Lesetipps: Nonprofits im Social Web

Zwei Lesetipps: Nonprofit-Organisationen nutzen das Social Web bisher – wenn überhaupt – zur Profilschärfung oder als weiteren Distributionskanal der eigenen Botschaft. Die Möglichkeiten des Vernetzens und des Dialogs – also des Empowerments – werden dagegen kaum genutzt. Dies meint Beraterin Brigitte Reiser im Interview mit Christiane Schulzki-Haddouti auf kooptech.

Reisers Lagebeschreibung:

„In der Fläche ist das Thema Social Media bei den gemeinnützigen Organisationen in unserem Land noch nicht angekommen. Ich bedauere sehr, dass Nonprofits im Internet – bis auf die obligatorische Webseite – noch keine Rolle spielen. Es fehlt hier ihr Gedankenaustausch mit den Stakeholdern, es fehlen ihre Diskussionen untereinander, es fehlen Wikis, die das Wissen von gemeinnützigen Trägern und Stakeholdern sammeln, es fehlen gemeinsame Auftritte und Plattformen von Nonprofits über Organisationsgrenzen hinweg. Dadurch vergeben sich gemeinnützige Akteure die Chance, den öffentlichen Diskurs mit zu gestalten, ihre Themen in den Internetdiskussionen zu platzieren und von den Anregungen der Stakeholder zu profitieren.“

Wie wahr! Herunterbrechen lässt sich diese Analyse auf die unterschiedlichsten Arten von Nonprofits, beispielsweise auch auf Wohlfahrtsverbände. Wobei hier schnell klar wird, dass die Kommunikationsstrategie und das Selbstverständnis einer Organisation sehr eng verbunden sind.

In diesem Zusammenhang steht Lesetipp Nr. 2: Reiser erwähnt eine in diesem Sommer in den USA veröffentlichte Studie zum Thema: Linda Jean Kennix hat durch die Befragung von fast 700 Mitarbeitern und Stakeholdern mittlerer NGOs deren Wahrnehmung des Internet zu ermitteln versucht. Dabei zeigte sich u.a., dass selbst in den USA, in denen die Nonprofit-PR eigentlich als weiter entwickelt gilt, das Internet zu einem großen Teil noch als Medium begriffen wird, um Informationen bereit zu stellen.

Mehr zum Thema:
< Brigitte Reisers Blog: Nonprofits vernetzt
< Das Textdepot: Herausforderungen der Nonprofit-PR: Sieben Thesen

6 Gedanken zu “Lesetipps: Nonprofits im Social Web

  1. Dass Nonprofits im Internet noch keine Rolle spielen, bzw sich noch keine neue Rolle gesucht haben, ist so nicht ganz richtig. Evtl. hat Frau Reiser nicht mitbekommen, dass in den vergangenen zwölf Monaten verschiedenste Plattformen online gingen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit diesem Thema auseinandersetzen. Sei es, dass sie die Transparenz des Netzes nutzen, um den Transfer von Spendengeldern an die Empfängerorganisation abzubilden, sei es, um eine Datenbank für gemeinnütziges Engagement anzulegen.
    http://www.betterplace.org ist ein gutes Beispiel: hier wird Non-Profits auf ganz innovative Weise die Möglichkeit gegeben, sich darzustellen und aktiv Fundraising zu betreiben.
    Weitere Beispiele, um nur wenige zu nennen, sind helpedia.org, elargio.org, reset.to….

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  2. Danke schön für diese Hinweise. Ich denke, die genannten Plattformen sind gute und wichtige Projekte.

    Ich kann und will Frau Reiser nicht interpretieren, aber nach meiner Erfahrung tun sich gerade etabliertere, mittelgroße Nonprofits schwer, also die, die vor kurzem gelernt haben, dass sie jemanden für die PR benötigen und mit Mühe und Not nun eine halbe Stelle dafür geschaffen haben. Kleine, rein ehrenamtliche Organisationen und die Großen sind da vermutlich flexibler…

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  3. @Annika, in meinem Interview auf KoopTech sage ich wörtlich, dass Social Media „in der Fläche“ noch nicht angekommen sind und ich denke, das wird jeder bestätigen, der sich mit dem Dritten Sektor befasst.
    Dies schließt nicht aus, dass sich zwischenzeitlich viele neue, sehr interessante Plattformen gebildet haben, die ganz selbstverständlich das Internet nutzen. Deren Gründung und Existenz habe ich durchaus „mitbekommen“, habe auch schon öfters über diese Plattformen gebloggt und bin mit Helpedia durch die Nonprofit-Blogparade verbunden. Also es ist nicht so, dass ich blind durchs Netz gehen würde…….

    Bei meinen Analysen konzentriere ich mich aber auf den etablierten wohlfahrtsverbandlichen Bereich. Die freie Wohlfahrtspflege betreibt fast 99.000 Einrichtungen und Dienste, bietet 3,6 Mio. Betten/Plätze und hat rund 1,4 Mio. Beschäftigte, – das sind rund 4% aller Erwerbstätigen. Sie sehen, dies ist ein großer, bedeutender Sektor. Und eben diese verbandlichen Akteure sind in der Regel im Internet noch nicht besonders aktiv. Sie nehmen – ebenso wie viele andere kleinere Nonprofits – noch nicht aktiv an den Diskussionen der InternetCommunity teil und nutzen das Netz noch zu wenig für den Dialog mit den Stakeholdern, für Kampagnen, für die eigene Öffentlichkeitsarbeit. Ich bedauere das sehr, weil ich mir wünschen würde, dass die Themen dieser Träger, die den Großteil der sozialen Dienste in unserem Land anbieten, stärker in die öffentliche Diskussion rückten.

    Die Plattformen, die Sie erwähnen, leisten viel Positives, aber sie bilden nur einen Ausschnitt des Nonprofit-Sektors und – im Vergleich zur freien Wohlfahrtspflege – noch einen sehr kleinen. Wenn das Social Web bei den Nonprofits in der Fläche ankommen soll, dann müssen eben diese großen etablierten Träger mit all ihren tausenden von Einrichtungen dabei sein. Nur dann wird man wirklich davon sprechen können, dass der Nonprofit-Sektor im Netz angekommen ist.

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  4. Opennetworx.org ist eine interessante Möglichkeit für Nonprofit-Organisationen sich zu vernetzten. Opennetworx biete die Möglichkeit sehr einfach, kostenlos und werbefrei(finanziert sich wie Wikipedia über Spenden) eigene Soziale Netzwerke zu gründen. Für NGOs/NPOs ist die Plattform besonders interessant, da die User und Organisationen(Netzwerke) über einen Metakontext miteinander verbunden bleiben und sie so die Möglichkeit haben sich(die Netzwerke) sehr leicht miteinander zu vernetzen und so besser/stärker zu kooperieren.

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  5. Das Fundraiser-Magazin wird sich in seiner aktuellen Ausgabe mit dem Thema „Fundraising 2.0“ beschäftigen. Dankenswerter Weise auch mit Beiträgen von Brigitte Reiser, Kai Fischer und anderen Praktikern der Szene.
    Das Non-Profits Web 2.0 -Angebote noch wenig nutzen, liegt aus meiner Sicht nicht nur an dem Kontrollverlust sondern auch an dem Erfolgsdruck. Fundraising hat sich hierzulande auch schwer durchgesetzt, weil dessen Erfolge eben Zeit und Investitionen brauchen. Bei Web 2.0 sehe ich das ähnlich. Aber nach meinen Recherchen steht der Verein in zehn Jahren nicht mehr im Handelsregister sondern funktioniert als Community im Netz.
    Eine schöne Web 2.0-Spielwiese von Greenpeace Schweiz übrigens unter:
    http://www.lovepeace.ch
    Sogar mit Mitgliederwerbung per I-Phone.

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