Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit

Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit

Trump und andere Populisten sehen sich im Krieg mit den Medien. Und sie setzen auf Polarisierung. In drei Blogposts möchte ich ein paar Diskussionsstränge zu (digitaler) Öffentlichkeit aufgreifen und am Ende ein paar Vorschläge machen, was Marketing- und PR-Leute tun könnten.

Gefühlt habe ich mich durch Dutzende Artikel und Interviews gefressen, die sich mit Veränderungen der (politischen) Öffentlichkeit beschäftigen und Wege zu Populisten wie Trump nachzeichnen. Viele Auswege aus dieser dunklen Gasse scheint es noch nicht zu geben. Auf ein paar ausgewählte Artikel beziehungsweise ein neu erschienenes Buch zu desinformierten Bürgern im Netz möchte ich in meiner Mini-Serie eingehen.

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Lesetipp: Mangelnde Transparenz in der Medienarena

  • Die NZZ: „Die Medien machen die Quellen von Informationen oft zu wenig transparent. Zudem mangelt es an Klarheit hinsichtlich der Autorschaft von Artikeln. Diese Kritik formuliert das neue «Jahrbuch Qualität der Medien»“ (Schweiz).
    Im Prinzip keine überraschenden Ergebnisse: Der Anteil der Agenturmeldungen an der Berichterstattung ist (auch) in der Schweiz gestiegen. Konstatiert wird erwartungsgemäß auch ein großer Einfluss der PR auf die Berichterstattung. U.a. wird festgestellt, 40 % der Unternehmensberichterstattung werde durch PR-Aktivitäten stimuliert.
    Mir fällt es immer schwer, solche Zahlen einzuordnen. Sind 40% wirklich viel, wenn ich an Publikationspflichten und Produktmeldungen denke? Oder ist das ein erwartbarer Rahmen? Ergänzende Zahl: 400 untersuchte Presseinfos haben 515 Medienbeiträge ausgelöst. Vieles landet also im Papierkorb.
    Auffällig übrigens: Die NZZ nennt Ross und Reiter und erwähnt Medientitel, die laut Studie besonders intransparent sind.

    tags: journalismus studie schweiz transparenz

Facebook zerfleddert die (Online-)Zeitung

Viele – nicht nur Verleger – sehen in redaktionellen Online-Angeboten ja nach wie vor so etwas wie eine digitale Zeitung. Und gelegentlich verbirgt sich ja hinter einem redaktionellen Angebot im Web tatsächlich nicht mehr als die 1:1 online gestellten Print-Texte. Die Zeitung kann bekanntlich nur ganz oder gar nicht bezogen werden (abgesehen vom eher seltenen Ausreißen eines Beitrags), online wandern einzelne Texte zunehmend und werden einzeln wahrgenommen – zum Leidwesen mancher Verleger (andere sehen Vorteile darin). Nun scheint es, dass Facebook die Online-Angebote weiter zerfleddern hilft – allerdings auf Wunsch von Verlagen.

Was meine ich mit „zerfleddern“? Damit meine ich, dass längst nicht mehr üblich ist, ein journalistisches Angebot als Ganzes wahrzunehmen. Nichts Neues: Schon lange kann ich per RSS einzelne Ressorts abonnieren oder bekomme ich per Twitter oder Like-Button etc. einzelne Artikel von meinem Netzwerk empfohlen, was u.a. durch dauerhafte URLs möglich wird.

Nun aber experimentieren einzelne Medien damit, granulierte Facebook-Abos zu ermöglichen. Was ist damit gemeint? Ich kann als Leser mit Hilfe des „Like“-Buttons beispielsweise die Beiträge eines ganz bestimmten Autoren oder eine Rubrik abonnieren bzw. nach Facebook geliefert bekommen. Das ist komplementär zur Empfehlung und natürlich nicht nur für die Leser toll, sondern Verleger können damit ihre Abonnenten kennen lernen (wenn die wüssten). Und vermutlich erschließt eine solche Strategie eine andere (und größere) Klientel als RSS.

Und die PR? Können solch kleine Experimente Auswirkungen auf sie haben? Im ersten Moment schien mir das etwas gewagt. Aber ich vermute: In einem redaktionellen Umfeld, in dem Autoren und aufwändigere Rubriken noch mehr in den Vordergrund rücken, können Firmen mit Presseinfos à la „Die Version 3.2.5 der xy-Software-Suite wartet mit drei bahnbrechenden neuen Funktionen auf“ gar nichts mehr erreichen. Gut so! Mir scheint deshalb, dass der Output an Presseinfos zurückgehen wird. „Die, Press Release, die, die, die!“ hallt Tom Foremskis Ruf noch immer. Nein, sterben wird sie wohl nicht, die Presseinfo. Aber kleine Veränderungen bei den Medienangeboten könnten ihren Veränderungsprozess beschleunigen. Noch aber sind es nur wenige Medien, die auf die beschriebene Weise experimentieren, zum Beispiel der Boston Globe oder The Independent, wie ReadWriteWeb beschreibt:

Amplify’d from www.readwriteweb.com

The site announced last night that it now offers granular subscriptions by Facebook. Instead of just „Liking“ the entire site and getting all its articles pushed to your Facebook newsfeed, you can now limit your Like to particular authors and some topics on the site. I just subscribed to trailblazing journalist Robert Fisk’s Independent articles on Facebook. This might seem like a small change – but it’s not. Media sites all over the web are sure to implement this kind of feature soon.

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