Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 3: Was PR-Leute tun könnten

Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 3: Was PR-Leute tun könnten

In den ersten beiden Teilen (1 | 2) meiner Artikelserie ging es um die Veränderung der politischen Öffentlichkeit und wie sich Populismus festsetzen konnte. In der PR-Branche wird seit kurzem intensiver zu zwei Aspekten diskutiert: Vertrauen  und Lügen (meist wird der Begriff “Fake-News” verwendet). Doch wie können wir – und dabei denke ich vor allem an Kommunikationsprofis – zur Lösung beitragen?

Die Sache ist komplex. Die Gefahr, sich zu verheddern, ist groß. Auf der anderen Seite bin ich überzeugt: In Zeiten wie diesen müssen alle, denen an Freiheit, Gerechtigkeit und Zusammenhalt in einer Demokratie liegt, für sich überlegen, was sie dafür tun können. Das gilt besonders für alle, die Mitverantwortung für die öffentliche, aber auch organisationsinterne Kommunikation tragen. Außerdem sollte es eine Ehrensache sein: Wer, wenn nicht Kommunikationsprofis sollten im Stande sein, einen Beitrag zu leisten?

„Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 3: Was PR-Leute tun könnten“ weiterlesen

Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit

Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit

Trump und andere Populisten sehen sich im Krieg mit den Medien. Und sie setzen auf Polarisierung. In drei Blogposts möchte ich ein paar Diskussionsstränge zu (digitaler) Öffentlichkeit aufgreifen und am Ende ein paar Vorschläge machen, was Marketing- und PR-Leute tun könnten.

Gefühlt habe ich mich durch Dutzende Artikel und Interviews gefressen, die sich mit Veränderungen der (politischen) Öffentlichkeit beschäftigen und Wege zu Populisten wie Trump nachzeichnen. Viele Auswege aus dieser dunklen Gasse scheint es noch nicht zu geben. Auf ein paar ausgewählte Artikel beziehungsweise ein neu erschienenes Buch zu desinformierten Bürgern im Netz möchte ich in meiner Mini-Serie eingehen.

„Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit“ weiterlesen

Daten, Algorithmen, Ethik und CSR

Lesetipps zum Wochenende (KW 22)

Höchste Zeit, mal zwischen den spannenden Abschlussarbeiten, die ich gerade lese, aufzutauchen und ein paar Lesetipps zusammenzufassen.

Schnappschuss von der mediale*, der von Studenten organisierten Werkschau unseres Fachbereichs Media.

Adidas sucht nach neuen Wegen des Lernens und Zusammenarbeitens. Ziel ist, eine Corporate University zu gründen, die den veränderten Rahmenbedingungen in Zusammenarbeit, Wissensaustausch und Lernen gerecht wird – kurz: Das Ganze soll das Potenzial der Generation Y sinnvoll nutzen. Um das Thema zu diskutieren, wurde ein Blog Carnival gestartet. Ich war mir ehrlich gesagt am Anfang nicht so sicher, wie gut dieser funktionieren würde. Tatsächlich haben sich einige Berater gemeldet, die vor allem auf sich aufmerksam machen wollten, aber es gab einige sehr spannende Kommentare und Posts – und einiges Lob. So betonte Karlheinz Pape:

Ich kenne ich bisher noch keinen so offenen Prozess der Konzeptentwicklung für eine unternehmensinterne Funktion.“

Besonders bemerkenswert fand ich, dass sich innerhalb kurzer Zeit David Weinberger (Cluetrain-Manifest und so) mit einem Videostatement zu Wort gemeldet hat. Er nannte drei Erfolgsfaktoren für die Wissensgesellschaft: Das Teilen von Informationen und Ideen, ihre Anreicherung durch Iteration und einen offenen Lernprozess.

Kleine Ergänzung zum Thema: Aus meiner Sicht sollte sich eine erfolgreiche Corporate University als Hub positionieren und nach innen und außen vernetzen – auch mit Hochschulen (an sich keine neue Idee, wurde aber in diesem Zusammenhang noch wenig thematisiert).

In diesem thematischen Umfeld haben wir (einige meiner PR-Studenten und unsere Partner EWIK und WUS) uns ja mit unserer Konferenz Globales Lernen digital bewegt, in der wir mit etwa 50 Teilnehmerinnen – vorwiegend von NGOs, aber auch Lehrern und Studenten – diskutiert haben, wie Social Media den Prozess des Globalen Lernens unterstützen können. Dabei geht es vor allem um das Verstehen globaler Zusammenhänge (u.a. ökonomisch, ökologisch, sozial). Einen ersten Rückblick gibt’s dank Storify, die Studenten bereiten nun ein eBook vor, um auch die Materialien und ein paar weitergehende Ideen aufzubereiten.

Und noch ein paar kurze Verweise auf weitere tolle Beiträge:

Vorträge:

Tools:

Beruf:

Projekte:

Studien:

  • Edelman hat die Goodpurpose-Studie vorgestellt. Erkenntnisse: Die Deutschen engagieren sich mehr den je für’s Gemeinwohl und sind mit dem Engagement der Unternehmen unzufrieden.
  • An der North Carolina State University wurde die Twitter-Kommunikation nach der Katastrophe von Fukushima analysiert. Erkenntnisse: Twitter beschleunigt die Kommunikation, aber die Menschen orientieren sich an den Mainstream-Medien – alternative Quellen wurden also kaum besser zugänglich.

Lebenshilfe:

  • Fußball-EM oder so: Wie öffnet man eine Bierflasche mit einer Zeitung? Lifehacker hilft.

Trust Barometer 2008: Vertrauensselige Jugend und Kommunikation in Happen

Gestern hat die PR-Agentur Edelman Ergebnisse ihrer jährlichen Studie „Trust Barometer“ vorgestellt. Mit einigem Blog-Buzz weltweit. Aber bisher noch kein deutsches Posting (bin ich wirklich Erster?). Wenn ich mir die Informationspolitik der Agentur anschaue, verstehe ich die Zurückhaltung. Aber dazu später. Erst ein paar Ergebnisse: Jüngere Befragte vertrauen Institutionen (also auch Unternehmen) eher als ältere, und das Vertrauen in NGOs ist in Europa nach wie vor größer als in Unternehmen.

Traditionell werden für die Studie so genannte Meinungsbildner in 18 Ländern befragt. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie sich das Vertrauen in Institutionen verändert. Bereits in der 2007er Studie hatte sich gezeigt, dass „a person like me“ – also Peers – das höchste Vertrauen genießen. Hieraus lässt sich eine hohe Bedeutung von Word of Mouth-Kommunikation ableiten. In der aktuellen Befragung wurde nun ermittelt, dass 85 Prozent der Befragten sowohl positive Erfahrungen mit Unternehmen wie auch negative weitergeben und diskutieren. Die Bereitschaft, als Multiplikator zu wirken, scheint also da zu sein (fragt sich nur, zu welchen Themen und unter welchen Bedingungen).

Übrigens bringt die Befragung keine guten Nachrichten für Werber: Nur 20 Prozent der Befragten vertrauen Werbung. Wobei man wahrscheinlich einschränken müsste, dass das Selbstaussagen der Befragten sind. Ob das mit der tatsächlichen emotionalen Wirkung guter Werbung übereinstimmt, ist damit noch nicht gesagt.

Etwas erstaunt hat mich die Kommunikationspolitik von Edelman, die mir doch häppchenhaft vorkommt: So wurden gestern wohl nur erste Ergebnisse vorgestellt. Gefunden habe ich eine Presseinfo und zwei Microsites (hier und dort), die offenbar von unterschiedlichen Landesgesellschaften verantwortet werden (ich bin dennoch verwirrt). Sogar einen eigenen YouTube-Kanal gibt es. Und auch Twitter wird als Kommunikationskanal genutzt (hier und da), und ja: gebloggt wird auch. Doch trotz all dieser Kommunikationskanäle: Where is the beef? Oder konkreter: Wo ist sind die sonst immer öffentlichen Präsentationen bzw. wo ist der Download der Studie? Beim dritten Hinschauen entdecke ich den kleinen Hinweis:

„The full report will be available on February 11, 2008.“

Ich verstehe diese Strategie nicht. Haben die Journalisten, die die Pressekonferenz besucht haben, die Studie auch nicht erhalten? Und kann ich in der Welt der Onlinekommunikation alle Kanäle öffnen, aber darin nur den Teaser liefern? Gut, wer sich eine dreiviertel Stunde Zeit nimmt, kann über die YouTube-Videos sicher noch ein paar interessante Details zur Studie erfahren. Aber sorry, diese Zeit habe ich nicht. Und auch keine Lust, erst darauf zu warten, bis in zwei Wochen alles zur Verfügung steht.

Nachtrag: Vielleicht bin ich ein bisschen tappig heute. Beim dritten Aufrufen der UK-Microsite entdecke ich, dass das Aufmacherbild mit einer pdf verlinkt ist, in der eine Zusammenfassung der Ergebnisse steckt. Usability?