Wissensmanagement: Refind entwickelt Social Bookmarking weiter

Täglich stolpern wir über spannende Links, auf die wir einmal wieder zurückkommen möchten. Die kann man natürlich im Browser als Lesezeichen speichern. Oder man nutzt Social Bookmarking und gibt seine Fundstücke öffentlich frei und entdeckt selbst bei anderen interessante Links. Mit Refind gibt es in diesem Feld nun ein neues Angebot, das spannend ist, weil die klassischen Anbieter wie diigo zwar still und freundlich funktionieren, aber in letzter Zeit nicht mehr sehr innovativ waren. Erste Eindrücke eines Dienstes, der das Entdecken von Informationen und das persönliche Wissenesmanagement unterstützen kann.

Social Bookmarking: Qual der Wahl

Als das damals so genannte Web 2.0 zu seinem Hype Anlauf nahm, zählte Delicious wohl zu den populärsten Diensten – mittlerweile ein eher scheintoter Service. Wie viele andere auch bin ich vor Jahren umgezogen – manche zum Beispiel zu Pinboard; ich bin bei diigo gelandet. Insgesamt gibt es natürlich etliche Social Bookmarking-Dienste, die sich in manchen Details unterscheiden: Das Search Engine Journal listet mehr als 50 Social Bookmarking-Services auf. Die typischen Basisfunktionen sind das Speichern von Links mit Hilfe von Bookmarklets; abgelegt werden dann Headline und Beschreibung des Links, und natürlich gehört eine Verschlagwortung mit Tags dazu. Manche Dienste erlauben auch die Entscheidung, ob der Link privat für mich oder öffentlich abgelegt werden soll. Die Grundidee besteht natürlich darin, Links öffentlich zu speichern, so dass andere sie auch entdecken können. Diigo bietet zusätzlich auch die Option, Links in Nutzergruppen abzulegen und auf Websites Sticky Notes (die man nur selbst sieht) zu hinterlassen. All dies ist meist kostenlos. Wer sicherheitshalber Kopien von Websites gespeichert haben möchte, muss üblicherweise bezahlen, besonders günstig erscheint mir da Pinboard mit derzeit 11 $ im Jahr. Und während sich diigo in den letzten Jahren praktisch nicht weiter entwickelt hat, bietet Pinboard beispielsweise auch die Möglichkeit, eigene Tweets zu archivieren oder Favoriten aus Diensten wie Pocket zu importieren. An dieser Stelle geht jetzt Refind weiter.

New Kid in Town: Refind

Was genau bietet nun Refind, und was macht es anders als bisherige Dienste? Zunächst: Das Ganze ist noch relativ neu und man bekommt seinen kostenlosen Account (bisher?) nur auf Einladung. Diesen Mechanismus kennen wir ja von vielen neuen Diensten. Ich habe für interessierte Leserinnen hier mal eine Einladung, die 24 Stunden gültig ist (also bis 2.7.16, 10 Uhr).

Betrachtet man die dort abgelegten Bookmarks, so gibt es drei verschiedene Ansichten – die reine Liste, die klassische Ansicht mit Teaser oder eine erweiterte Ansicht, die sich erst auf zweiten Blick von Feeds in anderen Social Networks unterscheidet. Hübsch daran: Wie bei Medium oder Facebook wird neben Überschrift, Teaser und Tags auch ein Bild angezeigt. Praktisch: Refind zeigt die geschätzte Lesezeit eines gespeicherten Artikels an. Insgesamt dient der Dienst einerseits natürlich der Ablage eigener Links, andererseits betont er stärker als manche andere Anbieter den Netzwerkgedanken: Wer Refind aufruft, bekommt als erstes den Bookmark-Feed der Leute, denen man folgt, angezeigt. Jeder Link ist gleich mit einem Button zum Speichern im eigenen Archiv versehen.

Refind-Stream1
Ausführliche Ansicht eines Bookmarks

So weit, so gut – nach Highlights klingt das noch nicht. Es gibt aber ein paar besondere Funktionen bei Refind:

  1. Integration: Im Gegensatz zu Diigo muss ich keine mühsame Webautomation mit IFTTT bemühen, um bei Twitter geteilte Links oder Likes bei Pocket direkt ins Bookmark-Archiv zu bekommen; dies kann ich stattdessen direkt in den Refind-Einstellungen aktivieren.
  2. Verteilen: Wer’s mag, kann seine Schätzchen beim Speichern auch gleich vertwittern bzw. in anderen Services verbreiten.
  3. Newsletter: Man kann anderen Nutzern seine Links automatisch als Newsletter zusammenstellen lassen. Diese Newsletter werden per E-Mail täglich oder wöchentlich verschickt.Ich habe dies gerade erst ganz frisch angelegt, wer neugierig ist, kann meinen Newsletter gern mal probeweise abonnieren. Praktisch: Als Abonnent benötigt man keinen Refind-Account.
  4. Alerts: Sucht man innerhalb von Refind etwas, kann man diese Suche als Alert speichern und bekommt eine Mail, wenn ein entsprechender Link von einem User gespeichert wurde (maximal einmal am Tag).
  5. Reminder: Wenn man weiß, dass man einen Link zu einer bestimmten Zeit – etwa zum Vorbereiten eines Vortrags – wieder braucht, kann man beim Abspeichern schon einen Reminder für diesen Link setzen.
  6. Read later: Sobald man einen Link speichert, hat man die Möglichkeit, ihn zu markieren, um ihn dann in einem eigenen Bereich – seiner aktuellen Leseliste – angezeigt zu bekommen. Sehr schick: Falls man den vorgemerkten Link dennoch vergisst, bekommt man nach ein paar Tagen eine schlaue Erinnerungsmail: Man kann dort anklicken, dass man den Artikel nun gelesen hat – oder nochmal erinnert werden möchte.
  7. Mobil: Klar, es gibt Apps.

Ein paar weitere Funktionen – etwa Statistiken – empfinde ich eher als Spielerei. Wer sich genauer für die einzelnen Funktionen interessiert, findet diese im Blog von Refind beschrieben.

Mein Eindruck

Refind ist für meinen Geschmack ziemlich schick gemacht und bringt ein paar Funktionen, die andere nicht haben. Gerade das Entdecken von Links im eigenen Netzwerk geht sehr bequem und ist natürlich spannend. Refind gelingt es aus meiner Sicht, die eigentliche Idee des Social Bookmarkings, also den sozialen Aspekt, wieder stärker zu betonen.

Die Newsletterfunktion setzt dies fort und bildet die Brücke vom Wissensmanagement zum digitalen Kuratieren – und zwar per Push-Kommunikation. Ob solche Newsletter für viele Nutzer interessant sind, muss man mal abwarten. Ich kann mir selbst nicht vorstellen, mehr als einen oder zwei zu abonnieren, aber den Kurator richtig ausgewählt, könnte das interessant sein. Vor allem stelle ich immer wieder fest, dass viele Praktiker und Studierende manchmal froh wären, einen so niederschwelligen Dienst wie einen Mail-Newsletter nutzen zu können – auch wenn es mit Flipboard, Pocket etc. viele andere Optionen gibt, Lesetipps zu beziehen.

Schade finde ich dagegen, dass RSS-Feeds bei Refind offenbar komplett gekillt sind. Bei diigo habe ich einzelne Tags direkt als Feed abonniert, ebenso die Bookmarks anderer Nutzer. Aber vermutlich wird RSS den meisten Leuten kaum fehlen und die Newsletterfunktion sowie die Alerts kompensieren dies und sind für die meisten Nutzer vermutlich bequemer. Was Refind auch nicht bietet: Das Erstellen einer dauerhaften Kopie einer Website (ich habe das eigentlich noch kaum mal gebraucht).

Nach wie vor ist Social Bookmarking für viele Webworker vollkommen unverzichtbar, insgesamt jedoch war es schon immer eine Nischenanwendung. Mein Eindruck ist, dass es sich für vor allem für diejenigen lohnt Refind genauer anzuschauen, die bisher einen solchen Dienst noch nicht nutzen. Gerade durch die angesprochenen Integrationen und die Kombination aus einfachem Monitoring, Wissensmanagement und Kuratieren kann ich mir vorstellen, dass einige Nutzer das Tool als bequemes Universalwerkzeug empfinden und sich sparen können, für alltägliche Workflows mehrere Tools zu nutzen.

Und was mach‘ ich jetzt?

Und wie gehe ich künftig mit Refind um? Als Heavy-User von Social Bookmarking bleibe ich erst mal bei meinem Workflow und bei diigo als zentralem Speicher meiner Links und der verschiedenen IFTTT-Rezeptchen. Wer wechseln möchte: Es gibt für einige Dienste (und Leselisten im Browser) Importfunktionen.

Auch auf Pocket als Read-it-later-App möchte ich erst mal nicht verzichten, zumal ich dort die mir wichtigen Artikel auch offline lesen kann, also etwa, wenn die Bahn mal wieder zwischen Funklöchern flitzt.  Ich habe jedoch Refind so eingestellt, dass der Service mehr oder weniger das selbe macht wie diigo: Auf Twitter geteilte und geherzte Links sowie Favoriten von Pocket wandern zu Refind. Und alle paar Tage schaue ich mal, was ich in meinem Refind-Netzwerk so entdecken kann. Bis auf Weiteres.

 

 

Lesen, speichern, finden: mein täglicher Workflow

Lesen, speichern, finden: mein täglicher Workflow

Kurz nach Ostern beginnt das neue Semester, und dann wird eine neue Studentengruppe mit mir die aktuellen Diskussionen in PR, Marketing und Onlinekommunikation verfolgen, und über die PR-Fundsachen werden die Studies sich daran beteiligen, wie ich es neulich in meinem Zwischenfazit zu zehn Jahren Bloggen in der Lehre angekündigt habe. Dies setzt natürlich entsprechende Abläufe voraus. In diesem Artikel geht es um ein paar grundsätzliche Überlegungen dazu. Zudem stelle ich meinen täglichen Workflow vor, um Up-to-Date zu bleiben und vor allem, um später mit besonders wichtigen Beiträgen weiter arbeiten zu können. Sicher hat jeder Webworker seine eigenen Abläufe, aber vielleicht steckt für manche Leser der ein oder andere hilfreiche Baustein drin. Und natürlich freue ich mich auf Hinweise, wie man noch reibungsloser mit den Informationsströmen mitschwimmen kann. Denn mit solchen Arbeitsabläufen kann man eigentlich nie zufrieden sein, muss sie laufend anpassen.

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Plague: Eindrücke von der App für virales Verbreiten

newsDiese Woche habe ich ein bisschen mit Plague gespielt. Eine recht neue App, die in den vergangenen Tagen an einigen Stellen schon besprochen wurde. Ihr Ziel: Spielerisch Inhalte weitergeben an die vier geographisch nächsten Nutzer – gleich einem Virus. So weit, so klar, Zeit für ein paar Innenansichten. Kurz zusammengefasst: Im Moment ein nettes Spielzeug, das aber durchaus das Potenzial hat, mehr zu sein – vom Testballon für Inhalte bis zum Turbo für Aufreger und andere Emotionen.

Hinweis (13.12.2014): Inzwischen hat sich die Nutzung von Plague zum Teil schon verändert. Und durch ein hervorragendes Community Management der Entwickler erfahren die Nutzer viele Tricks und v.a. einige ihrer Pläne. Ich habe den Artikel deshalb meinem aktuellen Wissensstand angepasst.

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WhatsApp zur News-Verbreitung und in Marketing und Kommunikation

Alle paar Monate kommen neue Zahlen zur Facebook-Nutzung Jugendlicher. So auch dieser Tage, diesmal die repräsentative JIM-Studie. Siehe da: Die ganz jungen Nutzer bleiben zwar dem Herrn Zuckerberg treu, aber sie mögen halt vor allem WhatsApp (und Instagram) im Vergleich zu Facebook immer lieber. Klar, dass Journalisten, Marketing- und Kommunikationsleute seit einiger Zeit schon überlegen und probieren, was sie mit WhatsApp oder anderen Messengern anstellen könnten. Ich habe mal ein paar Infos dazu zusammengetragen.

Immer dabei: Mobile Messenger wie WhatsApp. (Flickr-Bild: microsiervos, Lizenz: CC BY 2.0)
Immer dabei: Mobile Messenger wie WhatsApp. (Flickr-Bild: microsiervos, Lizenz: CC BY 2.0)

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