Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 2: (Des-) Informierte Bürger

Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 2: (Des-) Informierte Bürger

Trumps Krieg gegen die Medien, die bewusste Manipulation ihrer Agenda und damit der Öffentlichkeit standen im vorigen Artikel im Mittelpunkt. In diesem Teil fasse ich vor allem eine kommunikationswissenschaftliche Perspektive auf die Informiertheit von Bürgern in Sozialen Medien zusammen. Die zentrale These: Besonders gefährdet für Populismus ist die „politisierte Bildungsmitte“ (Wolfgang Schweiger).

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Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit

Onlinekommunikation, Populismus und die Medien – Teil 1: Hackermentalität und Öffentlichkeit

Trump und andere Populisten sehen sich im Krieg mit den Medien. Und sie setzen auf Polarisierung. In drei Blogposts möchte ich ein paar Diskussionsstränge zu (digitaler) Öffentlichkeit aufgreifen und am Ende ein paar Vorschläge machen, was Marketing- und PR-Leute tun könnten.

Gefühlt habe ich mich durch Dutzende Artikel und Interviews gefressen, die sich mit Veränderungen der (politischen) Öffentlichkeit beschäftigen und Wege zu Populisten wie Trump nachzeichnen. Viele Auswege aus dieser dunklen Gasse scheint es noch nicht zu geben. Auf ein paar ausgewählte Artikel beziehungsweise ein neu erschienenes Buch zu desinformierten Bürgern im Netz möchte ich in meiner Mini-Serie eingehen.

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Die süßen kleinen Links brauchen unsere Hilfe

Die süßen kleinen Links brauchen unsere Hilfe

Das Netz als Ort der Debatte – das war einmal der schöne Traum, vielleicht in Ansätzen gelebt von Bloggern vor gut zehn Jahren. Die Klage, dass diese Utopie wohl weitgehend zerstört ist, ist bei weitem nicht neu, aber zumindest formuliert wurde dieses Problem auch auf dieser re:publica. Als kraftvoller Fürsprecher des offenen Web trat der iranisch-kanadische Blogger und Journalist Hossein Derakhshan auf. Ein guter Anlass, die eigenen Publikationsroutinen zu hinterfragen. Doch was genau ist das Problem?

Das offene Web, das Informationen einfach für alle verfügbar macht, wird durch Hyperlinks ermöglicht. Sie drücken Beziehungen aus und wo sie nicht vorgesehen sind, entstehen Silos. Und in Silos – so wurde in letzter Zeit überdeutlich – fehlt oft die Lüftung und es entwickeln sich Filterblasen. Solche Feststellungen sind weitgehend banal und wurden schon von vielen gemacht, ähnlich etwa vom RSS-„Erfinder“ Dave Winer  oder von Sascha Lobo, der aus diesem Grund bereits vor drei Jahren „Reclaim the Web“  ausgerufen hatte. Auch für Hossein Derakhshan ist der Link der Ausgangspunkt seiner Argumentation, die er bereits in mehreren Artikeln entwickelt hat (z.B. hier oder dort). „Iran’s Blogfather“ war für sechs Jahre wegen seines Bloggens im Iran im Gefängnis und erkannte nach seiner Freilassung das Web nicht mehr. Statt in unabhängigen, allgemein zugänglichen Blogs zu veröffentlichen und sich zu verlinken, nutzen nun viele lieber Facebook, das zuletzt mit den Instant Articles und Live-Videos alles dafür tut, damit möglichst im eigenen Universum publiziert wird, und Links zu Newsseiten, Blogs oder offenen Videoplattformen überflüssig werden.
Doch das ist nicht das einzige Problem, das Derakhshan sieht. Er argumentiert:
  • Algorithmen wie jener des Facebook-Newsfeed diskriminieren die Meinung von Minderheiten, stattdessen würden die Aktualität und die Popularität zu den Hauptkriterien zur Verbreitung von Informationen;
  • hauptsächlich mobil genutzte Dienste wie Instagram sehen erst gar keine Links vor. Da gerade in Iran Instagram wegen der besseren Zugänglichkeit oft wie eine Blogplattform genutzt werde, bedeutet dies, dass der Diskurs hinter Türen stattfindet. Ähnliches gilt für Apps allgemein;
  • durch Werbung überladene Websites mit langen Ladezeiten und einer schlechten User Experience führten dazu, dass viele Leute im mobilen Web erst gar nicht mehr gern Links folgten, während am Desktop mehrere offene Browser-Tabs auch ein Zeichen für die Suche nach alternativen Informationen waren;
  • der Trend zum visuellen Web verhindere Diskurs und verstärke den Modus des Brodcasting;
  • und schließlich sieht er auch das Ausweichen auf Messenger problematisch: So werde im Iran zur Umgehung von Zensur immer üblicher, in Telegram in Listen zu publizieren – diese sind aber nur abonnierbar, bieten also keine Dialogmöglichkeit.
Man könnte auch Gegenargumente bringen – etwa die Kraft, die durch Venetzung entstehen kann oder, dass Publizierende bei Facebook oder auch Snapchat und Instagram allein durch ihre Verbreitung viele Menschen und damit viel Interaktion erreichen könnten. Für mich zählt das aber wenig, wenn ich demgegenüber die Abschottung und damit die Nicht-Auffindbarkeit vieler Inhalte, die Abhängigkeit und mögliche Beeinflussbarkeit von Plattformbetreibern und die Zentralisierung von Daten sehe. Mit gutem Grund haben deshalb in Indien Aktivisten gegen ein kostenloses Facebook-Pseudo-Internet gekämpft.

Algorithmen hacken und kuratieren?

Wie gesagt, neu ist die Diagnose nicht, die Entwicklung scheint aber immer weiter voran zu schreiten. Gibt es im gegenwärtigen Netz überhaupt Lösungen für diese Probleme? Derakhshan sieht zwei Ansätze. Zum einen Algorithmen wie jenen, der den Facebook-Newsfeed produziert. Über ihn müssen wir diskutieren, ihn nicht einfach annehmen, wie er ist. Im Prinzip könnte dieser auch für Third Party-Developer geöffnet werden, schlägt er vor. Natürlich kann man sehr skeptisch sein, ob das durchsetzbar ist – nicht nur, weil der Algorithmus und das Geschäftsmodell von Facebook eng zusammen hängen. Aber was nicht hinterfragt wird, bleibt sicher wie es ist. Die Diskussion um einen TÜV für Algorithmen scheint mir deshalb sehr wichtig.
Ein anderer Ansatz, den Derakhshan empfiehlt, ist das Zugänglichmachen von Informationen. Hierzu gibt es natürlich verschiedene Hebel – von Open Source, Creative Commons bis zum Kuratieren können einem da verschiedene Ansätze einfallen. Natürlich, die Mehrzahl der Internetnutzer hat noch nie online publiziert oder diskutiert. Haben alle Nutzer jedoch die Möglichkeit, aus Silos herausgebrochene Informationen der Aktiven zu erhalten, wäre auch ein bisschen etwas erreicht.

Und was mache ich?

Ok, beginnen wir im Kleinen. Vor der Forderung an andere steht die Frage, was ich als Gelegenheitsschreiber in diesem Netz anders machen könnte. Abgesehen vom Grundproblem, viel zu wenig zu schreiben, beschäftigt mich – schon seit längerem – die Frage, wie ich mit all den Plattformen umgehe: also Facebook, LinkedIn, Xing, Medium, aber auch Instagram, Twitter oder Pocket. Derekshans Mahnung war jetzt noch der letzte Anstupser.
Sehr lange Zeit habe ich mit großer Leidenschaft die Meinung vertreten: Jede Plattform braucht ihre eigene Publikationsstrategie. Für Unternehmen halte ich das im Rahmen strategischer Kommunikation auch für zwingend. Für Einzelne, die nebenbei ab und zu im Netz etwas veröffentlichen, ist das vermutlich kaum mehr durchzuhalten – viel wichtiger aber: man würde die Silos unterstützen, wenn man ihnen exklusive Beiträge schenkt. Insofern gebe ich reumütig zu: Da hatte ich wohl einen falschen Anspruch. Was habe ich also konkret überlegt?
  • Artikel stehen erst mal hier im Blog, die meisten werde ich jedoch 1:1 auch nach Medium schieben und z.B. ins von mir bisher weitgehend ignorierten LinkedIn. Dies, um auch die dortigen Communities anzusprechen. Über meine künftige Facebook-Nutzung muss ich mir noch klarer werden.
  • Ich will wieder mehr kuratieren. Das Empfehlen von Links in Pocket ist zwar sehr bequem, aber eben auch ein Silo. Wenn ich es also schaffe, gibt es neben den Links in Pocket hier im Blog wieder wöchentliche Lesetipps. Ohnehin landen alle Links, die ich wieder finden will, im öffentlichen und abonnierbaren Diigo-Archiv.
  • Da ich Instagram sehr gern mag, nutze ich es weiterhin, alle Fotos wandern aber (schon immer) mit CC-Lizenz in meinen öffentlich zugänglichen Flickr-Account. Wenn ich die Zeit finde, füttere ich meine Lieblingsbilder wieder in mein Fotoblog, das Bilddepot.
Natürlich sind das nur winzige Stellschrauben, genauso wie die Frage, welche Suchmaschine man verwendet oder andere Bausteine zu mehr Datenautonomie. Angesichts der düsteren Perspektive, wie sie etwa der Juraprofessor Eben Moglen zeichnet, bleibt am Ende schon einige Hilflosigkeit: Er sieht die Entwicklung schon seit Jahren sehr kritisch, und auch auf der rpTEN betonte er, besonders Facebook, aber auch das Netz allgemein, seien heute ein Überwachungsmechanismus – und Netzwerke eine mögliche Basis für Totalitarismus. Aber das ist eine andere Debatte.

Lehrprojekt zum Wandel durch Content Strategie

Dieser Artikel ist zuerst bei Medium.com erschienen.

Die Diskussion um Content Strategie dreht sich häufig um das „Wie“ – das Handwerkliche. Es gibt aber auch andere Seiten: Natürlich soll Content Strategie wirken, aber sie wirkt sich auch aus – zum Beispiel auf die Organisation von Kommunikationsabteilungen, auf die Beratung durch Agenturen genauso auf Anforderungen an Content Management-Systeme.Diese Auswirkungen von Content Strategie haben wir in den Mittelpunkt eines Lehrprojektes im Studiengang Onlinekommunikation (B.Sc.) an der Hochschule Darmstadt im Wintersemester 2015/16 gestellt.

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Ein bisschen mehr Datenautonomie als digitale Mahnwache

Konsequent bin ich nicht. Aber ich versuche, ein bisschen mehr Kontrolle über meine Daten im Netz zu bekommen. Inzwischen habe ich ein paar Maßnahmen für etwas mehr Sicherheit und Datenschutz im Alltag umgesetzt. Das Ganze war ein langer Prozess und noch immer gilt: Ich nutze Facebook gern. Noch lieber Google, Slack und Dropbox. Und natürlich sehr gern auch gute journalistische Angebote. Trotzdem: Ich möchte nicht ständig im Netz verfolgt werden. Und vor allem ist mir das Weltbild staatlicher Institutionen zuwider, das uns alle zu Verdächtigen macht, die es zu überwachen gilt.

Wie viele Spuren wollen wir hinterlassen?
Wie viele Spuren wollen wir hinterlassen?

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