Digitalisierung des Alltags und praktische Helferlein

Digitalisierung des Alltags und praktische Helferlein

Der Wochenrückblick zu Netzthemen, Online-Marketing und PR

Ja, ja, das Ding mit der Digitalisierung ist nichts Neues. Trotzdem: Spannend – für mich übrigens oft auch abschreckend – wird es immer, wenn es neue Verknüpfungen digitaler Instrumente mit dem Alltag gibt. Vieles kann natürlich sehr praktisch sein und auf eine Menge Gegenliebe stoßen. Doch was ist mit jenen, die in Ruhe gelassen werden möchten? Darüber werden wir sicher noch öfter reden müssen. Bis dahin habe ich unter anderem noch eine Menge Links zu praktischen Fragen rund um Online-Marketing und -PR.

Gesichtserkennung: Re-Targeting in Real Life?

Die russische App FindFace kann mit Hilfe von nur einem Foto, das auf der Straße entstanden ist, Menschen im (Social) Web wiederfinden. In Russland wird dies wohl schon mit dem Facebook-Pendant VK verwendet, schreibt der Spiegel. Klar, die Macher haben nur Gutes im Sinn: Besseres Dating. Für mich wird Dating da zum Stalking, wenn man beliebige Menschen auf der Straße (oder beim romantischen Sonnenuntergang) fotografieren und kurz darauf mit einer Nachricht im Social Network beglücken kann. Und ebenfalls klar: Da gibt es Millionen weiterer Anwendungsideen – und ganz ehrlich – ich finde keine wirklich gute dabei: Denken wir an Menschen, die Feste oder Demos besuchen. Nicht viel besser: Reales Retargeting. Darüber haben die Macher von FindFace bereits nachgedacht, auf dass Ladenbesitzer Interessenten, die nicht zu Kunden geworden sind, gleich mit einer Nachricht beglücken können. Wo ist da nochmal gleich das Opt out?

Ok, Google

In dieser Woche hatte Google seine Entwicklerkonferenz und eine Menge neuer Produkte vorgestellt. Ohne auf einzelne Produkte einzugehen (wer sich für diese interessiert, hier entlang): Bei mir sind drei Botschaften vor allem angekommen:

  • Google will die Kommunikation in professionellen oder privaten Teams verbessern helfen;
  • Google will in unseren Wohnungen und wo auch immer wir sind, allgegenwärtig sein – Suche und Assistenz kommen ins Real Life;
  • Google will dem offenen, mobilen Web einen Entwicklungsschub geben.

In allen Bereichen positioniert sich das Unternehmen dabei gegen andere Riesen, die dort längst schon aktiv sind – etwa Amazon, Facebook, Apple – oder relativ neue Akteure, die ihrem Feld bereits rasant wachsen – so wie Slack. Mein Eindruck ist, dass die Claims noch nicht vollkommen abgesteckt sind und ein Riese wie Google in diesen Feldern etwas erreichen kann. Wobei: Bei den Messengern bin ich skeptisch. Egal: Die Hauptsache dürfte für Google das Absichern des offenen Web sein: App-Inhalte auch für Nicht-Nutzer zugänglich zu machen und Mechanismen zu bringen, die Websites auch mit schlechter Netzqualität richtig schnell laden zu lassen, ist sicher besonders verdienstvoll. Jeff Jarvis jedenfalls ist beeindruckt:

„With the Progressive Web App, Google is making it possible for users to love web sites again. Thus Google strengthens the web site and the open web itself.“

Hatte ich dies oben als „verdienstvoll“ bezeichnet? Das ist natürlich doppeldeutig – schließlich verdient ja Google durch das Vermarkten im offenen Web sein Geld, hauptsächlich jedenfalls. Und es ist vor allem die Werbung anderer Vermarkter, die (mobile) Websites oft elend langsam machen.

In Kürze

  • Weil wir grade bei Werbung waren: Das New York Magazin geht gegen Werber vor, deren Anzeigen zu viel Ladezeit kosten. Endlich macht das mal jemand, möchte man sagen, schließlich schaden lange Ladezeiten der Sichtbarkeit bei Google und nerven vor allem User, die echten Content möchten und sich im Klaren darüber sind, dass mit langen Ladezeiten oft auch (Re-)Targeting verbunden ist.
  • Fakten, Fakten, Fakten: PR Suisse hat drei Online-Plattformen gefunden, auf denen Studien zu Marketing und Kommunikation gesammelt werden.
  • Im Hootsuite-Blog gibt es sechs Social Media-Templates, die Praktikern die Arbeit erleichtern können (u.a. mit Vorlagen für Social Media-Audits, Strategieentwicklung, Redaktionspläne).
  • Vorsicht Abmahn-Falle: In einigen Fällen gab es in letzter Zeit Abmahnungen im Zusammenhang mit der Verwendung von Creative Commons-Fotos, und zwar wegen formaler Fehler bei der Referenzierung. iRights Info erklärt die Hintergründe und gibt Tipps.
  • Tool-Time: Mit Storyo kann man aus einzelnen Fotos kleine Multimedia-Geschichten basteln. journalism.co.uk stellt die App vor.
  • Influencer: Bei Leitmedium gibt es eine Geschichte, die Marketingleuten die andere Seite zeigt – die Situation von Profi-Bloggern, speziell Eltern-Bloggern. Anlass für den Artikel: Die Betreiberin eines der größten deutschsprachigen Elternblogs hat die virtuelle Tür geschlossen. Wegen Burnouts.

Videos mit Emotionen

Abschließend zwei Beispiele, die zeigen, wie wertvoll Bewegtbild ist, um Emotionen zu wecken: Die Schweizer NGO Pro Infirmis thematisiert mit ihrer aktuellen Kampagne Angststörungen. Hier das wie ich finde sehr gut gelungene Video:

 
Ein zweites Lieblingsvideo diese Woche ist „Wir sind das Grundgesetz“, (Meedia-Bericht) das zwar auf Youtube keine riesige Abrufzahlen hat, sich aber vor allem über Facebook ziemlich erfolgreich verbreitet hat. A propos Videos auf Facebook: Ideal ist’s, wenn sie ohne Ton funktionieren, zu 85 Prozent werden diese nämlich lautlos konsumiert.

 

Lesetipps zu Journalismus und Onlinekommunikation

In diesen Lesetipps geht es um drei Schwerpunktthemen: Kampagnen im Journalismus, Storytelling in der PR und eine Diskussion zur Zukunft von Social Networks. Hinzu kommen eine Menge Tipps zu weiteren Lesegeschichten, zu Tools und neuen Entwicklungen in der Onlinekommunikation.

Ok, ganz so formvollendet kommen meine Lesetipps nicht.
Ok, ganz so formvollendet kommen meine Lesetipps nicht.

„Lesetipps zu Journalismus und Onlinekommunikation“ weiterlesen

Google+: Communities lohnen einen genaueren Blick

Die Diskussion um Google+ versus Facebook brandet ja seit eh hin und her. Hieran will ich gar nicht anknüpfen, sondern nur ganz kurz nach einem ersten Blick auf die neue Funktion der Communities aus Kommunikationssicht erklären, warum das Ganze sehr interessant sein kann – vorausgesetzt, Google+ ist für eine Organisation oder ein Unternehmen überhaupt interessant.

Screenshot: Community-Bereich bei Google+
Screenshot: Community-Bereich bei Google+

Ehrlich gesagt bin ich ja selbst ein bisschen erstaunt, aber so viel wie in den letzten Tagen war ich bisher noch nicht in Google+. Das liegt unter anderem daran, dass ich ein bisschen mehr mit Seiten herumgespielt habe. Insofern kam es mir sehr gelegen, dass ich seit heute früh mit meinem Account schon die neue Community-Funktion nutzen kann. Google nennt übrigens Community, was bei Facebook Gruppe heißt – wobei Google mit der Bezeichnung tatsächlich recht hat. Und das macht es spannend für Kommunikationsleute, finde ich.

Welche Besonderheiten sind mir also bei den neuen Communities aufgefallen?

  1. Ich kann als Betreiber einer Seite Communites aufmachen. Das geht bei Facebook nicht, sondern muss separat gelöst werden.
  2. G+-Communities können durch verschiedene Themen strukturiert werden. Damit gleicht das Ganze eigentlich Foren.
  3. Ebenfalls wie in Foren gibt es Moderationsmöglichkeiten, so dass User ggf. gebannt oder hochgelevelt werden können.
  4. Bei offenen Communities kann festgelegt werden, ob jeder automatisch Mitglied werden kann oder ob ein Moderator freischaltet.
  5. Der Community-Aufbau ausgehend von einer (Unternehmens-)Seite erfolgt der selben Regel wie das Gewinnen von „Fans“: Als Moderator kann ich direkt offensichtlich nur Leute einladen, die meine Seite ohnehin schon geplust haben. Dies ist sicher ein guter Spam-Schutz, denn natürlich können bei öffentlichen Communities Nutzer natürlich einfach von sich aus Mitglied werden.
  6. [Ergänzung, 18.00]: Es gibt für Communities auch Statistiken, die sehr hilfreich erscheinen. U.a. kann man identifizieren, welche Mitglieder sehr aktiv sind oder zu welchen Zeiten die Community besonders lebendig ist.
  7. Was mir weniger gefällt: Bin ich Mitglied einer Community, erscheinen die Posts ganz normal in meinem Stream. Das bedeutet, als Nutzer muss ich die Community so sinnvoll einem Kreis zuordnen, dass die Beiträge daraus nicht untergehen. Meinem Geschmack entspräche eher, wenn ich wie bei Facebook meine Communities/Gruppen automatisch separat angezeigt bekäme (zumindest ist das meine erste Wahrnehmung dazu)

Was könnte das für das Kommunikationsmanagement bedeuten?

Aus meiner Sicht ist besonders die enge Verknüpfung der unterschiedlichen Funktionen bei Google+ für Unternehmen und Organisationen spannend. Während ich bei Facebook nur Fans auf einer Seite sammeln kann (ok, diskutieren kann ich dort zu den Posts auch), bietet Google+ ergänzend echte Communities, so dass man dort beispielsweise bestimmte Kommunikationsaufgaben direkt lösen kann, die nicht auf der vielleicht PR-lastigen Seite stattfinden sollen. Ich denke da z.B. an Kundensupport. Bei Facebook besteht ja häufig das Problem, dass hierfür entweder spezielle aufwändige Anpassungen oder gar mehrere Seiten für unterschiedliche Kommunikationsaufgaben benötigt werden. Zu dieser erwähnten engen Integration zähle ich auch die Hangouts. Insgesamt hat Google+ von der nackten Funktionalität her für mein Empfinden gegenüber Facebook Vorteile.

Sehr praktisch erscheint mir zudem, dass unter Unternehmensseiten auch versteckte Communities möglich sind, so dass sich in einer solchen geschlossenen Gruppe beispielsweise Moderatoren der Seite austauschen und dazu verschiedene Tasks (z.B. To do, Themenplan, Abstimmungsbedarf) organisieren können. Viele weitere Anwendungsmöglichkeiten gibt es sicher im Projektmanagement.  Das werden wir uns in einem kleinen Team in nächster Zeit mal ausführlicher anschauen und darüber berichten.

Doch bei aller Begeisterung für zusätzliche schicke Funktionen: All dies bringt natürlich nur etwas, wenn man eine Gesamtbetrachtung macht, die Kommunikationsstrategie steht, die richtigen Zielgruppen auf der Plattform sind etc. Aber immerhin: Beobachten sollten wir immer, wie sich neue Funktionen auf den Nutzerkreis und die Nutzungsgewohnheiten auf einer Plattform auswirken.

Weitere Eindrücke und Screenshots gibt’s bei Cashy und bei Basic Thinking.

Lesetipps zum Wochenende (KW 24)

Heute mal wieder am Samstag, die Lesetipps. Es gab wieder einige interessante Diskussionen. Wie meist, versuche ich die sehr ausführlich geführten hier nicht mehr aufzugreifen. Ein, zwei Themen hebe ich mir noch auf – in der Hoffnung, diese ausführlicher behandeln zu können. Also los:

PR-Praxis

  • Google+: 950.000 Follower auf Google+ – irgendwas macht H&M anscheinend ziemlich gut. Ein paar nähere Infos dazu gibt es bei t3n.
  • Kritik: Klaus Eck hat analysiert, wie die Telekom mit Kritik an einem neuen Produkt umgeht. Fazit: Im Web sehr souverän reagiert, die Ursache der Kritik war aber wohl im eigenen Haus zu suchen – in der Pressestelle, die offensichtlich nicht klar und rechtzeitig kommuniziert hat.
  • Ängstlichkeit: Ich verstehe ja, dass Gründer von Start-ups PR nicht gelernt haben. Deshalb ist der Hinweis von Basic Thinking sehr hilfreich: Gründer, die meinen, sie müssten Texte von Bloggern oder Journalisten vorab nochmal lesen, schaffen damit oft, dass über ihre tolle Geschäftsidee einfach nicht berichtet wird. Aber die Gründer sind mit ihrer Angst vor „falscher“ (oder geht es um freie?) Berichterstattung nicht allein: Auch ZDFneo-Senderchefin Simone Emmelius wollte laut taz Zitate aus einem Pressegespräch autorisieren lassen. Wenden wir uns peinlich berührt einem anderen Thema zu:

PR-Qualifikation

  • Nach einigen Beiträgen (auch hier im Blog) zum Thema Qualifikation und Berufseinstieg in die PR hat mit Ulf-Hendrick Schrader ein Arbeitgeber den Ball aufgenommen und für die PR-Fundsachen, dem Blog meiner Studenten, einen Gastbeitrag geschrieben. Tenor: Es kommt auf die einzelne Person an, und was die in der PR zu leisten vermag, könne man nur „on the job“ erkennen. Außerdem müsse sich zeigen, inwieweit jemand es schaffe, das Wissen aus der Hochschule in die Praxis zu transferieren. Irgendwie scheint mir, dass es noch große Mißverständnisse zu praxisorientierten Studiengängen gibt.

Digitales

  • Polizeibeobachtung: In New York hat eine NGO eine App vorgestellt, mit der Passanten empfundenes Polizeiunrecht festhalten und an die NGO melden können.
  • Social Media Trend Monitor: news aktuell hat die neuesten Zahlen vorgestellt. Befragt wurden knapp 3.000 Journalsiten und PR-Leute. Ein paar Aspekte daraus: inhaltlich sind Fotos und Videos besonders wichtig, Ziele sind vor allem Imagepflege, Kundenbindung und Bekanntheit, und zur Erfolgsmessung wird noch sehr quatitativ gedacht.

Hier die Präsenation:

 

Lebenshilfe

  • Wie bewahrt man den Überblick über verschiedene Projekte, die naturgemäß von unterschiedlichen Teams bearbeitet werden? Ja, dazu gibt es viele Tools. Bei Lifehacker wird erklärt, wie man den ganz einfachen Google Kalender hierfür nutzen kann.

Lesetipps zum Wochenende (KW 23)

Morgen früh möchte ich mit meinen Studenten wieder besprechen, was sich in der PR- und Social Media-Welt in den vergangenen Tagen so getan hat. Ein paar dieser Themen bereite ich mal in den Lesetipps auf und bin gespannt, auf welche die Studenten noch kommen. Wer nur meine nachbetet, hat seinen Job nicht gemacht ;)

Vorsicht, ungesund. Noch ein Fundstück am Wochenende.

PR und Management

  • So kann man Transparenz schaffen: Der Grünen-Abgeordnete im Europaparlament Sven Giegold listet auf, mit welchen Lobbying-Organisationen er wann zu welchem Thema Gespräche geführt hat.
  • PetaXXX – oder: Sex sells. Nach dieser Devise laufen Kampagnen der Tierschützer von Peta schon lange. Jetzt begeben sie sich direkt in den virtuellen Rotlichtbezirk und die Netzpiloten erklären das Ganze.
  • Human Resources sind nach derzeitigem Konzept kontraproduktiv, meinte Heiko Fischer bei TEDx vor einigen Monaten. In einem Interview konkretisiert er. Fazit: Unternehmen sollten nicht nur auf Gewinn achten, sondern auf gesellschaftlichen Gewinn und damit verbunden die Unternehmenskultur so ändern, dass Mitarbeiter nicht Befehlsempfänger sind, sondern sich verwirklichen könnten. Klingt für PR-Ohren nicht gerade fremd.
  • Mal ein kleines, Pinterest-taugliches Fallbeispiel: Die Allianz setzt im Personalmarketing eine Infografik ein.
  • Blogger Relations: Skoda ist in den letzten Wochen häufig Thema von Autobloggern gewesen. Sebastian Bauer (passiondriving.de) lobte im Interview mit w&v Skodas offenen Dialog mit Bloggern und betont die Bedeutung der Autoblogger, die sich in den letzten Jahren etabliert haben. (Disclosure: Als Sparringspartner diskutiere ich gelegentlich mit den Verantwortlichen von Skoda deren Social Media-Strategie.)

 

Social Media und Internet

Studien

  • Facebook, Youth and Privacy in Networked Publics: Die in den USA durchgeführte Studie zeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene in sozialen Netzwerken weit weniger unbedarft sind als es manche Medienberichte glauben lassen. Vielmehr ist klar zu erkennen, dass sie sich mit Fragen der Privatsphäre beschäftigen und überwiegend deutlich striktere Einstellungen zur Privatsphäre (z.B. auf Facebook) vornehmen.
  • Reputation: BMW an der Spitze. Das Reputation Institute hat ein aktuelles globales Ranking vorgestellt. Reputationsfaktoren sind unter anderem, ob man sich vorstellen kann, bei einer Firma zu arbeiten, ob man sie im eigenen Netzwerk haben möchte und klar: Der mögliche Kauf und die Empfehlung sowie ein mögliches Investment werden auch einbezogen.

Lebenshilfe