeintliche Graswurzelbewegung vor (hier das Aktionsbündnis „Meine Wahl„), und hofft darauf, dass keiner merkt, dass diese doch nur eine PR-Kampagne („c/o Weber Shandwick“) ist, für die die Hersteller die Patientenorganisationen als Unterstützer einsetzen möchten.

Lustig, dass ausgerechnet in diesen Tagen ein paar Europaabgeordnete meinen, Blogs seien viel zu intransparent und man müsse doch endlich mal dafür sorgen, dass die Autoren und deren Finanzierung (ähm, welche denn?) transparenter werden. Wobei ja die Forderung, in der EU Meinungs- und Medienpluralismus (pdf) zu erhalten (vielleicht auch zu fördern?), durchaus ehrenwert ist.

Passend dazu sei auf einen kurzen Eindruck von lobbycontrol zur Veranstaltung „seitensprünge“ hingewiesen. So bezeichnet worden war diese Woche der erste Tag der politischen Kommunikation, der Transparenz in die Szene bringen sollte. Beim Recherchieren nach weiteren Artikeln zur Veranstaltung habe ich ob der Flut von Schmuddelposts denn doch schnell aufgegeben. Vielleicht hat politische Kommunikation ja doch nicht so viel mit Swingern & Co. zu tun, und vielleicht ist „seitensprünge“ unter diesem Gesichtspunkt als Veranstaltungsname nicht so glücklich gewählt.

Ach, da sind wir ja fast automatisch mal wieder beim Thema Blogger Relations angekommen. Zwei Aspekte für heute: Die Mercure-Hotelgruppe macht aus Bloggern Reisejournalisten, und passend dazu gibt’s bei Hugo E. Martin eine Zusammenfassung einer Studie, in der es um die Erwartungen von Bloggern an die PR geht (bezogen auf den Raum Asia Pacific). Vor einigen Tagen schon hatte bekanntlich Florian Ranner die Ergebnisse seiner Befragung von deutschsprachigen Bloggern zum Thema PR veröffentlicht.

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