Der Ypsilanti-Gau: SPD auch in der Online-PR unglücklich

Die hessische SPD hat schon manche Turbulenzen erlebt. Heute schließlich ist GAU-Tag. Doch während sich die Medien mit Berichten überschlagen und auch in Blogs Ypsilantis Katastrophe eifrig diskutiert wird, herrscht auf der Website der hessischen SPD Sendepause: Dass der Server kaum zu erreichen ist, ist ja nicht weiter verwunderlich. Aber dass sich der Besuch dort nun gar nicht lohnt und der neueste Beitrag auf der Startseite zwei Tage alt ist (eine Parteitagsmeldung), mutet schon seltsam an. Wenn es eines Beweises der Sprachlosigkeit bedurft hätte…

Aber im Ernst: Ich bin schon erstaunt, dass in der Krise die Online-Kommunikation von der hessischen SPD vollkommen vernachlässigt wird. Natürlich ist es politisch nicht einfach, in dieser Situation ein Statement abzugeben. Aber die Fakten liegen auf dem Tisch und könnten doch berichtet werden. Und eigentlich ist Andrea Ypsilanti doch (noch?) Vorsitzende der Hessen-SPD. Zudem hat sie eine eigene Website als Sprachrohr, doch die ist wohl am 22. Oktober zuletzt aktualisiert worden (der Server ist im Moment kaum erreichbar). Statt nur in Kameras zu sprechen, könnte sie auch im Web ein Statement abgeben. So, wie Franz Müntefering auf der Website der Bundes-SPD zumindest „betroffen und empört“ ist.

Wenn man überlegt, dass sowohl der Hessenserver der Partei fast flach liegt wie auch die Website von Frau Ypsilanti, dann doch weil viele Leute auf ein Statement warten. Und um noch eine Zahl in den Raum zu werfen: Google’s Blogsuchmaschine findet fast 1.600 Artikel, die in den letzten 12 Stunden zum Thema veröffentlicht wurden.

Und so sah die Startseite der hessischen SPD vor ein paar Minuten aus:

Kein Hinweis auf das Desaster
Die Startseite der Hessen-SPD am 3.11.2008: Kein Hinweis auf das Desaster

Und da ich gerade mal zur persönlichen Website von Andrea Ypsilanti durchdringen konnte, auch die Startseite noch als Screenshot:

Die Website von Andrea Ypsilanti am Tag des GAUs (3.11.2008, ca. 18 Uhr)
Die Website von Andrea Ypsilanti am Tag des GAUs (3.11.2008, ca. 18 Uhr)
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10 Gedanken zu “Der Ypsilanti-Gau: SPD auch in der Online-PR unglücklich

  1. Das Nicht-Kommunikationsverhalten der hessischen SPD und ihrer Noch-Vorsitzenden ist ein erschreckendes Zeichen für mangelnde PR-Fähigkeit. Besonders angesichts der Tatsache, dass eine solche oder eine ähnliche Entwicklung doch durchaus im Bereich des Möglichen lag und ein Plan B in der Schublade hätte liegen müssen.

    Vielleicht ist die Sprachlosigkeit aber auch nur ein Zeichen dafür, dass Frau Ypsilanti jeglichen Realitätssinn und das Gefühl für die Umgebung verloren hatte und jetzt erschüttert und sprachlos ist. Dann sollte sie aber nicht weiter gehen sondern zurück treten.

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  2. Da waren die Kommentare eben fast zeitgleich. Meiner eben bezog sich auf Frank.

    @Rafael Bujotzek: Danke für den Hinweis, eine beeindruckende Zahl – die ja nur für einen Server gilt. Da kann man erahnen, wie viele Menschen man online erreicht.

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  3. naja, für online gibt es eben niemanden, dafür reichen die budgets nie aus, so eine partei denkt noch extrem offline und vor allem in der kategorie tv, wenn man zeitnah leute erreichen will.

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  4. Ich sehe das mit Realitätssinn und Gefühl für Umgebung unabhängig von Politik oder nicht.

    Ich sehe es im Sinne von Konsistenz, Glaubwürdigkeit und Leadership. Darin sähe ich das eigentliche Problem, wenn sie ihren Realitätssinn verloren hätte. Das sich ließe sich auch durch eine effiziente PR nicht mehr ausbügeln.

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  5. Der Mann, der das Internet bedient hatte halt Urlaub. Derr Spin-Doktor sthet eh auf TV.

    In Deutschland ist aktive Politik eigentlich online nicht existent, auch wenn sich z.B. die Grünen im Augenblick bemühen. Z.B. via Tickets für Blogger zur BDK.

    Interessant: Die Website von Jürgen Dieter ist online. Aktualisiert zuletzt am 28.4. Text:

    AG 60+ und Jürgen Walter besichtigen Flughafen.

    DAS ist ein PR-Gau. Fast schon zu schön!

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  6. Was will man sagen?

    Aber mal abgesehen von den persönlichen Sites einzelner Politiker: In einer solchen Krise läuten die Telefone in einer Parteizentrale doch durchgehend – und damit meine ich jetzt mal nur die Journalisten, die ein Statement möchten. Vor einigen Jahren haben Unternehmen gelernt, dass man ein solches Statement auch online stellen kann, um wenigstens das größte Chaos in der Pressestelle zu reduzieren. Denn für Print- und Online-Journalisten kann das zunächst ganz ok sein – und Blogger könnten es auch nehmen. Scheint mir jedenfalls wesentlich sinnvoller, als mich nur auf bereits journalistisch bearbeitete Ware von Nachrichtenagenturen und TV-Stationen zu verlassen. Hinzu kommt, dass man auf der eigenen Website besonders die eigenen Anhänger/Mitglieder erreicht…

    Aber ich gebe zu, die Arbeitsbedingungen in der Politik-PR (zumal auf Landesebene) von innen nicht zu kennen, vielleicht übersehe ich da was.

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  7. Hm, naja, also die Blog-Suchmaschine von Google ist so ziemlich die unzuverlässigste Blogsuchmaschine überhaupt. Die meisten Suchergebnisse beziehen sich überhaupt nicht blogs. Da ist blogato z.B. um einiges besser.
    Und nun zum Thema: Der Herr Schäfer-Gümbel gilt in den NRW-Medien als Kommunikationswolf: http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/politik/2008/12/15/news-98575753/detail.html Ebd. wird er als Barack Obama Hessens beschrieben, weil er sich der Medien ähnlich bedient wie ebendieser. Und Thorsten Schäfer-Gümbel ist nun einfach mal bedeutender als die gestrandete Frau Ypsilanti. Von daher auch kein Problem, sie nicht zu erreichen. Ich als Exil-Hessin glaube zwar nicht mehr dran, dass Hessen sich vom Koch nochmal lossagen kann… Aber gut.

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